Beschneidung
Zirkumzision - Genitale Verstümmelung
UNICEF Deutschland
Ja zu genitaler Verstümmelung von Jungen
In einen Antwortschreiben vom 07.10.2008 auf eine Anfrage behauptet Beatrix S. Hell, Informationsreferentin von UNICEF Deutschland, dass die Auswirkungen der genitalen Verstümmlung von Jungen durch sogenannte Beschneidungen nicht so gravierend sei wie die bei Mädchen. Und weiter:
"UNICEF betont jedoch ausdrücklich, dass niemand zur Beschneidung gezwungen werden darf. Eltern oder Betreuer haben gemäß UN-Kinderrechtskonvention die Pflicht `im besten Interesse des Kindes` zu handeln. Sie müssen entscheiden, ob ihr Sohn beschnitten wird."
UNICEF Deutschland trägt also vor, dass es in Ordnung wäre, Jungen im Gegensatz zu Mädchen zu beschneiden, wenn dies mit Einverständnis der Jungen erfolgt. Andererseits wird von UNICEF Deutschland aber kein Einverständnis der Jungen vorausgesetzt, denn die "Eltern oder Betreuer .... entscheiden, ob ihr Sohn beschnitten wird."
Im übrigen ist es völliger Unsinn, zu suggerieren, Jungen könnten vor Erreichung der Volljährigkeit ihr Einverständnis zu einer genitalen Verstümmelung erteilen.
Für UNICEF Deutschland sollte man keinen müden Euro spenden, solange dort das Wohl und die körperliche Unversehrtheit von Jungen derart missachtet wird.
Beschneidung
Im Glauben verletzt
Um die rituelle Beschneidung jüdischer Knaben ist Streit entbrannt. Juristen und Ärzte wollen sie verbieten, weil dafür keine medizinische Notwendigkeit besteht. Juden und Muslime sind empört.
Von Adelheid Müller-Lissner
Die rituelle Beschneidung der männlichen Vorhaut hat eine über 3000-jährige Tradition. Juden und Muslime berufen sich dabei gleichermaßen auf Gottes Aufforderung an Stammvater Abraham, „alles Männliche soll bei euch beschnitten werden“. Die Beschneidung von Knaben, medizinisch als Zirkumzision bezeichnet, ist in ihren Folgen überhaupt nicht zu vergleichen mit der weiblichen Genitalverstümmelung. Trotzdem ist sie in Deutschland und vor allem in Dänemark gerade wieder zum Thema für Politiker, Ärzte und Juristen geworden, die sie verhindert oder gar verboten wissen wollen.
Wie die in Berlin erscheinende „Jüdische Allgemeine“ berichtet, stoßen Angriffe auf die rituelle Beschneidung bei Vertretern jüdischer Gemeinden in Deutschland auf einhellige Empörung. „Die Beschneidung männlicher Nachkommen ist seit 3400 Jahren untrennbarer Bestandteil unseres Glaubens“, erklärte der Düsseldorfer Gemeinderabbiner Julian Chaim Soussan für die Orthodoxe Rabbinerkonferenz Deutschland. Die jüdische „Brit Mila“, wie der Ritus heißt, findet traditionell noch vor dem achten Lebenstag statt. Wenn das in Dänemark nicht mehr möglich sei, könne eine Art Beschneidungstourismus die Folge sein, fürchtet Soussan. „Es erschüttert uns, dass Juden nur gut sechs Jahrzehnte nach der Schoah in einem westeuropäischen Staat ernsthaft darüber nachdenken müssen, ihre Heimat zu verlassen, um ihr Judentum frei praktizieren zu können.“
Traditionell ist für die rituelle Beschneidung im Judentum der sogenannte Mohel zuständig. Im „Deutschen Ärzteblatt“ beschäftigten sich kürzlich jedoch zwei Medizin- und ein Juraprofessor mit der Frage, wie Ärzte sich verhalten sollten, wenn Eltern den Wunsch nach einer Zirkumzision aus religiösen Gründen an sie herantragen. In den Augen der Wissenschaftler ein echtes Dilemma: Einerseits haben die Eltern das Sorgerecht für ihr Kind, auch in religiösen Angelegenheiten. „Andererseits wird von dem Arzt die Vornahme eines Eingriffs verlangt, für den keine medizinische Notwendigkeit besteht.“ Eines Eingriffs, der nach Ansicht der Autoren streng genommen als Körperverletzung gewertet werden könnte und der, wie jede Operation, nicht frei ist von Risiken und Nebenwirkungen. Für die Kinderchirurgen Maximilian Stehr und Hans -Georg Dietz vom Dr. von Hauner’schen Kinderspital der Uni München und den Strafrechtler Holm Putzke von der Uni Bochum ist deshalb klar: „Solange die Rechtslage gerichtlich nicht geklärt ist, sollte der Arzt die Vornahme einer medizinisch nicht indizierten Zirkumzision ablehnen.“ Aus medizinischer Sicht kann die Beschneidung dagegen nötig sein, wenn die Vorhaut des Penis so verengt ist, dass das Wasserlassen erschwert ist oder sich darunter immer wieder Entzündungen bilden. Doch in leichten Fällen ist oft gar keine Operation nötig, auch kortisonhaltige Salben können helfen. Viele Eltern, die die Beschneidung aus religiösen Gründen wünschten, schöben eine Verengung der Vorhaut und Beschwerden ihres Sohnes zudem nur vor, um den Eingriff auf Kassenkosten vornehmen zu lassen, monieren die Münchner Kinderchirurgen.
Die Debatte ist verwirrend: Tatsächlich werden seit Jahren auch immer wieder medizinische Argumente dafür vorgebracht, die Vorhaut nicht allein im Krankheitsfall zu entfernen. Zuletzt hat die Weltgesundheitsorganisation WHO eine Empfehlung zur vorbeugenden Beschneidung ausgesprochen, nachdem eine Studie zu dem Schluss gekommen war, dass in Afrika das Infektionsrisiko dadurch deutlich sinken würde. Ein sicherer Schutz ist die Beschneidung aber keineswegs – und in den meisten Ländern stünden Aufwand und Ergebnis in keinem angemessenen Verhältnis. Auch Peniskrebs ist zu selten, als dass das ein Argument wäre. In den USA, wo noch vor zehn Jahren sechs von zehn Jungen kurz nach der Geburt von Ärzten beschnitten wurden, weil man das für eine gute Art der Vorbeugung hielt, sind die Zahlen deutlich heruntergegangen, seit die einschlägige Fachgesellschaft die Zirkumzision nicht mehr als Routinemaßnahme empfiehlt.
Bleiben, neben den eng umschriebenen medizinischen Indikationen, die religiös motivierten Beschneidungen jüdischer und muslimischer Jungen.
Der niedergelassene Berliner Kinderchirurg Yadollah Moazami-Goudarzi sieht seine Rolle als Arzt hier nicht zuletzt im aufklärenden Gespräch: „Wenn Eltern mit diesem Wunsch in meine Praxis kommen, versuche ich ihnen klarzumachen, dass die Beschneidung auch Nachteile mit sich bringt und dass ihre Kinder in einer veränderten Gesellschaft aufwachsen, unter anderen hygienischen und klimatischen Bedingungen als die Religionsgründer.” Im Zweifelsfall plädiert er für eine „sparsame Zirkumzision”, eine plastische Erweiterung, wie sie bei Phimoseoperationen zur Anwendung kommt. „Doch das kann nur ein Chirurg machen.” Charité-Urologe Frank Christoph hat es in der kinderurologischen Sprechstunde am Otto-Heubner-Zentrum auf dem Campus Virchow fast ausschließlich mit jungen Patienten zu tun, die die Operation wegen einer Verengung der Vorhaut brauchen. Sie kommen meist zwischen dem zweiten und dem zehnten Lebensjahr. „Wir sind nur selten mit der Bitte um eine Beschneidung aus rituellen Gründen konfrontiert.“ Bisher sei auch nur sehr selten ein Kind nach einer Beschneidung mit einer schweren Komplikation in die Klinik gekommen. „Die rituellen Beschneider verfügen offensichtlich über eine durch Tradition und langjährige Erfahrung erworbene Expertise.“ So gesehen sind medizinische Bedenken gegen eine Beschneidung eher unbegründet.
Bedenken regen sich allerdings auch bei Mitgliedern der religiösen Gemeinschaften. Niemand solle „im Namen der Religion ein Messer an das Fleisch eines Babys setzen“, schrieb schon vor zehn Jahren die jüdische Ärztin und Psychotherapeutin Jenny Goodman. Die britische Beschneidungsgegnerin beruft sich ihrerseits auf ein Bibelzitat. Schließlich hörte Abraham von seinem Gott auch die Mahnung: „Lege nicht Hand an den Knaben und tue ihm nichts zuleide.“
Bleibt die Frage, ob ihm tatsächlich etwas zuleide getan wird. Vielleicht ist das am Ende eine Glaubensfrage.
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 30.12.2008)
http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/Beschneidung;art1117,2694268
Kommentar maennerrat:
Man sollte Adelheid Müller-Lissner, die Autorin des Artikels, mal fragen, ob man ihr ein Ohrläppchen abschneiden darf. Denn das Abschneiden eines Ohrläppchens ist in seinen "Folgen überhaupt nicht zu vergleichen" mit dem Abschneiden eines ganzen Ohres.
Im übrigen sind Ohrläppchen völlig unnütz, außer dass man goldene Ohrringe daran hängen kann, die man besser verkaufen sollte, um Muslimen und Juden beim Kauf neuer rostfreier Messer finanziell zu unterstützen, mit denen sie männliche Babys ungefragt und mit Beihilfe des Oberverwaltungsgericht Lüneburg( Beschluß vom 23.7.2002 - 4 ME 336/02) im Namen Gottes verstümmeln können. Und wenn dann das Geld immer noch nicht reicht, kann man Frau Adelheid Müller-Lissner ja fragen, ob sie sich auch noch das zweite Ohrläppchen entfernen lassen will, das sieht dann schön symmetrisch aus und ist bestimmt auch nicht weniger schädlich als das Abschneiden der Vorhaut Tausender männlicher Babys, die später sehr dankbar sein könnten, dass man ihnen die lästige Vorhaut abgeschnitten hat.
Schmerzensgeld wegen unfreiwilliger Beschneidung eines Jungen
Die im muslimischen Lebens- und Kulturkreis übliche Beschneidung von Jungen stellt ohne wirksame Einwilligung in die Vornahme des ärztlichen Eingriffs eine Verletzung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts und rechtswidrige Körperverletzung dar, die ein Schmerzensgeld rechtfertigen kann. Dies hat der 4. Zivilsenat des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main jetzt in einem Prozesskostenhilfeverfahren entschieden.
Der Antragsteller begehrte Prozesskostenhilfe für eine Klage, mit der er seinen Vater wegen seiner im 12. Lebensjahr veranlassten Beschneidung auf Zahlung eines Schmerzensgeldes in Höhe von 10.000 Euro in Anspruch nehmen will.
Die Eltern des Antragstellers sind geschieden. Der Antragsteller wohnt bei seiner Mutter, die auch das alleinige Sorgerecht für ihn hat. Zum fraglichen Zeitpunkt verbrachte er jedoch die Ferien bei seinem Vater, einem streng gläubigen Moslem. Auf dessen Veranlassung hin wurde der Junge von einem Arzt beschnitten. Die Mutter, die nicht Muslima ist, hatte die Beschneidung stets abgelehnt.
Der Prozesskostenhilfeantrag hatte in 2. Instanz Erfolg, weil dem Antragsteller ein Entschädigungsanspruch wegen Verletzung seines allgemeinen Persönlichkeitsrechts und rechtswidriger Körperverletzung zustehen könne. Sein Vater habe den nicht einsichts- und nicht einwilligungsfähigen Jungen bewogen, sich der Beschneidung zu unterziehen, ohne Inhaber des elterlichen Sorgerechts zu sein und damit rechtswidrig in dessen Selbstbestimmungsrecht eingegriffen.
Dabei lässt der Senat ausdrücklich offen, ob generell und bis zu welchem Alter die Einwilligung zu einer Beschneidung durch muslimische Eltern als vom Erziehungs- und Sorgerecht umfasst angesehen werden könnte. Die Beschneidung könne, auch wenn sie keine gesundheitlichen Nachteile mit sich bringe, im Einzelfall für das kulturell-religiöse und körperliche Selbstverständnis des Betroffenen von Bedeutung sein. Die Entscheidung hierüber falle deshalb in den Kernbereich des Rechts einer Person, über sich und ihr Leben zu bestimmen. Die Zubilligung eines Schmerzensgeldes setze nicht voraus, dass der Antragsteller tatsächlich körperliche oder seelische Nachteile erlitten habe oder erleiden werde.
Angesichts der Schwere der Verletzung des allgemeinen Persönlichkeitsrechtes rechtfertige allein schon die Genugtuungsfunktion eine Geldentschädigung. In welcher Höhe ein Schmerzensgeld letztlich gerechtfertigt sei, hänge davon ab, ob und inwieweit der Antragsteller langfristig körperliche oder seelische Nachteile erleide oder, wie er behauptet, wegen seiner Andersartigkeit von gleichaltrigen verspottet werde. Diese Umstände bedürfen nach Auffassung des Senats noch der Darlegung im Einzelnen. Zu berücksichtigen sei dabei auch, dass die Beschneidung im Allgemeinen für die Sexualität des Mannes keine Bedeutung habe und der Antragsteller noch darlegen müsse, worin gerade für ihn in der Beschneidung ein Leiden liege. Über die endgültige Höhe des Schmerzensgeldes ist daher nunmehr im Klageverfahren zu befinden.
Oberlandesgericht Frankfurt am Main Az: 4 W 12/07
(Meldung vom 24.09.2007)
Kommentar maennerrat:
Während die Beschneidung von Mädchen und Frauen in Deutschland immer als Körperverletzung angesehen wird, müssen sich Jungen und Männer nach dem skandalösen jungen- und männerfeindlichen Urteil des Oberlandesgericht Frankfurt rechtfertigen, warum sie das gleiche Recht, dass Frauen und Mädchen zugestanden wird, auch für sich einfordern.
Vielleicht sollte man mal dem einen oder anderen Frankfurter Richter ein Ohrläppchen abschneiden und ihn dann fragen, wie er sich damit fühlt und ob er nicht vielleicht auch noch das zweite Ohrläppchen abgeschnitten haben will.
Das verlorene Stück
Dokumentarfilm, Deutschland 2006, BR, Erstausstrahlung
Regie: Oded Lotan
Auf einer Reise durch Israel und Deutschland geht der Filmemacher Oded Lotan der jüdischen Beschneidungstradition auf den Grund. In Gesprächen mit Rabbinern, Psychologen, Eltern von beschnittenen Jungen und Gegnern der Beschneidung versucht er, den Sinn dieses operativen Eingriffes zu verstehen.
Mit viel Selbstironie begibt sich Filmemacher Oded Lotan auf die Suche nach den Hintergründen der jüdischen Beschneidungstradition. Bei seiner Reise durch Israel und Deutschland trifft er auf ungewöhnliche Gesprächspartner, zum Beispiel auf einen "singenden Mohel" - einen Beschneider -, Mütter und Väter von beschnittenen Jungen, aber auch entschiedene Beschneidungsgegner. Ein russisch-stämmiger Wehrdienstleistender erlaubt Oded, ihn in die Klinik zu begleiten, wo ihn die kurze Operation seinen Kameraden im Armee-Camp "gleich machen" soll. In Berlin-Kreuzberg wohnt Lodan einer kurdischen Beschneidungsfeier bei, und in Heidesheim erfährt er, dass der Kult um die Vorhaut sogar Eingang in die christliche Reliquienverehrung gefunden hat.
Von Wissenschaftlern und Rabbinern sowie deren Frauen hört der Reisende von den Vorzügen und den Nachteilen der Beschneidung. In Tel Aviv sinniert er mit einem Psychologen über Beschneidung als Bestandteil nationaler Identität. Und mit seiner Mutter diskutiert er darüber, warum es ihr so wichtig ist, dass ihre Kinder sich nicht von anderen Menschen unterscheiden.
Schließlich findet sich Lotan auf den schmalen Fluren des "Kommissariats für die Inspektion von Mohelim" in Jerusalem wieder. Wird sich hier das Rätsel seines eigenen "verlorenen Stückes" lösen? Der Dokumentarfilm ist auch eine Reise durch die verschiedenen sozialen Schichten Israels und vermittelt ein komplexes und vielfarbiges Bild dieses Landes.
Donnerstag, 17. Mai 2007 um 22.30 Uhr
www.arte.tv/de/woche/244,broadcastingNum=677040,day=6,week=20,year=2007.html
Kommentar maennerat.de:
Da finden mitten in Berlin unbehelligt von Polizei und Justiz strafbare Körperverletzungen (Beschneidungen) an kurdischen Jungen statt und keinen in Deutschland scheint das ernsthaft zu stören. Woher auch, Männer und ihre körperliche Unversehrtheit wurden schon immer bedenkenlos für Ideologien geopfert.
Beschneidungen von Mädchen werden inzwischen in Deutschland strafrechtlich sanktioniert. Es gibt ja auch eine Bundesfrauenministerin, die sich hier engagiert. Ein Bundesmännerminister ist weit und breit nicht in Sicht, männliche geschlechtsblinde Flachköpfe in Regierung und Parlament quer durch alle Parteien scheinen dagegen eher die Regel als die Ausnahme zu sein.
21.06.2007
Kritische Erklärung zu männlicher Beschneidung als HIV-Prophylaxe
WHO und UNAIDS haben Ende März offiziell männliche Beschneidung für die am schlimmsten von der HIV-Epidemie betroffenen afrikanischen Länder empfohlen, da sie das Infektionsrisiko um bis zu 60% verringere. Abgesehen von dem Skandal, dass Teile der Geschlechtsorgane von Jungen und Männern einfach so zur Disposition gestellt werden, bringt eine solche Strategie massive Probleme mit sich, und es ist zu befürchten, dass es u.a. zu einer Verschlimmerung der Epidemie, insbesondere unter Frauen und Kindern, hohen Komplikationsraten mit fatalen Folgen und zu Verletzung von Menschenrechten und bioethischen Grundsätzen kommt. Leider werden diese Probleme in Deutschland bisher kaum wahrgenommen oder öffentlich diskutiert.
Die Mitarbeiter der Webseite www.phimose-info.de haben daher eine Erklärung verfasst, in der die Probleme und Befürchtungen im Zusammenhang mit dieser Maßnahme aufgeführt werden. Es werden zudem strenge Forderungen aufgestellt, die vor/bei ihrer Durchführung befolgt werden müssen. Als Unterstützer konnten bereits mehrere Organisationen und Einzelpersonen gewonnen werden, die sich u.a. mit den Rechten und der Gesundheit von Jungen und Männern befassen.
Die Erklärung kann unter diesem Link abgerufen werden:
http://www.phimose-info.de/component/option,com_remository/Itemid,0/func,fileinfo/id,19/
Phimose-Info Deutschland
Allgemeine Anfragen: mail@phimose-info.de
Anfragen zur HIV-Erklärung: hiv@phimose-info.de
05.06.2007
Franz Maciejewski
Psychoanalytisches Archiv und jüdisches Gedächtnis
Freud, Beschneidung und Monotheismus. Dissertation
Passagen-Verlag, Wien 2002
ISBN 3851655559,
Kartoniert, 395 Seiten, 45,00 EUR
Zum Autor
Franz Maciejewski
Franz Maciejewski ist Soziologe, Psychoanalytiker und freier Autor. Er war Leiter des Forschungsprojekts "Erinnerungsrituale des Holocaust" der Universität Heidelberg.
Rezensionen - Neue Zürcher Zeitung vom 11.12.2002
Der Beschneidungsritus steht im Mittelpunkt von Franz Maciejewskis Studie, die ganz auf der Höhe der philosophischen Diskussion im Schnittpunkt mehrerer Wissenschaften sich befindet: der Psychoanalyse, der Ethnopsychologie, der Soziologie und der Kulturwissenschaft. Für Jan Assmann hat Maciejewski Außerordentliches geleistet: indem er die Beschneidung als kulturell geformtes frühkindliches Trauma begreife, das unterhalb der Bewusstseinsschwelle in die individuelle Psychohistorie eingeht, gelänge es dem Autor, freut sich Assmann, Freuds Erkenntnisse in die Psychodynamik der Kultur und seine Aussagen über das phylo- beziehungsweise ethnogenetische Gedächtnis eines Volkes aufzugreifen und weiterzuentwickeln. "Nicht der Monotheismus, sondern der Beschneidungsritus steht am Anfang der Entwicklung", fasst Assmann Maciejwskis Hauptthese zusammen. Das kulturelle Gedächtnis umfasst eben weit mehr, resümiert Assmann, als die mündliche oder schriftliche Weitergabe von Mitteilungen, es enthält ebenso Riten, Sitten, Urszenen, die sich im Körper des Menschen einschreiben können und ein "mentales Milieu" schaffen, indem sowohl Monotheismus wie Psychoanalyse gut gedeihen. Assmann verspricht sich von Maciejewskis provozierendem Beitrag Auftrieb für eine unter anderem psychoanalytisch orientierte Kulturwissenschaft.
Wozu in die Ferne schweifen,
sieh das Schlechte liegt so nah.
Oberverwaltungsgericht Lüneburg verurteilt Sozialamt zur Übernahme der Kosten für genitale Verstümmelung eines Jungen
Ein hilfebedürftiges Kind muslimischen Glaubens hat Anspruch darauf, dass ihm der Sozialhilfeträger eine einmalige Leistung aus besonderem Anlass durch Übernahme der Kosten für die Beschneidung durch einen Arzt gewährt.
Leitsatz der Redaktion "Neue Juristische Wochenschrift", 2003, Heft 45, S. 3290
OVG (Oberverwaltungsgericht) Lüneburg, Beschluß vom 23.7.2002 - 4 ME 336/02
"Zum Sachverhalt: Das VG (Verwaltungsgericht) lehnte den Antrag der Ast. (Antragsteller) ab, den Ag. (Antragsgegner - Sozialamt) durch einstweilige Anordnung zu verpflichten, die Kosten für ihre Beschneidung zu übernehmen. Das OVG gab der Beschwerde der Ast. statt.
Aus den Gründen: Die gem. § 146 IV VwGO zulässige Beschwerde ist begründet. Die Ast. haben gem. § 123 III VwGO i. V. mit § 920 II ZPO hinreichend glaubhaft gemacht, dass sie gern. §§ 12, 211 a Nr. 7 BSHG beanspruchen können, dass der Ag. ihnen Hilfe zum Lebensunterhalt durch Übernahme der Kosten ihrer (ambulanten, medizinisch fachgerechten) Beschneidung durch einen Arzt gewährt, und dass eine einstweilige Regelung zur Abwendung wesentlicher Nachteile nötig ist.
Die Beschneidung der Ast., die (wie alle Mitglieder ihrer Familie) muslimischen Glaubens sind, ist — entgegen der Auffassung des Ag. - nicht als medizinische Behandlung zu beurteilen, so dass - weil sie zur Besserung von Krankheitsfolgen nicht erforderlich ist - Krankenhilfe gem. § 37 BSHG nicht zu gewähren ist. Sie hat vielmehr im muslimischen Kulturkreis eine der Taufe im christlichen Kulturkreis vergleichbare religiöse und gesellschaftliche Bedeutung (vgl. Senat, FEVS 44, 465). Wie diese ist sie deshalb als besonderer Anlass i. S. des § 21 I a Nr. 7 BSHG zu werten, für den die im Einzelfall notwendigen einmaligen Leistungen zum Lebensunterhalt gewährt werden. Diese umfassen nicht nur eine private Feier aus Anlass der Beschneidung nach islamischem Glauben (vgl. dazu Senat, FEVS 44, 465), sondern auch den notwendigen Aufwand für die Beschneidung (-soperation) als solche. Die Kosten derselben - die einer Phimoseoperation (Nr. 1741 des Gebührenverzeichnisses für ärztliche Leistungen, Anlage zur Gebührenordnung für Ärzte - GOÄ -, Stand: 1.1.2002) vergleichbar ist - schätzt der Senat für den vorliegenden Fall auf insgesamt höchstens 100 Euro je Ast. (s. die von ihnen vorgelegte Auskunft des Chirurgen vom 22.7.2002).
Auch die Dringlichkeit der begehrten einstweiligen Regelung <Anordnungsgrund> Ist hinreichend glaubhaft gemacht. Dabei sieht der Senat den Vortrag der Ast. im Gerichtsverfahren, dass die Gäste auf den 25.7.2002 zu der Familienfeier geladen sind, die Beschneidung selbst vor der Feier vollzogen sein muss und eine etwaige Ausladung der geladenen Gäste für die ganze Familie gesellschaftliche Nachteile von erheblichem Gewicht nach sich ziehen würde, als glaubhaft an."
Schauen wir doch mal ins Strafgesetzbuch, was Täterinnen und Täter die eine Körperverletzung begehen oder Beihilfe dazu leisten droht:
§ 223 Körperverletzung
(1) Wer eine andere Person körperlich misshandelt oder an der Gesundheit schädigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Der Versuch ist strafbar.
Nun, da können die verantwortlichen Richter und Richterinnen vom Oberverwaltungsgericht aber froh sein, dass noch niemand eine Strafanzeige gegen sie gestellt hat. Man stelle sich nur mal vor, dem betreffenden Richter würde die Vorhaut seines Penis weggeschnitten werden oder der Richterin die Schamlippen. Das fänden die Herren und Damen wahrscheinlich nicht gut. Aber ein Kind muss dass über sich ergehen lassen und die Steuerzahler in Deutschland werden für diese Kindesmisshandlung auch noch zur Kasse gebeten.
Schnitt für die Männlichkeit
Operation Vorhaut
Ein kleiner Schnitt für einen Mann, ein "großer" für die Männlichkeit: Im Vergleich zu früher sind in Deutschland mehr Männer beschnitten. Allein die kulturellen Kerngruppen mit beschnittenen Männern – Juden und Muslime – sind in den vergangenen Jahrzehnten gewachsen. Die rituelle Zirkumzision geschieht im Judentum traditionell am achten Lebenstag, im Islam im Alter von vier bis acht Jahren. An genauen Zahlen, was den Anteil Beschnittener in Deutschland angeht, mangelt es aber. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt die Beschneidung neuerdings im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit Aids.
Laut WHO und dem Aids-Programm der Vereinten Nationen (UNAIDS) sind die wissenschaftlichen Belege inzwischen zwingend: eine Beschneidung senke das Infektionsrisiko um bis zu 60 Prozent. Warum das so ist, ist nicht endgültig geklärt. Vermutet wird unter anderem, dass die Zellen an der Oberfläche der Eichel dann verdicken und besseren Schutz gegen das Eindringen der Viren bieten. Experten warnen in jedem Fall vor Sorglosigkeit: Eine Beschneidung schütze keinesfalls zuverlässig.
Ansonsten wird die Beschneidung medizinisch bei einer Phimose (Vorhautverengung) im Schulalter empfohlen, wie es im "Pschyrembel Wörterbuch Sexualität" heißt – ein "bei entsprechender Wundversorgung unproblematischer Eingriff mit geringem Risiko von Komplikationen".
Nach Angaben des Instituts für Männergesundheit in Hamburg kann eine Vorhautverengung, die in den ersten Lebensjahren normal ist, in jedem Alter auftreten. Die Folge sind Probleme beim Wasserlassen, Entzündungen und auch Reinigungsprobleme. Studien zeigten, dass nicht entfernte Absonderungen unter der Vorhaut ein erhöhtes Risiko für Peniskrebs und bei einer Partnerin für Gebärmutterhalskrebs bedeuten.
Weltweit sollen nach Schätzungen 20 bis 40 Prozent aller Männer beschnitten sein. In den USA ist der Anteil seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts besonders hoch – eine Tradition in der Ärzteschaft, die jedoch laut Pschyrembel eine rückläufige Tendenz aufweist.
Der David von Michelangelo. Obgleich wir davon ausgehen dürfen, dass David beschnitten war, stellte ihn Michelangelo mit Vorhaut dar.
In Deutschland liegt der Anteil Beschnittener nach Angaben des Vereins "Eurocirc" bei etwa 15 Prozent. Der für die Beschneidung eintretende Verein im nordrhein-westfälischen Dinslaken berät per Internet-Seite und Hotline. Mitgründer Maurice Holzapfel sagt, der Umgang mit dem Thema sei in den vergangenen zehn Jahren lockerer geworden. Bei der Hotline seines Vereins riefen heutzutage auch Frauen an, die Argumente suchten, um ihren Partner zu überreden, weil sie einen beschnittenen Penis ansehnlicher und hygienischer fänden.
An Zahlen jenseits dieser Befürworter-Gruppe mangelt es jedoch. Weder bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, den für Musterungen zuständigen Behörden, noch bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gibt es eine Statistik. Experten gehen jedoch davon aus, dass das Thema aus der Tabu-Zone heraus sei und Männer mit einer Vorhautverengung sich heute eher unters Messer legen, während viele früher glaubten, Schmerzen "männlich" ertragen zu müssen.
Gegner der Beschneidung – wie die US-Organisation "Nocirc" – bezeichnen sie Operation als "Menschenrechtsverletzung". Bei einer Phimose plädieren sie für Dehnungen. Der deutsche "Nocirc"-Vertreter, Frank Tschuschke, sagt: "Weibliche Beschneidung wird zum Glück oft angeprangert. Da denkt man an Afrika, rostige Klingen und Schmerz." Doch er findet, auch Männern werde bei einer Beschneidung körperliche Unversehrtheit und sexuelle Sensibilität geraubt.
Von Gregor Tholl, dpa
http://www.n-tv.de/796242.html
Posteingang 04/2007
"Zu einer `dichten Beschreibung` des Kleinen Hans. Über das vergessene Trauma der Beschneidung"
Franz Maciejewski in "Psyche - Zeitschrift für Psychoanalyse", 57, 2003, S. 523-550
DOKUMENTATION: Beitrag der Frankfurter Rundschau vom 10. September 2002:
BESCHNEIDUNG VON MÄNNERN: ZWANGSVERSTÜMMELUNG KOSTET TODESOPFER
"....anders als bei Frauen oder Kindern geht man bei Männern davon aus, dass sie keine Lobby brauchen."
Die Genitalverstümmelung von Frauen in Afrika und Asien ist ein vielfach diskutiertes Problem. Wenig beachtet wird, dass in Afrika gelegentlich auch junge Männer gegen ihren Willen zur traditionellen Beschneidung gezwungen werden. In Westkenia endete gerade die Saison für das Ritual. Die Bilanz:
ein Toter, ein Verletzter.
Die vierwöchige Saison der Beschneidung von Buben geht zu Ende, und hier in Westkenia an der Grenze zu Uganda wird die Tradition sehr ernst genommen.
Moderne Familien lassen die Vorhaut des Penis ihrer Söhne im Krankenhaus entfernen. Doch die Dorfjugend verschmäht die Hospitäler. Eine Woche lang bereiten sich die Jungen abgeschieden mit einem alten Mann auf das Ritual vor. Nach dem Schnitt mit einem Messer unter freiem Himmel leben sie eine weitere Woche zusammen und heilen die Wunden aus.
"Selbst für Jungen aus der Stadt ist das Gemeinschaftserlebnis so verlockend, dass manche von daheim fortlaufen, um im Dorf beschnitten zu werden", sagt der Lehrer Hillary Musundi aus Busia. Seinen eigenen Sohn werde er im Hospital beschneiden lassen, schon wegen der besseren Hygiene.
Die Beschneidung von Männern, die über nilotische Stämme auch auf die Bantu übertragen wurde, wird unter den 42 Ethnien Kenias ganz unterschiedlich gehandhabt. So sind die Kalenjin, die Gikuyus und die Luyhas vehemente Verfechter des Rituals. Bei den Luos am Viktoriasee werden hingegen weder Männer noch Frauen beschnitten. Für männliche Luos kann ein Aufenthalt im Siedlungsgebiet des besonders radikalen Bukusu-Clans der Luyhas gefährlich werden. In der Stadt Kitale wurde Anfang August der 26 Jahre alte Samuel "Boy" Simiyu, Schaffner eines Kleinbusses, vom Mob ergriffen und mit Gewalt um seine Vorhaut gebracht: Die Menge schleifte ihn zum Fluss, um sein Gesicht mit Lehm zu färben, dann wurde er vor johlenden Schaulustigen beschnitten. Der Mann verblutete. Die Zeitung Daily Nation berichtete, dass Kollegen umgerechnet 140 Euro für Simiyus Beschneider gesammelt hatten. Es war der dritte Fall von Zwangsbeschneidung bei Männern in diesem Jahr in der Gegend. "Viele Leute von Kitale und Bungoma denken, es sei ihre Pflicht, den Unbeschnittenen beim Erwachsenwerden zu helfen, dann greifen sie zur Gewalt", erklärt Musundi. Die Opfer seien oft lange als Unbeschnittene bekannt.
Die Polizei ließ wegen Simiyus Tod vier Verdächtige verhaften, und Kitales Polizeichef kündigte "energische Maßnahmen" an. Doch wenige Wochen später wurde ein Mitarbeiter der örtlichen Zuckerfabrik vor dem Supermarkt öffentlich zwangsbeschnitten. Er musste ins Krankenhaus. Mangelnde Reife kann ihm nicht bescheinigt werden. Seine Frau, die Strafanzeige erstattete, sagte, dass ihr Mann zwei Ehefrauen und fünf Kinder habe.
Die Polizei ist ratlos. Francis Waithaka, Provinzpolizeidirektor von Westkenia, meint: "Es kann sich nur etwa ändern, wenn sich das Bewusstsein in den Gemeinden ändert." Anthony Mugo vom Menschenrechtsverband FIDA sagt:
"Vom Standpunkt der Menschenrechtler darf kein Mann gegen seinen Willen zu solch einem Eingriff gezwungen werden." Doch anders als bei Frauen oder Kindern gehe man bei erwachsenen Männern davon aus, dass sie keine Lobby brauchen. ---
BESCHNEIDUNG VON JUNGEN UND MÄNNERN
Eine Problematisierung von Volker Handke
Für die Absicht, die männliche Beschneidung zu ergründen und ihren Stellenwert im Rahmen der modernen Geschlechterdebatte zu beschreiben, ist es hilfreich, einen größeren Kontext zu berücksichtigen. Der Kontext ist der alte, weitverbreitete und vielfältige Wille von Menschen, den eigenen Körper zu gestalten. Dieser Gestaltungswille ist Ausdrucksform des allgemeineren Willens, die Natur und ihre Erscheinungsformen zu gestalten und wird daher von mir als kulturell bezeichnet.
Betrachtet man die vielfältigen Formen in denen in den unterschiedlichen Regionen dieser Welt menschliche Körper gestaltet werden, so fällt der Wunsch auf, durch die Veränderung des Körpers soziale Rollen zu markieren, zu konstruieren und zu festigen. Die Gestaltungen reichen dabei von Harmlosigkeiten wie dem Haarschnitt, der die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe zeigen soll, über Bandentätowierungen, Traueramputationen, dem Burschenschmiß, der Fußverkrüppelung japanischer Geishas, dem Giraffenhals ostafrikanischer Frauen und der genitalen Beschneidung bis hin zu Strafamputationen sowie der finalen "Gestaltung" der menschlichen Physis durch Hinrichtungen und/oder in Kriegen.
Der Begriff von der Gestaltung des menschlichen Körpers erscheint angesichts dieser Tragweite schnell ungenügend. Daher ist der Ausdruck Verstümmelung angebracht. Mit dem Ziel eine pragmatische Eingrenzung vorzunehmen ist dann eine Verstümmelung jede anthropogene, beabsichtigte, irreversible, sichtbare Veränderung am menschlichen Körper, die von wesentlicher Natur ist. Da Verstümmelungen meist zur Markierung und Verstärkung von sozialen Rollen erfolgen, ist die sexuelle Verstümmelung mit dem Ziel, die geschlechtsspezifischen Rollen zu festigen, weit verbreitet. Unter den sexuellen Verstümmelungen nehmen dabei wiederum die Verstümmelungen der Genitalien eine besondere Rolle ein. Selbst eine ausschließliche Betrachtung der Verstümmelung der Genitalien bringt noch eine erstaunliche Vielfalt zu Tage. Da wird geschlitzt, gelocht, amputiert, implantiert, gedehnt was die handwerkliche oder chirurgische Kunst hergibt. Jede Praxis ist mehr oder wenig streng in einen kulturell-religiösen Kontext eingebettet und hat seine spezifische Bedeutung. Beispiel sind das längsseitige Öffnen der Harnröhre bei männlichen Aborigines um die Vulva zu imitieren und adoleszente homosexuelle Praktiken zu ermöglichen. Oder das Implantieren von Perlen und Ringen in den Penisschaft um die Penetrationseigenschaften indischer Lustknaben zu manipulieren. Interessant ist auch die polynesische Eigenart ein Hoden zu entfernen. und als Totem um den Hals zu tragen. Gemeinsam ist vielen dieser genitalen Verstümmelungen, daß sie im Rahmen eines Initiationsritus vollzogen werden. Dieses weist wiederum auf die Funktion der Verstümmelung hin, dem nun sexuell (oder religiös) aktiven Initianten seine Rolle zu vergegenwärtigen. Zu den Initiationsverstümmelungen zählen auch die sogenannten Beschneidungen bei Männer und bei Frauen in ihren verschiedenen Amputationstiefen.
Auffällig ist die Analogie zwischen dem, was physisch entfernt und dem, was fast sozial konstruiert wird. So lässt sich die Vulva geometrisch als konkav charakterisieren während der Phallus eine konvexe Form darstellt. Die weibliche Verstümmelung entfernt nun die verbliebenden konvexen Anatomien während beim Mann die konkaven Reste entfernt werden. Es geht also um die Reinheit der physischen Form als sichtbarer Ausdruck der Eindeutigkeit des sozialen Geschlechts. Während dem Mann keine weibliche, die Eichel umhüllende Körperform zugestanden wird, da dies Schutzbedürftigkeit signalisiert, darf die Frau keine männlichen, exponierten Formen ihr Eigen nennen. Männer werden auf eine herausragende, sichtbare und unverletzbare Rolle fixiert, und diese Rolle wird durch die Verstümmelung körperlich sichtbar manifestiert. Frauen werden dazu reziprok auf ihre innengerichtete und passive Rolle reduziert. Die Analogie zwischen körperlicher Form und sozialer Rolle ist frappierend. Auffällig ist auch die Reduzierung der Empfindungsfähigkeit als Ausdruck der sozialen Abwertung der sexuellen Lust.
Die Art und Weise wie die genitale Verstümmelung geschlechtliche Rollen markiert, festigt und mit anderen Konstruktionsmechanismen in Wechselwirkung tritt, ist wesentlich komplexer als sie hier beschrieben werden kann. Daher sollen einig Deutungsmuster der genitalen Verstümmelung von Männern zumindest aufgelistet werden: Der Schmerz und das Aushaltenkönnen von Schmerzen ist eine Fähigkeit die von vielen tradierten Männerbildern erwartet wird. Ähnlich verhält es sich mit dem Blut, das fließt und die Bereitschaft signalisiert, den männlichen Körper zu "höheren" Zwecken zu opfern. Unübersehbar ist die Konstruktion männlicher Sexualität. Hier wird die Empfindungsfähigkeit eingeschränkt und leistungsorientierte Erektionsfähigkeit auf Kosten von Orgasmusfähigkeit als männlich konstituiert.
Programmatisch sollte die Beschneidung von Männer als genitale Verstümmelung aufgefasst werden, deren Ziel es ist, eine männliche Geschlechterrolle zu konstruieren. Daher existiert kein Unterschied zwischen der genitalen Verstümmelung von Männern oder von Frauen. Die genitale Verstümmelung ist ebenso wie jede Form der körperlichen Verstümmelung ein Verstoß gegen das verbürgte Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit. Damit wird auch deutlich, daß es selbstverständlich jedem Menschen frei steht, seinen Körper zu "gestalten" wie es ihm beliebt. Aber bitte unter der Prämisse der Selbstbestimmung und der Freiwilligkeit. Dann wird auch sichtbar, was die genitale Verstümmelung von Kindern darstellt, nämlich eine Barbarei, die durch nichts zu legitimieren ist und deren Ächtung Aufgabe jeder am Menschenrecht orientierten Zivilisation sein sollte.
Dieser Text ist eine gekürzte Fassung. 9/2002
VEREINTE NATIONEN NOCH IMMER BLIND GEGENÜBER GENITALVERSTÜMMELUNG BEI JUNGEN
Vor wenigen Tagen kritisierten zwei Menschenrechtsorganisationen die UNO wegen der Diskriminierung von Männern: Während die Vereinten Nationen der Klitorisbeschneidung bei Mädchen recht aggressiv den Kampf angesagt haben, widmen sie ähnlich schwerwiegenden Eingriffen bei männlichen Kindern nicht einmal ihre Aufmerksamkeit. Steven Svoboda, ein an der Elite-Universität Harvard ausgebildeter Anwalt für Menschenrechte, wies darauf hin, dass die Beschneidung von Jungen überall dort vorkomme, wo auch die Beschneidung von Mädchen stattfinde - nur sechsmal so häufig! Svoboda: "Eines Tages werden wir die fehlgeleitete Natur unserer Versuche verstehen, gewaltsame Eingriffe bei weiblichen Genitalien als kriminell zu bezeichnen, während vergleichbar ernstzunehmende, außerordentlich schmerzhafte und verstümmelnde Eingriffe bei männlichen Genitalien erlaubt sind." Auch andere Aktivisten und Aktivistinnen, so etwa Jacqueline Smith, Professorin am niederländischen Institut für Menschenrechte, sprechen sich dafür aus, die Beschneidung bei Jungen ebenso zu bekämpfen wie bei Mädchen. Svoboda verwies auch auf einen Artikel der New York Times vom 1. August 2001, dem zufolge in diesem Jahr allein in Südafrika 35 Jungen an den Folgen ihrer Beschneidung zu Tode kamen. Zehn Prozent oder mehr aller Jungen überstanden diesen aus medizinischer Sicht völlig unnötigen Eingriff nur entweder ganz ohne Penis oder lediglich mit einem entstellten Stummel.
Der komplette Artikel unter http://www.backlash.com/content/gender/2001/08aug01/arc0801.html
20.8.2001
Tabuthema Beschneidung von Jungen
Es ist fast schon Routine geworden, bei internationalen Missständen und Menschenrechtsverletzungen sich grundsätzlich allein über die weiblichen Opfer zu erregen und die männlichen Opfer gleicher oder schlimmerer Maßnahmen zu übergehen. Was Gendercide Watch beispielsweise hinsichtlich staatlich angeordneter Massenmorde oder oft tödlich verlaufender Zwangsarbeit anprangert (siehe unten), gilt genauso für den Brauch der Beschneidung. Am letzten Wochenende erhielt ich ein Mail von unserer Leserin Kathrin Passig, die mir vorschlug, mich einmal diesem Thema zu widmen. Herzlichen Dank für diese Idee, das will ich gerne tun.
Der Brauch der Beschneidung wird vor allem in Afrika, Asien und dem Nahen Osten ausgeübt: Jährlich werden schätzungsweise zwei Millionen Mädchen an den Geschlechtsorganen verstümmelt, weltweit rechnet man mit etwa 130 Millionen betroffenen Frauen (amnesty international z. B. nennt aber noch höhere Zahlen). Dieser Eingriff reicht von der Abtrennung der Vorhaut der Klitoris über die Entfernung der kompletten Klitoris und der kleinen Schamlippen bis hin zur "pharaonischen Beschneidung" oder Infibulation, bei der die großen Schamlippen bis auf eine winzige künstliche Öffnung zusammengenäht werden. Der Eingriff wird mal kurz nach der Geburt vorgenommen, mal bei Mädchen zwischen vier und sechs, mal bei Siebzehnjährigen. Oft geschieht er ohne Betäubung, die verwendeten Instrumente sind häufig nichts besseres als Messer, Scherben oder Rasierklingen. Aber nicht nur deswegen prangert unter anderem die Unicef diese Sitte als barbarisches Ritual und schwere Menschenrechtsverletzung an, es geht auch um die möglichen Folgen: Dazu gehören schwere Blutungen, Schock, Infektionen, große Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, chronische Entzündungen, seelische Traumata wie Depressionen, Angstzustände und Psychosen. Geburten können lebensgefährlich sein. Auch in Deutschland gibt es Ärzte, die auf Wunsch Beschneidungen vornehmen, obwohl dies hierzulande als schwere Körperverletzung geahndet wird.
Mehrere prominente Frauen, darunter die Unicef-Botschafterin Sabine Christiansen sowie die Wirtschaftsexpertin Christa Müller (die Lebenspartnerin Oskar Lafontaines) haben auf dieses Problem aufmerksam gemacht. Das Top-Model Waris Dirie hat ihre eigenen Erlebnisse in ihrer Autobiographie "Wüstenblume" verarbeitet. Diries Buch wurde weltweit zum Bestseller.
Es gibt nun mehrere Einwände gegen die extreme Einseitigkeit, mit der die Debatte hierzulande geführt wird. Beklagt wird zunächst die Verwendung des Standard-Rasters, das heute bei Mann-Frau-Themen grundsätzlich angelegt wird. Beschneidung diene demnach lediglich dem einen Zweck, die Sexualität der Frau zu kontrollieren. Christa Müller nennt sie ein Zeichen für "Männerherrschaft", die Unicef-Direktorin Carol Bellamy sieht darin "Frauenhass" gespiegelt und prangert diesen Eingriff an als eine "rituelle Form von Gewalt gegen Frauen und Mädchen". Wie kommt es, möchte man mit Claudia Heyne und Katharina Rutschky fragen, dass hier kein Wort darüber verloren wird, dass es Frauen sind, die solche Eingriffe vornehmen? Hier wie in anderen Fällen wird die Täterschaft von Frauen ausgeblendet und damit absichtlich oder unbewusst eine Täterschaft von Männern suggeriert. Die Anthropologin Galahad etwa weist es als abstrus zurück, wenn die Beschneidung von "frauenrechtlerischen Kreisen, die hier eine Wollüstlingslaune wittern, komischerweise" als ein "Gipfel männlicher Brutalität gegenüber entrechteter Weiblichkeit" gesehen wird. Davon könne "nicht die Rede sein. Gerade in den alten, mächtigen Matriarchaten wurde die Operation von Frauen an Frauen ausgeführt und ist heute noch gerade bei Mutterrechtsvölkern typisch." Verboten wurde die Beschneidung im Lauf der Geschichte vor allem von Männern, in erster Linie solch patriarchalischen Exemplaren der Gattung wie Priestern der katholischen Kirche. Auch die Feministin Mary Daly weist in ihrem Buch "Gyn/Ecology" darauf hin, dass Beschneidung etwas ist, das Frauen durch Frauen angetan wird, und zitiert einen Augenzeugen: "Als die Klitoris herausgerissen wurde, heulten die Frauen vor Freude und führten sie in einer Parade durch die Stadt."
Aktuelle Umfragen und Studien, die von Entwicklungshilfeorganisationen, der UNO und anderen Institutionen durchgeführt wurden, haben ebenfalls immer wieder ergeben, dass die weitaus größte Mehrheit der Frauen in Ländern, in denen Mädchenbeschneidung durchgeführt wird, für diese Praxis ist.
Es werden aber nicht nur Frauen als Täterinnen ausgeblendet, sondern ebenso stark Männer als Opfer. Auch die Beschneidung von Knaben nämlich wird in Ländern der Dritten Welt nicht unter Narkose und mit sterilisierten chirurgischen Instrumenten, sondern mit sehr primitivem Werkzeug vorgenommen. Diese "kulturell legitimierte Form des gewalttätigen Übergriffs auf Jungen" wird zwar in unserer sehr einseitig ausgerichteten Betroffenheitskultur nicht thematisiert, ist aber ebenfalls sehr weit verbreitet, etwa in Afrika, Vorderasien, Indonesien und Australien. Kritiker bezeichnen sie als eine "planmäßige Desensibilisierung eines höchst sensiblen und lustspendenden Organs des Mannes".
Die Beschneidung stellt bei beiden Geschlechtern einen Initiationsritus dar (oder zumindest einen Teil davon). "Initiationsritus" bedeutet: Ein Mensch wird in die Gemeinschaft aufgenommen, indem er bewusst in eine Krisensituation gebracht wird, die seine Persönlichkeit neu begründen soll. Oft muss er eine Reihe von schmerzhaften oder demütigenden Prüfungen ablegen. Mitglieder des nigerianischen Tiv-Stammes etwa betrachten die Fähigkeit, Schmerz auszuhalten, als Grundvoraussetzung für die Ehe. Die jungen Männer werden verstümmelt, ihnen werden z. B. Zähne ausgeschlagen. Bei den Aborigines, den australischen Ureinwohnern, sowie auf mehreren Inseln des Westpazifischen Ozeans ist es Brauch, jungen Männern einige Wochen nach Entfernung der Vorhaut den Penis aufzuschlitzen, was eine vollständige oder partielle Spaltung der Harnröhre bewirkt: "In solchen Fällen hängt die beschnittene Vorhaut wie ein häßlicher, brauner Hautlappen herunter." Diese außerordentlich gefährliche Prozedur, die als Ariltha bekannt ist, hinterläßt eine schmerzhafte Wunde, die erst nach langer Zeit verheilt. Während der Rekonvaleszenz kann der Jüngling nur auf dem Rücken liegen. Es können sich ausgedehnte Infektionen bilden, die durchaus nicht selten tödlich enden. In Indonesien werden den Jungen zu Beginn der Pubertät Bambus- oder Metallkugeln, sogenannte Ampallangs, in den Penisschaft oder die Eichel eingesetzt, weil dadurch die Klitoris ihrer zukünftigen Partnerin besser stimuliert werden soll. Zu Beginn sind es kleine Kugeln, dann immer größere. Koreaner und einige phillipinische Ureinwohner machen das ähnlich. In Indien nähen alte Prostituierte Jungen, sobald sie in die Pubertät kommen, kleine Gold-, Silber- und Bronzeglöckchen in die Haut des männlichen Gliedes. "Dadurch, so behaupten sie, hätten ihre Männer mehr Ausdauer und würden sie viel besser befriedigen als wir armen Europäer." Undsoweiter.
(Die heftigsten Dinge lasse ich noch weg, man kann darüber aber ebenfalls in meinem Buch nachlesen.)
All dies sind aus unserer Perspektive grausame, hochgradig gefährliche und verantwortungslose Praktiken. Tatsächlich bleibt bei diesen Übergangsriten so mancher Junge verstümmelt oder tot auf der Strecke. Sie werden in der Regel von Männern an Männern ausgeführt, wenn auch oft zugunsten der Frauen – das exakte Gegenstück zur weiblichen Beschneidung.
Mit der Durchmischung der Kulturen fließt auch diese Tradition in unsere westliche Welt ein. So schnitt die 52jährige Joyce Moore aus dem New Yorker Harlem das Gesicht ihres Sohnes mit einem Paketmesser auf, bis es mit 120 Stichen genäht werden mußte. Ihre Familie stammte von dem nigerianischen Volk der Yoruba, wo dieser Brauch zum kulturellen Erbe gehörte. In solchen Fällen aber hört man KEINEN Aufschrei des Protestes, der durch die Welt geht.
Etliche Leser sind erschüttert von den Erlebnissen eines hübschen, weiblichen Fotomodells wie Waris Dirie, aber wer spricht z.B. von den Erfahrungen eines südafrikanischen Freiheitskämpfers und Nobelpreisträgers wie Nelson Mandela? Mandela schildert seine Beschneidung folgendermaßen:
"Ich hatte das Gefühl, dass Feuer durch meine Adern schoss; der Schmerz war so durchdringend, dass ich mein Kinn fest auf die Brust drückte. Viele Sekunden schienen zu verstreichen, ehe ich an den Ausruf dachte, dann erholte ich mich einigermaßen und stieß hervor: `Ndiyindoda!´ ... Ich schämte mich, weil die anderen Jungen viel stärker und tapferer gewesen zu sein schienen als ich. Ich fühlte mich elend, weil ich verstümmelt worden war ..."
Es gibt in den Gruppierungen, die sich mit dem Thema Beschneidung auseinandersetzen, eine intensive Diskussion darüber, ob man hier die eigenen westlichen Wertvorstellungen einer fremden Kultur aufdrängen darf. Die einen reklamieren für ihre Position, dass Menschenrechte unteilbar seien, die anderen sprechen von einem kenntnislosen Verurteilen anderer Vöker wie zu kolonialen Zeiten. In dieser Debatte kann und will ich hier nicht entscheiden. Was ich als Männerrechtler allerdings sagen kann, ist, dass es absurd und sexistisch ist, bei Frauen die Beschneidung als Zeichen von "typischem Frauenhass" zu beklagen und sie bei Männern vollkommen zu ignorieren.
Und damit diese Debatte auch korrekt in NEWS eingeordnet werden kann: Vorige Woche kamen bei einem südafrikanischen Initiationsritual, zu dem auch die Beschneidung von Jungen gehörte, zwanzig dieser Jungen ums Leben:
Bereits am 14. August 2000 berichtete die britische BBC kritisch über Beschneidungen in Kenia:
http://news.bbc.co.uk/hi/english/world/africa/newsid_880000/880328.stm
Beide Seiten bieten Links zu diesem Thema; weitere Informationen und Quellenangaben gibt es in "Sind Frauen bessere Menschen?"
Arne, 28.7.2001
"Der Junge, der als Mädchen aufwuchs"
John Colapinto
Prädikat: sehr empfehlenswert.
Einem Zwilling werden Penis und Hoden amputiert nach einer fehlgeschlagenen Beschneidung... ! Dann wird ein Mädchen aus ihm gemacht. Aber am Ende klappt das halt dann doch nicht...
WIE DER US-SEXUALWISSENSCHAFTLER JOHN MONEY DEN „GENDER“-BEGRIFF BEGRÜNDETE – UND DABEI MENSCHEN ZERSTÖRTE
Mit der Frage, ob Männer und Frauen von Natur aus unterschiedliche Begabungen haben, setzt sich die Wissenschaft (oder das, was sich dafür hält) seit Jahrhunderten auseinander. Herrliche Blüten hat dieses Streben zutage gefördert. Die „Neue Zürcher Zeitung“ rekapitulierte dies am 7. Juni 2004 in einem teils launigen, aber auch durchaus informativen Beitrag:
http://www.nzz.ch/2004/06/07/fe/page-article9IPS0.html
Nimmt man dergleichen nicht gar zu bierernst, so sind schließlich ideengeschichtliche Relikte wie dieses Zitat von Flaubert heute einfach spaßig: „Ich bestreite, dass die Frauen etwas von Gefühlen verstehen.
Sie nehmen sie stets nur persönlich und relativ wahr. Sie sind die härtesten und grausamsten aller Lebewesen.“ Und wo solche Auffassungen mit individuellen Erfahrungen korrespondieren (die nicht Wenige gemacht haben!), bezieht man natürlich auch ein wenig Genugtuung daraus, dass man ganz offenbar nicht der Einzige ist, den es böse getroffen hat. Vor die Wahl zwischen der bürgerlichen Ehe und einem Unterwasserkampf mit Riesenalligatoren gestellt, hat nicht nur Johnny Weissmüller den Echsen eine Chance gegeben…
Was dagegen auch bis in die jüngste Neuzeit möglich ist, wenn man solche Formen von Forschung und „Wissenschaft“ allzu ernst nimmt, das belegt auf eine geradezu mörderische Weise der Fall des Kanadiers David Reimer (als Bruce Reimer geboren), dessen Fall wegen seines Selbstmords vor einigen Wochen wieder durch die Medien ging. Die „Süddeutsche“ berichtete am 18. Mai ausführlich über den Jungen, „der ein Mädchen sein musste“, einen „berühmten Fall der Sexualwissenschaft“ und das „Opfer einer Irrlehre“. Und das war weißgott eine veritable Verniedlichung der Monstrositäten, die diesem Kind angetan wurden.
„David Reimer, als Knabe geboren, wurde nach einer missglückten Operation als Mädchen aufgezogen. Er und sein eineiiger Zwillingsbruder Brian sollten Jahre dem renommierten amerikanischen Sexualwissenschaftler John Money als Beweis dafür dienen, dass geschlechtsspezifisches Verhalten keine Frage der Natur sei, sondern eine Frage der Erziehung, der Prägung. Das einst hochgelobte Experiment endete als Fiasko für die Wissenschaft. Von Anfang an aber war es eine Tragödie für David Reimer. (…)
Wegen einer Vorhautverengung war ein kleiner Eingriff notwendig geworden. Bei der Beschneidung kam jedoch ein defektes Elektrogerät zum Einsatz - zu viel Strom verbrannte den Penis des Babys. Das verkohlte Geschlechtsteil fiel stückchenweise buchstäblich ab.“
Davids Eltern hörten von dem amerikanischen Sexualforscher John Money von der Johns Hopkins Universität in Baltimore, und wandten sich ein Jahr nach der desaströsen Operation an ihn. Money galt als Koryphäe seines Fachs. „Er vertrat die These, das geschlechtsspezifische Verhalten sei allein ein Produkt der Sozialisierung und nicht genetisch festgelegt. Demzufolge könne ein Kleinkind bis zum Alter von 18 Monaten zu jeder sexuellen Identität erzogen werden. Die These wurde in den siebziger und achtziger Jahren begeistert aufgenommen, von Wissenschaftlern - und vor allem in der noch jungen Frauenbewegung: Es galt zu untermauern, dass traditionelle Frauenrollen nicht biologisch bestimmt sind. In Bruce und seinem identischen Zwillingsbruder Brian als Vergleichsobjekt sah Money die ideale Chance, seine These zu beweisen.“ Der Psychologe überzeugte die blutjungen Eltern, den Jungen als Mädchen mit dem Namen Brenda aufzuziehen.
Den Rest kann man sich fast selbst zusammen reimen. „Money verbot den Eltern, ihrer ‚Tochter’zu sagen, dass sie als Junge geboren wurde. Aber Brenda rebellierte früh gegen ihre weibliche Identität. Sie benahm sich wie ein Junge, verteidigte ihren Bruder gegen andere, pinkelte im Stehen, wollte keine Puppen, sondern die Spielzeugautos des Bruders.
Brenda wurde eine unglückliche Außenseiterin, die Mitschüler verspotteten sie, sie blieb sitzen.“
Als „Tod durch die Theorie“ (Death by Theory) hat Wendy McElroy das Schicksal von Bruce alias David in einem Beitrag anlässlich seines Selbstmords bezeichnet. Ihren leicht gekürzten Beitrag, den ihr im Original unter http://www.foxnews.com/story/0,2933,120914,00.html
nachlesen könnt, präsentieren wir euch in der, wie üblich, holprigen Übersetzung von Joachim Bell („nach Diktat verreist“):
> Der kleine Junge, der Bruce Reimer hieß, hatte nie eine Chance. Als Erwachsener zog er am 4. Mai den Freitod einem unerträglichen Leben vor. Hintergrund seines Todes ist eine Theorie, die die Kinder in ganz Nordamerika auch heute noch betrifft: Dass ihre sexuelle Identität aus der Erziehung resultiere und nicht aus der Natur, und dass diese deswegen durch eine passende soziale Konditionierung komplett verändert werden könne.
Obwohl die Eltern wenig Geld hatten, brachten sie ihren Sohn nach der daneben gegangenen Beschneidung (bei der er sein Geschlechtsteil verlor) zu einer Reihe von Ärzten, bis sie schließlich bei dem medizinischen Psychologen Dr. John Money landeten. Der war gerade dabei, Beweise für eine Theorie zusammenzutragen, die ihm Ruhm und ein Vermögen eintragen sollte.
Bruce wurden die Hoden entfernt und er wurde einer zwölfjährigen Behandlung unterzogen, damit aus Bruce „Brenda“ wurde. Moneys Forschung wurde als Beweis dafür angeführt, dass die sexuelle Identität nichts anderes als ein erlerntes Verhalten sei. Er erklärte, das Benehmen des Kindes sei „so eindeutig das eines fröhlichen kleinen Mädchens und stehe in völligem Gegensatz zum jungenhaften Verhalten seines Zwillingsbruders.“
Jedes Buch über „Gender“ verwies fortan auf Moneys Experiment und die Tantiemen flossen in seine Tasche. (…) Feministinnen erklärten die Menschen als von Geburt an „psychosexuell neutral“ und schickten sich an, alles zu verändern, von den Kinderbüchern bis hin zu den Lehrplänen der Schulen, um die „Gender“-Identität zu verändern, die den Kindern angeblich beigebracht werde. Moneys Untersuchungen unterstützten ihre Behauptung, dass eine patriarchalische Konditionierung und nicht etwa die Natur umfassend verantwortlich sei für die Rolle der Frauen in der Gesellschaft.
Hinter den Kulissen berichtete die Mutter des Kindes, dass „Brenda“ sich die Mädchenkleider runterriss, sich weigerte mit Puppen zu spielen, und darauf bestand, im Stehen zu pinkeln. Davon unbeeindruckt, erklärte Money das Experiment 1972 in seinem Buch „Man and Woman, Boy and Girl“ zu einem Erfolg.
Tatsächlich drängte Money die Reimers, das Geschlechterexperiment an der pubertierenden Brenda zu komplettieren, indem man ihr chirurgisch eine Vagina verpasste. Als sie mit Selbstmord drohte für den Fall, dass sie zu weiteren Behandlungen durch Money gezwungen würde, enthüllten die Reimers die Wahrheit. Brenda nahm den Namen David an und lebte als Mann weiter.
Über seine Kindheit sagte David später: „Es war wie eine Gehirnwäsche.
Ich würde wirklich alles dafür geben, wenn ich zur Hypnose gehen könnte, um meine komplette Vergangenheit auszulöschen. Weil sie reine Folter ist. Was sie deinem Körper antun ist manchmal nicht annähernd so schlimm wie das, was sie in deinem Geist mit dieser psychologischen Kriegsführung in deinem Kopf anrichten.“
Jahrelang schwieg David, während Moneys Version seiner Untersuchungen von Feministinnen gefeiert wurde und auch weiter die Geschlechterpolitik bestimmte. 1997 veröffentlichten der Biologe Milton Diamond und der Psychologe Keith Sigmundson einen Bericht, der das Experiment als einen Fehlschlag und einen Betrug enthüllte und deutlich machte, dass der Fall das Gegenteil dessen belegte, was Money behauptete: Dass in Wahrheit Männlichkeit im Mutterleib entsteht und Geschlechtlichkeit nicht durch medizinische und soziale Eingriffe veränderbar war. Moneys Anwort: Dieser Bericht sei „Teil einer antifeministischen Kampagne“.
John Colapinto vom Rolling-Stone-Magazin veröffentlichte 2000 ein Buch über den Fall, das den Bericht von Diamond und Sigmundson öffentlich bekannt machte und zu einer Sensation wurde. Kurz darauf veröffentlichte das John-Hopkins-Kinderzentrum zwei wissenschaftliche Studien, die zeigten, dass „allein vorgeburtliche Hormone die männliche Geschlechtsidentität bei normalen Säuglingen mit XY-Chromosomen bestimmten – selbst wenn sie ohne Penis geboren werden.“
Für David Reimer kamen diese Einsichten zu spät. Obwohl er vier chirurgische Versuche ertrug, um seine Männlichkeit und sein Geschlechtsteil wiederherzustellen, war er nicht imstande, über das Vergangene hinwegzukommen. Nach etlichen Rückschlägen in seinem Privatleben beging er mit 38 Jahren Selbstmord. Es war der letzte aus einer Reihe von Selbsttötungsversuchen, die zurückgehen bis in seine Jugend.
Obwohl Moneys „Wissenschaft“ weithin diskreditiert ist, ist der Irrglaube, dass unsere Sexualität gesellschaftlich hergestellt werde, nach wie vor weit verbreitet. Ein sinnvoller erster Schritt zur Wiedergutmachung des Schadens, den dieser Irrglaube angerichtet hat, wäre die Abschaffung eines virtuellen Wortgebrauchs: Wenn wir über sexuelle Identität reden, sollten wir wieder vom Geschlecht statt von „Gender“ sprechen! <
John Money, heute 83 und emeritierter Professor, hat sich im übrigen immer geweigert, Journalisten einen Kommentar zu seinem Experiment zu geben.
aus: http://www.rotemaenner.de
Beschneidung
Zum Thema Beschneidung zwei Literaturhinweise von 1989. In der Zeitschrift für Sexualforschung, 2, 1989 erschienen die Artikel "Säkulare Beschneidung in den USA: Ein medizinischer Skandal" von Edward Wallerstein und "Beschneidung zwischen Macht und Profitinteresse" von John Money.
In der Übersicht heißt es zum 1. Artikel:
In den USA werden gegenwärtig fast 60 Prozent aller neugeborenen Jungen aus vermeintlich medizinischen (also nicht aus rituellen)Gründen beschnitten. Der Autor beschreibt die Geschichte dieser Praxis. Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts wurde in den USA zunächst die Klitoridektomie zu präventiven Zwecken eingeführt. Sie sollte, wie die etwas später aufkommende Beschneidung der Klitoris, die Masturbation und damit die vermuteten Folgen der Selbstbefriedigung für Leib und Seele verhindern. Dieses Denkmodell wurde ab 1870 auf die Beschneidung von Jungen übertragen. Während die Klitoridektomie um 1910, die Klitorisbeschneidung Ende der 1930er Jahre zur Krankheitsprophylaxe ganz aufgegeben wurde, nahm die Verbreitung der säkularen Beschneidung von Jungen mit immer wechselnden medizinischen Begründungen bis in die 1960er Jahare auf über 80 Prozent aller Neugeborenen zu. Alle Argumente der Medizin, die für die Beschneidung ins Feld geführt wurden und/oder werden - Verhinderung der Masturbation, Prävention von Ejaculatio praecox, Peniskrebs, Prostatakrebs, Zervixkrebs der Frau, Geschlechtskrankheiten einschließlich Aids - sind falsch oder nicht zu belegen. Die säkulare Beschneidung ist eine Besonderheit der US-amerikanischen Medizin. In anderen englischsprachigen Ländern wurde sie über
einen kürzeren Zeitraum hinweg durchgeführt, erreichte aber nie eine Verbreitung wie in den USA. In Kontinentaleuropa spielte sie als routinemäßiger Eingriff nie eine Rolle. Die Beschneidungspraxis in den USA, so der Autor, ist eine atavistische Erscheinung im technisch fortgeschrittensten Medizinsystem der Welt.
Zum 2. Artikel heißt es in der Übersicht:
Während die Ursprünge der jahrtausendealten rituellen Beschneidung in den unterschiedlichsten Kulturen ungeklärt sind, liegen für Money die Ursachen der säkularen Beschneidung in der antisexuellen Paranoia des 19. Jahrhunderts. Die säkulare Beschneidung war anfänglich eine Waffe im Antimasturbationskampf und damit ein Eingriff gegen die schrecklichen Folgen, die der Selbstbefriedigung zugeschrieben wurden. Heute, so der Autor, sei das Beharren auf dieser überflüssigen, oft schädigenden und in einigen Fällen todbringenden Operation vor allem durch die Profitinteressen des ärztlichen Establishments in den USA zu erklären.
Jochen Hoffmann, Männerzentrum Frankfurt, 4.10.01