Häusliche Gewalt gegen Männer
Familien
Kampagne gegen häusliche Gewalt
Der Berliner Senat hat am Mittwoch eine Kampagne gegen häusliche Gewalt gestartet.
Wie Frauensenator Harald Wolf (Die Linke) mitteilte, soll in den kommenden vier Wochen die Bevölkerung mit einem Kinospot, Plakaten und Postkarten für das Thema sensibilisiert werden. Zugleich sollten Betroffene ermutigt werden, Hilfe in Anspruch zu nehmen.
So wurde eine Internet-Seite mit dem Namen "hinterdeutschenwänden.de" freigeschaltet, auf der Informationen und Kontaktadressen für Gewaltopfer zu finden sind.
Laut Wolf wurden 2009 in Berlin mehr als 16.000 Fälle häuslicher Gewalt registriert. Etwa drei Viertel der Opfer waren Frauen.
Stand vom 25.08.2010
http://www.rbb-online.de/nachrichten/politik/2010_08/kampagne_gegen_haeusliche.html
Kommentar maennerrat.de:
Nach offiziellen Angaben sind ein Viertel aller Opfer von häuslicher Gewalt Männer. Während der Berliner Senat gewaltbetroffenen Frauen vielerlei Hilfen anbietet, werden gewaltbetroffene Männer links liegen gelassen. So verweigert der Berliner Senat bis heute finanzielle Unterstützungen für ein Männerhaus in Berlin. Auf gut Deutsch, der rot-rote Berliner Senat diskriminiert Männer auf Grund ihres Geschlechts. Das mann diesen Parteien keine Stimme geben sollte, so lange diese die Diskriminierung von Männern unterstützen liegt auf der Hand.
Verwüstungen
Die wilde Sau war los
Von Franz-Josef Vogt und Peter W. Schmitz, 12.03.10, 16:44h, aktualisiert 15.03.10, 16:40h
Ungebetener Gast: Eine angeschossene Wildsau ist durch eine gläserne Terrassentür in das Wohnzimmer einer Familie gerast. Davor hatte sie noch mehr Schäden in Zülpich angerichtet. Ein Gnadenschuss erlöste das Tier schließlich von seinen Qualen.
ZÜLPICH - Mächtig auf Trab hielt erneut ein Wildschwein Polizei und Jäger. Das Tier hatte zunächst auf dem Parkplatz eines Lebensmittel-Marktes sein Unwesen getrieben. Dann war es in Richtung Hoven geflüchtet und anschließend wie ein Artgenosse am 22. Januar in Olef (siehe Kasten) durch die Glasscheibe einer Terrassentür in eine Wohnung gesprungen. Verletzt wurde niemand, der Sachschaden ist jedoch beträchtlich.
Die Geschichte nahm nach Rundschau-Informationen in Sinzenich ihren Lauf. Jäger Wolfgang Henke erklärte auf Anfrage, auf einem dortigen Feld sei offenbar ein „einjähriger, etwa 35 Kilogramm schwerer Frischling“ von einem Jäger angeschossen worden.
Wenig später taucht das junge Wildschwein auf dem Parkplatz des Edeka-Marktes in Zülpich auf. Ein 29-Jähriger bemerkt einen „lauten Knall“ und sieht, wie das Tier gegen einen Wagen läuft. Der Mann bringt sich in Sicherheit und alarmiert die Polizei.
Wenige Kilometer entfernt sieht Patrick Bung im elterlichen Haus in Hoven gerade fern. Es ist 16.05 Uhr. Plötzlich wird der 19-Jährige durch ein „dumpfes Geräusch“ aufgeschreckt, das definitiv nicht aus der Flimmerkiste kommt. Beim Blick in den großen Garten traut er zunächst seinen Augen nicht: Eine waschechte Wildsau sprintet über den Rasen. Wie sich später herausstellt, hat sie zuvor eine hohe und mit Stacheldraht bewehrte Mauer übersprungen.
Dann geht die wilde Jagd weiter. Die Sau springt in den Goldfischteich. Beim Versuch, der nassen Falle zu entkommen, zerstört sie die Folie. Dann sprintet sie auf die Terrasse. Patrick ruft seinen Vater Frank, der sofort die Polizei verständigt: „Wir haben eine Wildsau im Garten!“ Die Antwort kommt prompt: „Das wissen wir schon. Die Kollegen sind fast bei Ihnen.“
Wenig später fährt ein Streifenwagen und ein Zivilfahrzeug in der Niddegener Straße vor. Die Beamten teilen sich auf und nehmen das angeschossene Wildschwein in Zange. Das Tier gerät in Panik und springt mit einem gewaltigen Satz durch die verschlossene, gläserne Terrassentür.
„Als das Tier auf uns zulief, sind wir sofort in Deckung gegangen“, berichtet Patrick Bung. Er flüchtet in den ersten Stock. Mutter Heike verbarrikadiert sich derweil in der Küche. Vater Frank ist draußen bei den Beamten. Im Wohnzimmer hinterlässt das Tier eine Spur der Verwüstung sowie zahlreiche Blutflecken. Wenig später läuft es wieder in den Garten. Die Polizisten haben sich hinter der zwei Meter hohen Gartenmauer verschanzt: Sicher ist sicher. Mit einem waidwunden Wildschwein ist nicht zu spaßen.
Einige Schüsse aus den Dienstwaffen zeigen keinerlei Wirkung. Die Beamten rufen Verstärkung. Die Jäger Florian Dreesbach (Langendorf) und Wolfgang Henke (Zülpich) legen sich ebenfalls hinter der Mauer auf die Lauer.
Dann schlägt das letzte Stündlein für die wilde Sau. Ein Polizist gibt dem Tier auf kurze Distanz den Gnadenschuss. Die Sau ist tot.
http://www.rundschau-online.de/html/artikel/1268322646223.shtml
Häusliche Gewalt in Zehlendorf
SPD-Politiker Klaus-Uwe Benneter (SPD) spritzt Handwerker nass.
Muss Benneter jetzt an einem Umerziehungsprogramm der Bundesregierung für männliche Gewalttäter teilnehmen?
Wasser-Marsch-Attacke wegen Baulärm SPD-Abgeordneter Benneter spritzt Handwerker nass
Klaus-Uwe Benneter (SPD) fühlt durch Baulärm sich belästigt
Auch Bundestagsabgeordnete wollen an freien Tagen einfach mal ausschlafen. Klaus-Uwe Benneter (61), SPD-Bundestagsabgeordneter und früherer SPD-Generalsekretär, war das nicht vergönnt.
Gegen 5.45 Uhr am vergangenen Dienstag begannen Arbeiten an einem Nachbarhaus in Zehlendorf. Zwar beschwerte sich Benneter, Ruhe kehrte jedoch nur vorübergehend ein. Am vergangenen Freitag starteten die Handwerker wieder um 5.45 Uhr. Benneter griff daraufhin beherzt zum Gartenschlauch und spritzte die Bauarbeiter nass!
Wegen dieser „Wasser-Marsch-Attacke“ hat nun ein Bauarbeiter Strafanzeige wegen Körperverletzung gestellt. Ein Sprecher der Berliner Polizei bestätigte am Mittwoch einen entsprechenden Bericht der „Berliner Zeitung“. Benneter wiederum zeigte die Baufirma wegen vorsätzlicher Ruhestörung an. Trotz seiner Beschwerde sei es dann am Freitag erneut zu solchen Arbeiten gekommen.
08.08.2008
Kommentar maennerrat:
Häusliche Gewalt in Zehlendorf. SPD-Politiker Klaus-Uwe Benneter (SPD) spritzt Handwerker nass.
Muss Benneter jetzt an einem Umerziehungsprogramm der Bundesregierung für männliche Gewalttäter teilnehmen? Wir wollen hoffen, ja. Dann kann Benneter gleich aus erster Hand der Bundesministerin für Männerüberwachung über die Erfolgsquote der Gewalttäterprogramme berichten.
HÄUSLICHE GEWALT
"Erzählen Sie mal als Mann, dass Ihre Frau Sie geschlagen hat"
Von Sonja Vukovic
Sie werden geschlagen und wehren sich nicht. Sie werden gedemütigt und reden nicht darüber: Für Männer, die Opfer von häuslicher Gewalt sind, gibt es in Deutschland kaum Zufluchtsorte. Ein gemeinnütziger Verein aus Oldenburg bietet ihnen Unterschlupf.
"Frauen haben keinen Zutritt zu dem Apartment", sagt Reiner W.* Ihn und die drei anderen Männer, die an diesem Nachmittag an dem mit feinem Porzellan gedeckten Kaffeetisch beisammensitzen, verbindet eine gemeinsame Beziehungserfahrung: Vor ihren Lebensgefährtinnen sind sie hierher geflüchtet, aus einem Alltag, in dem Gewalt und Demütigungen auf der Tagesordnung standen - sie selbst waren die Opfer. Das grau verputzte Reihenhaus bei Bremen ist Deutschlands wohl einziges Männerhaus.
Bewohner des Oldenburger Projekts "Männersache": "Wer schlägt, muss gehen"
"Männersache" steht auf dem Klingelschild. In den Zimmern stehen Blumen auf den Fensterbänken, auf dem Teppichboden liegt Playmobil-Spielzeug verteilt.
Wenn Jörn, wie an diesem Nachmittag, von seiner Ehe erzählt, dann tasten seine Augen ziellos den Raum ab. Beinahe zwei Jahrzehnte währte seine Beziehung zu einer acht Jahre älteren Frau. Aber nur wegen der sechs Paartherapien, die er initiiert habe, sagt der 39-Jährige. Von den beiden gemeinsamen Kindern sei eines "mehrfach schwerstbehindert". Das habe seine Frau nicht ertragen, ihre Verzweiflung habe die Mutter mit "unvorhersehbaren" verbalen und tätlichen Attacken am Ehemann ausgelassen.
An einem Tag im April 2006 der Eklat: "So hatte ich sie noch nie erlebt. Sie warf mit Geschirr nach mir", erinnert sich der Diplom-Sozialpädagoge. Durch seine Arbeit als Leiter einer Kindertagesstätte wusste er von der "Männerwohnhilfe". Wenige Stunden nach dem Vorfall zog er dort ein. Heute weiß er: "Es war besser so", der Kinder wegen, um deren Sorgerecht er derzeit vor dem Familiengericht kämpft.
Gewaltschutzgesetz - Männern nützt es nur wenig
Die Männerwohnhilfe entstand aus einer Partylaune heraus. Vor acht Jahren befand eine Runde Männer bei einer Feier, es müsse doch auch einen Ort geben, wo man(n) sich vor den Frauen zurückziehen könne.
Beruflich im sozialen und sozialpädagogischen Bereich tätig, fanden Diskussionsteilnehmer die Idee am Morgen immer noch richtig und wichtig: "Aus unserem Berufsalltag haben wir die Erkenntnis, dass Frauen, wenn Emotionen zur Entladung kommen, alles in die Hand nehmen, um sich auch körperlich gegen ihre Männer durchzusetzen", erklärt Wolfgang Rosenthal, einer der Mitbegründer der Herrenherberge.
Das bestätigt auch Bastian Schwithal, Forscher in der Partnerschaftssoziologie. 2005 veröffentlichte er seine Dissertation "Weibliche Gewalt in Partnerschaften" als Buch. "Männer und Frauen verüben Gewalt gegenüber Intimpartnern im etwa gleichen Maße", sagt Schwithal. Tätliche Übergriffe, ausgeübt von Männern, endeten häufiger tödlich, so der Soziologe, Frauen dagegen setzten öfter Gewaltmittel und Waffen ein, um "ihre geringere körperliche Stärke in Streitsituationen auszugleichen".
Erst Gewalt, dann Scheidungsschlacht und Sorgerechtskrieg
Das 2002 in Kraft getretene Gewaltschutzgesetz nütze Männern aber nur wenig, sagt Wolfgang Rosenthal von der Männerwohnhilfe. "Auf dem Papier heißt es zwar: Wer schlägt, muss gehen - das Opfer bleibt in der Wohnung. Aber erzählen Sie mal als Mann einem Polizisten, dass Ihre Frau Sie geschlagen hat. Selbst wenn Sie den Mut aufbringen, Anzeige gegen Ihre Partnerin zu erstatten, kommt es aus Gründen der geringen Schuld oder aus mangelndem öffentlichen Interesse nie zum Verfahren", sagt er.
Deswegen seien Männer als die Opfer häuslicher Gewalt oft zweifach die Leidtragenden. Nach den Peinigungen müssten sie dann auch noch die Wohnung und damit ihre Kinder verlassen, sagt Rosenthal. Meist folge ein "Schrecken aus Scheidungsschlacht und Sorgerechtskrieg".
Was das bedeutet, weiß Reiner W. nur zu gut. Der Musiker, 50 Jahre alt, ist 1,70 Meter groß, 63 Kilogramm schwer und hatte seiner langjährigen Lebensgefährtin nie viel entgegenzusetzen, wenn sie "mit einem Stuhl auf mich einschlug oder zugetreten hat". Er habe "unglaubliche Erfahrung mit einer gewalttätigen, herrschsüchtigen Frau" gemacht, gibt Reiner W. an.
Zurückzuschlagen, das sei für ihn nie in Frage gekommen. "Ich wollte die Familie, die ich da hatte, unbedingt zusammenhalten", sagt er. Erst nach neun Jahren, als die Frau ihn mit Glassplittern verletzte, wagte W. den Weg zum Familiengericht. Das aber gab das Kind in die Obhut seiner Ex-Freundin - trotz eines psychologischen Gutachtens, in dem die Mutter Übergriffe auf den Vater auch vor der damals Vierjährigen eingeräumt hatte. Herr W. "habe eine Art, sie an ihre Grenzen der Wut und darüber hinaus zu bringen", wird in der Expertise attestiert.
Männer- und Opferrolle unvereinbar
1976 eröffnete das erste Frauenhaus - inzwischen sind es mehr als 400 bundesweit. Sie alle werden staatlich gefördert und für die Gesellschaft ist der Schutz von Frauen vor häuslicher Gewalt durch die Solidargemeinschaft längst selbstverständlich.
Aber ein "Männerhaus" fördern? So etwas sei "angesichts endlicher Haushaltsmittel nicht gerechtfertigt", erklärt Andreas Aumann, Pressereferent im Bundesfamilienministerium.
Experte Bastian Schwithal wirft der Politik vor, "den wissenschaftlichen Erkenntnissen nur wenig Beachtung schenken zu wollen": "Bei den meisten Untersuchungen zum Thema der häuslichen Gewalt werden immer noch ausschließlich die Gewalthandlungen vom Mann gegenüber seiner Partnerin untersucht."
Bundesweit hielten für das Jahr 2006 nur die Landeskriminalämter Brandenburg, Hessen, Saarland und Berlin den Anteil weiblicher Tatverdächtiger bei innerfamiliärer Gewalt fest: Bei den über 21-Jährigen lag er bei 13, 3 und 11,6 beziehungsweise 20,01 und 22,2 Prozent.
Die Auswertung qualitativer Interviews mit betroffenen Männern, erklärt Partnerschaftssoziologe Schwithal, habe ergeben: Den Frauen gehe es um das Streben nach Macht und Kontrolle der Beziehung, sagt er. Vor allem Männer, die sich in finanzieller und emotionaler Abhängigkeit zu ihren Lebensgefährtinnen befinden, sind gefährdet, Opfer psychischer und physischer Gewalt in der Partnerschaft zu werden. Diese Männer verdrängen demnach zumeist die Gewalthandlungen, aufgrund der "Unvereinbarkeit von Mann- und Opferrolle": "In der Folge leiden sie dann an Depressionen, Schlaf- und Appetitlosigkeit sowie Angstzuständen." Und das wiederum verfestige die Stellung der Frau als stärkerer Part der Beziehung - und somit den Konflikt.
Berliner Männerhaus vor dem Aus
Eine Oldenburger Baugesellschaft erklärte sich 2002 bereit, dem Verein Männerwohnhilfe e.V für ihr Vorhaben eine Wohnung kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Mehr als 40 Männer fanden in dem Dreizimmerappartment seither ein sicheres Zuhause. Zahlen mussten sie nur die Nebenkosten in Höhe von 70 Euro pro Woche.
Ein vergleichbares Projekt gibt es nur an der Spree. In seinem Reihenhaus am Rande von Berlin Spandau gewährt Diplom-Sozialpädagoge Horst Schmeil seit 1995 Hilfesuchenden Asyl. Nach der Trennung von seiner Frau gründete der Pädagoge die Initiative "Väteraufbruch für Kinder", einen Verein, der dafür kämpft, dass Männer einer gescheiterten Partnerschaft gleichberechtigte Erziehungspartner bleiben.
Das Männerbüro Berlin, eine ambulante Beratungsstelle für Männer mit Beziehungskonflikten, vermittelt seit 1997 Hilfesuchende aus der ganzen Bundesrepublik an das "Männerhaus", bislang sollen es rund 600 gewesen sein.
Um Zuschüsse vom Senat hat sich Horst Schmeil vergeblich bemüht. Deswegen zahlten die Mitbewohner etwas zur Miete dazu oder kauften ein - mal mehr, mal weniger, sagt der 66-Jährige. Zur Finanzierung des Männerhauses reicht das nicht. Nach 13 Jahren steht das Haus jetzt kurz vor der Zwangsversteigerung.
In Oldenburg dagegen ist die Situation entspannter, die Bilanz erfreulich: Zwei Drittel der Betroffenen, die das Angebot nutzten, waren nach durchschnittlich drei Monaten Aufenthalt in der Lage, eine eigene Wohnung zu beziehen und die Beziehungskonflikte zu klären. "Die Vereinskassen sind gut gefüllt. Wir planen, bald eine zweite Wohnung zu eröffnen", sagt Reiner und klingt zufrieden.
*Name von der Redaktion geändert
22.07.2008
www.spiegel.de/panorama/0,1518,552331,00.html
EHE-DRAMA "GEGENÜBER"
Wenn Frauen Männer schlagen
Von Christian Buß
In seinem Kino-Film "Gegenüber" entwirft Jan Bonny ein Szenario der häuslichen Gewalt, das nicht den üblichen Rollenmustern folgt.
Die Schauspieler Matthias Brandt und Victoria von Trauttmannsdorff verwandeln den brisanten Stoff in ein anrührendes Drama über Zorn und Zärtlichkeit.
12.10.2007
www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,511093,00.html
Dort sind auch weitere Links zu Trailern und Filmausschnitten zu finden!
http://www.gegenueber-film.de/film1.html
GEGENÜBER ist eine packende Geschichte über den schmalen Grat zwischen Normalität und Hölle in der Ehe. In seinem Spielfilm-Debüt zeichnet Regisseur Jan Bonny in intimen und beklemmenden Bildern das spannungsgeladene Portrait einer unheilvollen Beziehung.
Der stets besonnene Streifenpolizist Georg (Matthias Brandt) wird von seinen Kollegen geschätzt und um seine harmonische Ehe mit der attraktiven Grundschullehrerin Anne (Victoria Trauttmansdorff) beneidet. Vor allem sein jüngerer Partner Michael (Wotan Wilke Möhring) ahnt nichts von den Konflikten, die das Leben des Paares seit Jahren bestimmen. Doch die glückliche Fassade bekommt allmählich Risse, und die Spannungen dringen nach außen: Annes verzweifelter Kampf um Anerkennung, Georgs Bemühen, es allen recht zu machen, die Hilflosigkeit der erwachsenen Kinder - und die Spuren körperlicher Gewalt, die sich kaum noch verbergen lassen...
Deutschland 2007
Länge: 96 Minuten
Format: 35mm
Bild: 1:1,85
Ton: Dolby Digital
Sprache: deutsch
Verleih gefördert von
Festivals/Preis:
Europäischen Filmpreis
Nominierung für die Europäische Entdeckung 2007
Filmfestival Münster - 19.10.07
29. Biberacher Filmfestspiele 31.10.-04.11.07
perspektive
5. Nürnberger Filmfestival der Menschenrechte
04.10.07
1. Hachenburger Filmfest
Preis "Der Junge Löwe" im Forum Nachwuchsfilmer
Cannes 2007 - „Quinzaine des Réalisateurs“
(Director’s Fortnight), Lobende Erwähnung
Filmfest München 2007 - Bestes Drehbuch
Pusan International Film Festival
nominiert für den FIRST STEPS AWARD 2007
Bester Spielfilm
Associated Press Worldstream - German
22. November 2006 Mittwoch 11:16 AM GMT
Gewalttätige Frauen sollen kein Tabuthema mehr sein;
Laut Bericht des Kantons Bern jeder zehnte Fall häuslicher Gewalt durch Frauen
Bei häuslicher Gewalt ist in mindestens jedem zehnten Fall der Mann das Opfer. Dies zeigt ein Bericht der Fachkommission für Gleichstellungsfragen des Kantons Bern. Die Experten wollen damit die Öffentlichkeit für dieses Tabuthema sensibilisieren.
»Wir wollen die Augen nicht vor Unangenehmem verschliessen«, sagte Kommissionspräsidentin Dori Schaer am Mittwoch vor den Medien. Deshalb habe die Kommission beschlossen, dieses Tabuthema aufzugreifen, auch wenn sie sich bewusst sei, dass es leicht missverstanden werden könne. Sie wolle aber auf keinen Fall die von Männern ausgehende Gewalt relativieren, die schwerer wiege als umgekehrt.
Der Bericht soll insbesondere bestehende Opfer- und Täterklischees aufbrechen. Verschiedene kantonale Polizeistatistiken zeigen nämlich laut den Verantwortlichen, dass auf neun Männer eine Frau kommt, die in der Partnerschaft gewalttätig wird. Gewalt durch Frauen konzentriere sich zudem nicht auf einen bestimmten Bevölkerungskreis, sondern geschehe quer durch alle Schichten. Weiter hält der Bericht fest, dass Mütter und Väter etwa zu gleichen Teilen Gewalt gegen Kinder ausüben. Ein besonderes Tabu stelle hier die sexuelle Gewalt dar. Der Anteil der Täterinnen liege gemäss verschiedenen Schätzungen bei neun bis zehn Prozent.
Die Kommission will mit ihrem Bericht »Wenn Frauen gewalttätig werden: Fakten kontra Mythen. Ausübung von häuslicher Gewalt ist nicht auf Männer beschränkt« insbesondere die Öffentlichkeit sensibilisieren. Zudem müssten Datenlücken geschlossen werden und Verbesserungen im Beratungsangebot geprüft werden. Auch sollen die zuständigen Fachleute entsprechend weitergebildet werden.
Erleichtert, dass »endlich ein solcher Bericht vorliege«, zeigte sich Andreas Jost von der Berner Fach- und Beratungsstelle »StoppMännerGewalt«. Bei Gesprächen mit seinen Klienten merke er immer wieder, dass gewalttätige Frauen aus Männersicht nicht ernst zu nehmen seien. Es gebe Männer, die lachen, wenn sie erzählen, dass ihre Partnerin sie im Schlaf mit einem Messer habe ermorden wollen.
Dementsprechend melden sich Männer, die Opfer von weiblicher Gewalt wurden, auch selten. Laut den Fachleuten braucht es hier ein Umdenken in der Gesellschaft. Claudia Fopp, Leiterin des Berner Interventionsprojekts gegen häusliche Gewalt, befürchtet sonst einen Teufelskreis: »Das Verleugnen des Opferseins fördert auch wieder die Täterschaft.«
Häusliche Gewalt ist auch Thema einer kantonalen Fachtagung am kommenden Freitag im Naturhistorischen Museum Bern. In verschiedenen Kantonen sind zudem am Samstag im Rahmen des Internationalen Tags gegen Gewalt an Frauen Aktionen zum Thema geplant.
ap/bi/e
Fotografie zum Thema "häusliche Gewalt gegen Männer"
Für meine Diplomarbeit im Fachbereich Fotografie zum Thema "häusliche Gewalt
gegen Männer" suche ich dringend aktuell oder ehemalige Betroffene, die bereit sind sich fotografisch portraitieren zu lassen. (auch Paare) Art und Dauer der Sitzungen ist Absprachesache, von klassischen direkten Portraits bis hin zu eher situativem Begleiten bin ich an allem interessiert. Die genaue Form der erfahrenen Gewalt steht nicht im Vordergrund, psychische wie physische ist für mich gleich bedeutsam.
Aufgefallen ist mir das Thema durch die Pilotstudie des Bundesministeriums für Familie. Es geht mir um die Erhellung eines ansonsten tabuisierten Gebietes und die scheinbare Umkehrung des gewohnten Geschlechterverhältnisses.
Claudia Pfeiffer claudiapfeiffer@gmx.de
22.03.05
Häusliche Gewalt gegen Männer
Die „Berliner Morgenpost“ berichtete am 25. Mai 2004 ausführlich über häusliche Gewalt gegen Männer anhand eines Fallbeispiels:
„1998 ermittelte eine Berliner Polizeidirektion, dass Männer 13,6 Prozent der Opfer häuslicher Gewalt stellen. Die Dunkelziffer dürfte höher liegen.
Aber um sie aufzuhellen, müssten Männer zwei Schritte unternehmen, sagt Kriminalhauptkommissarin Martina Linke: Erstens sich und anderen eingestehen, wenn sie Opfer von Gewalt geworden sind und sich zweitens zu einer Interessengruppe zusammenschließen. ‚Erst wer - wie Frauengruppen vor mehr als 30 Jahren - seine Forderungen öffentlich formuliert, kann etwas ändern.’ Christian G. ist noch nicht so weit:
‚Ich habe genug Häme eingesteckt. Statt zur Polizei zu gehen, hätte ich beim ersten Mal besser zurückgeschlagen. Dann hätte ich meine Ruhe statt ein Trauma.’“
http://morgenpost.berlin1.de/archiv2004/040229/berlin/story662692.html
Projektthema: Häusliche Gewalt
Thema der Projektarbeit:
Häusliche Gewalt gegen Männer – ein tabuisiertes Problem!
vorgelegt von Isabel Weimann
Münster, im Dezember 2003
Fachhochschule Münster
Projektleiter: Prof. Dr. Lehr
Fachbereich: Polizeivollzugsdienst
Jahrgang: PV III 2001
Einstellungsbehörde: PP Münster
Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung ..................................................................................................................... 1
1.1 Hinführung zur Thematik ..................................................................................... 2
1.2 Ziel der Projektarbeit ............................................................................................ 3
2. Begriffsbestimmung ................................................................................................... 4
2.1 Physische Gewalt ................................................................................................. 4
2.2 Psychische Gewalt ................................................................................................ 5
2.3 Verbale Gewalt ..................................................................................................... 5
2.4 Sexuelle Gewalt .................................................................................................... 6
2.5 Häusliche Gewalt laut IM NRW............................................................................ 6
2.6 Tabu ....................................................................................................................... 7
2.7 Resümee zu den Begriffserläuterungen ............................................................... 7
3. Aktueller Forschungsstand der Untersuchungen ................................................... 8
3.1 Vergleichende Untersuchung in den USA von Murray Straus,
Richard Gelles und Susanne Steinmetz ............................................................... 9
3.2 Untersuchung aus Dänemark ............................................................................. 11
3.3 Repräsentative Dunkelfelduntersuchung des kriminologischen
Forschungsinstituts Niedersachsens .................................................................... 13
3.4 Studie der Universität Bielefeld .......................................................................... 14
3.5 Studie der katholischen Universität Eichstätt .................................................... 14
3.6 Die Polizeiliche Kriminalstatistik und die Dunkelfeldproblematik ................... 16
3.6.1 Interpretation der Polizeilichen Kriminalstatistik ........ .......................... 17
4. Beschreibung und Durchführung der Expertenuntersuchung
4.1 Ziel der Experteninterviews und Begründung der Methoden
unter Einbeziehung der Hypothese ....................................................................... 18
4.1.1 Der Interviewleitfaden zur Expertenbefragung ...................................... 18
4.1.2 Bestimmung und Auswahl der Interviewpartner .................................... 19
4.1.3 Durchführung des Experteninterviews ................................................... 20
4.2 Ziel der Opferbefragung und Begründung der Methoden.................................... 20
4.2.1 Der Opferfragebogen .............................................................................. 21
4.2.2 Durchführung der Opferbefragung .......................................................... 21
4.2.3 Darlegung der Datenerhebung und Datenerfassung ............................... 22
4.2.4 Darstellung der Datenverarbeitung ......................................................... 22
5. Ergebnisse der Literatur- und Internetrecherche sowie aus den Experten-
und Opferinterviews in Bezug auf die Ausgangsfragestellungen ........................ 23
5.1 Die Rolle/das Bild des Mannes in der Gesellschaft aufgrund
geltender Rollenerwartungen ............................................................................. 23
5.2 Die Rolle/das Bild der Frau in der Gesellschaft aufgrund
geltender Rollenerwartungen ............................................................................ 25
5.3 Charakteristika des männlichen Opfers ................................................................. 26
5.4 Der Umgang mit der Gewalterfahrung ................................................................ 28
5.5 Die Macht der Täterin und die angewandten Gewaltformen ............................... 29
6. Ursachen der Gewalt ............................................................................................... 33
6.1 Gewaltverhalten als gesellschaftsimmanentes Phänomen........................................ 33
6.2 Die unterschiedliche Sozialisation der Geschlechter als Erklärungsansatz für das Gewaltverhalten ................................................................................... 34
6.3 Die Lerntheorien zur Erklärung von Gewaltverhalten ............................................. 36
6.4 Traumatisierungen als Erklärungsansatz für Gewaltverhalten ................................ 37
6.5 Die verzerrte Darstellung in den Medien als Erklärungsansatz
für Gewaltverhalten ........................................................................................... 38
6.6 Stressoren als Ursachen von Gewaltverhalten ...... .................................................. 39
7. Anregungen und Verbesserungsvorschläge für die polizeiliche Praxis .............. 39
8. Resümee ................................................................................................................... 42
9. Abkürzungsverzeichnis ........................................................................................... 45
10. Literaturverzeichnis ................................................................................................ 46
10.1 Internetquellen ................................................................................................. 50
10.2 Zeitschriften/Zeitungen .................................................................................... 52
10.3 Weiterführende Literatur ................................................................................. 53
Die Arbeit kann bestellt werden bei:
Isabel Weimann
Wykstr. 1
48153 Münster
Diplomarbeit zum Thema "Häusliche Gewalt als Austragungsort gesellschaftlicher Konfliktlagen"
Sehr geehrte Herren,
Als Studentinnen der Fachhochschule Potsdam suchen wir für unsere Diplomarbeit, die sich mit dem Thema "Häusliche Gewalt als Austragungsort gesellschaftlicher Konfliktlagen", insbesondere jedoch mit der angewandten (physischen und psychischen) Gewalt gegen Männer in heterosexuellen Partnerschaften beschäftigt, Männer, die in ihrer Partnerschaft Gewalt erfahren haben.
Wir möchten Ende September einen Fragebogen an Betroffene senden und mit den wissenschaftlich ausgewerteten Ergebnissen einen Grundstein für die weitere sozialpädagogische Arbeit auf diesem Gebiet legen und auf die Lage betroffener Männer und die tabuisierte Thematik aufmerksam machen.
Diskretion ist dabei selbstverständlich.
Für Fragen oder Anregungen stehen wir unter haeusliche-gewalt@web.de gerne zur Verfügung.
Vielen Dank für Ihr Interesse
Mit freundlichen Grüßen
Melanie Butzmann und Bettina Gitter
04.09.2003
Gewalt und Negativität in heterosexuellen Partnerschaften
Sehr geehrte Damen und Herren
Als Mitarbeiterinnen des Familieninstituts der Universität Fribourg (Schweiz) suchen wir für unsere Studie zum Thema Gewalt und Negativität in heterosexuellen Partnerschaften Personen, die in ihrer Partnerschaft Gewalt
erfahren oder ausüben. Genaueres über die Studie können sie unserem Attachment entnehmen.
Wir wären froh, wenn Sie den Link zu unserem Internetfragebogen auf Ihre Homepage einfügen könnten. Betroffene wählen ein Pseudonym, damit die Anonymität voll gewährleistet ist. Auch wären wir dankbar, wenn Sie unseren Link an Ihre Klienten weiterempfehlen würden. Unser Link lautet:
http://www.unifr.ch/iff/aktuell/partnergewalt/
Für Fragen oder Anregungen stehen wir unter nicole.keller@unifr.ch
oder bettina.jordi@gmx.ch
gerne zur Verfügung.
Für Ihre Bemühungen danken wir Ihnen und verbleiben
mit freundlichen Grüssen
cand. phil. Nicole Keller
cand. phil. Bettina Jordi
cand. phil. Erica Desch
28.08.2003
In Mitte nichts neues? Schutz von von Männern nicht geplant? Wer schützt Jungen und Mädchen vor weiblicher Gewalt?
Lesen Sie selbst:
Politik und Gesellschaft im Gespräch
Häusliche Gewalt?
Man könnte denken das Thema häusliche Gewalt wäre in der heutigen Zeit nicht mehr aktuell, aber weit gefehlt. Die Zahlen belegen die Aktualität auch ganz in unserer Nähe. Projekte und Initiativen bieten Hilfsmöglichkeiten. Im Bezirksamt Mitte hat der Arbeitskreis Frauen und Gesundheit ein Konzept "Bündnis gegen häusliche Gewalt" erarbeitet und wird dieses vorstellen. Was kann der Bezirk zum Schutz von Frauen und Kindern tun, die innerhalb ihrer Familie bedroht werden? Welches Netz von Hilfemöglichkeiten besteht in Mitte und wie wird sich die Arbeit künftig gestalten? Sie können mit Fachleuten und VertreterInnen aus dem Arbeitskreis Frauen und Gesundheit dieses Thema diskutieren.
Es gibt die Möglichkeit, ab 17 Uhr direkt von den anwesenden Gruppen und Organisationen Informationen zu erhalten, persönliche Gespräche zu führen und sich auszutauschen. Um 18 Uhr beginnt dann die Diskussion.
Veranstaltungsdatum: Mittwoch 24.09.2003, 17.00-20.00 Uhr
Ort: Foyer des BVV Saals Wedding/ Neubau
Müllerstr. 146
Fahrverbindung: U 6/9 Leopoldtplatz
Es sind eingeladen:
Miriam Scheffler, Vorsitzende des Ausschusses Gesundheit und Soziales (angefragt)
Kerstin Drobick, Gleichstellungsbeauftragte Mitte
Ulrike Jobst, Frauenbeirat Mitte
Tanja Engel, Koordinatorin der AG „Häusliche Gewalt“ im Polizeipräsidium Direktion 3
Rüdiger Bogatsch-Grandke, Sozialamt Mitte
Moderation: Werner Schiffmann, Leiter der Plan-und Leitstelle Gesundheit
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bezirksamtes und der Freien Träger sind ebenso eingeladen wie an diesem Thema interessierte Bürgerinnen und Bürger.
Wir freuen uns auf eine interessante und zielorientierte Diskussion!
Telefonische Anmeldung bitte unter: (030) 20092 7428 oder 200927411
Ich habe genug Häme eingesteckt
Die „Berliner Morgenpost“ berichtete am 25. Mai 2004 ausführlich über häusliche Gewalt gegen Männer anhand eines Fallbeispiels:
„1998 ermittelte eine Berliner Polizeidirektion, dass Männer 13,6 Prozent der Opfer häuslicher Gewalt stellen. Die Dunkelziffer dürfte höher liegen.
Aber um sie aufzuhellen, müssten Männer zwei Schritte unternehmen, sagt Kriminalhauptkommissarin Martina Linke: Erstens sich und anderen eingestehen, wenn sie Opfer von Gewalt geworden sind und sich zweitens zu einer Interessengruppe zusammenschließen. ‚Erst wer - wie Frauengruppen vor mehr als 30 Jahren - seine Forderungen öffentlich formuliert, kann etwas ändern.’ Christian G. ist noch nicht so weit:
‚Ich habe genug Häme eingesteckt. Statt zur Polizei zu gehen, hätte ich beim ersten Mal besser zurückgeschlagen. Dann hätte ich meine Ruhe statt ein Trauma.’“
http://morgenpost.berlin1.de/archiv2004/040229/berlin/story662692.html
Wenn Frauen zu Furien werden
Auch Männer werden zu Hause verprügelt - Statt Hilfe bekommen sie oft nur Häme
Von Tanja Laninger
Ein Haus, zwei Autos, zwei Töchter, eine gut bezahlte Arbeit als Ingenieur: Christian G. hat erreicht, wovon viele Männer träumen. Doch das Familienleben wurde für ihn zum Albtraum, weil es von Ehefrau Maria statt Streicheleinheiten nur noch Beschimpfungen und Prügel gab. Jetzt sehen sich beide nur noch vor Gericht.
"Am Anfang schwebte ich wie auf Wolken. Ich habe aus Liebe geheiratet", erinnert sich der 47-Jährige. Das liegt 17 Jahre zurück. 1992 bringt Maria ihre zweite Tochter zur Welt - und alles ändert sich. "Sie war nur noch unzufrieden, übellaunig und missgünstig", sagt Christian. Das Paar streitet immer häufiger, geht in Therapie - ohne Erfolg.
Im März 1998 schlägt sie das erste Mal zu. "Ich habe mir ein Modellauto gekauft - von Wiking. Sie findet das überflüssig und zu teuer, fordert mehr Taschen- und Haushaltsgeld, schreit und schlägt mir plötzlich mit der Faust ins Gesicht." Christian G. ist fassungslos. Er gibt den Hormonen die Schuld, schickt seine Frau zum Arzt. Die weigert sich, behält aber die Faust in der Tasche - neun Monate lang.
Zu Weihnachten folgt der nächste Angriff. Die Abstände werden kürzer, Christian G. gerät unter Dauerbeschuss. Immer wieder brüllt und schlägt seine Frau auf ihn ein, "mal mit einem Biberschwanz-Dachziegel, mal mit einer Wurstpackung". Als sie im Februar 2002 mit einem Hausschuh auf ihn und die ältere Tochter losgeht, ruft er die Polizei. Der ersten Anzeige folgen weitere, inzwischen sind es sieben. G. beantragt beim Familiengericht eine Verfügung, um seine Frau vom Haus fern zu halten. Doch die Richterin redet ihm das aus. Was er bitter bereut, denn der "Fehler" trägt ihm weitere Prügel und Psychoterror ein, bis seine Frau Ende April 2003 endlich auszieht.
Kurz darauf versucht sie, mit Gewalt die Haustür aufzubrechen. Christian G. hat Todesangst und ruft die Polizei. Die weigert sich zu kommen. "Man sagte mir, meine Frau könne so schlimm doch nicht sein." Er nennt weitere Beispiele für unsensible Reaktionen seitens der Behörden: Als er im August 2003 vor Gericht seine blauen Flecken und Wunden zeigt, kommentiert die Amtsanwältin, solche Hämatome habe sie auch schon gehabt. Das Verfahren wird wegen geringer Schuld eingestellt.
"G. ist kein Einzelfall", sagt Horst Schmeil, Begründer des Spandauer Männerhauses, "Frauen genießen die volle Unterstützung der Bürokratie - Männer stehen allein da." Aus der Justiz kommt kein Widerspruch: "Es ist nicht auszuschließen, dass die Ohrfeige, die eine Frau austeilt, als nicht so schwer wiegend empfunden wird, als wenn ein Mann die Frau ohrfeigt", sagt Justizsprecher Michael Grunwald. Jährlich laufen vor Gericht bis zu 4000 Verfahren wegen häuslicher Gewalt - nur ein Sechstel der Beschuldigten ist weiblich. Bei Frauen, die nie zuvor als gewalttätig aufgefallen seien, neigten Ermittler dazu, deren Tat als Ausnahme zu interpretieren und das Verfahren einzustellen - anders als bei Männern, die in der Regel körperlich überlegen seien. "Das ist ein Problem. Aber es entspringt gesellschaftlicher Prägung."
Bei der Polizei geht man gegen diese Haltung vor. Seit vergangenem Jahr gibt es in jeder Direktion Koordinatoren für häusliche Gewalt. Die Mitarbeiter werden intern geschult. "Außerdem überlegen wir, ein Projekt für Verwandte und Freunde von Opfern aufzulegen", sagt Martina Linke von der Zentralstelle für Opferschutz und häusliche Gewalt im Landeskriminalamt. Denn die würden Männer bislang unter Rechtfertigungsdruck setzen.
Genaue Zahlen, wie oft Männer Opfer häuslicher Gewalt werden, gibt es nicht. Das Bundesministerium für Familie lässt gerade eine Pilotstudie erarbeiten. In einem Modellprojekt von 1998 ermittelte eine Berliner Polizeidirektion, dass Männer 13,6 Prozent der Opfer häuslicher Gewalt stellen. Die Dunkelziffer dürfte höher liegen.
Aber um sie aufzuhellen, müssten Männer zwei Schritte unternehmen, sagt Kriminalhauptkommissarin Martina Linke: Erstens sich und anderen eingestehen, wenn sie Opfer von Gewalt geworden sind und sich zweitens zu einer Interessengruppe zusammenschließen. "Erst wer - wie Frauengruppen vor mehr als 30 Jahren - seine Forderungen öffentlich formuliert, kann etwas ändern." Christian G. ist noch nicht so weit: "Ich habe genug Häme eingesteckt. Statt zur Polizei zu gehen, hätte ich beim ersten Mal besser zurückgeschlagen. Dann hätte ich meine Ruhe statt ein Trauma."
"Das denke ich manchmal auch", sagt Männerhaus-Gründer Schmeil. Auch er hat häusliche Gewalt erlebt. Seine Frau hatte ihn beschimpft, geschlagen und dreimal mit dem Messer bedroht. "1994 verließ sie unser Haus. Seitdem bringe ich darin Männer unter, die ähnliche Erlebnisse verarbeiten müssen." Sein Männerhaus wirkt mit seinem Holztresen, schief aufgelegten Tischläufern und Pinguinposter an der Wand wie eine Mischung aus Jugendherberge und Junggesellenhaushalt. Drei Zimmer stehen bereit, zur Not können acht Männer unterkommen. Manche bleiben eine Nacht, andere Monate. So wie Gerhard Hanenkamp. Der 55-Jährige sagt: "Horst hat mir geholfen, wieder einen Sinn im Leben zu sehen."
Hier bekommen Männer Hilfe: ... .
Sonntag, 29. Februar 2004
*Ich hab' Angst vor meiner Frau**
**Gewalt gegen Männer
ZDF, Dienstag, 10.02.2004, 22:45 - 23:15 Uhr
'Ich liebe sie eigentlich noch immer', der 45-jährige Marcus kann nicht fassen, dass die einst große Liebe unter den Schlägen seiner Frau zerbrochen sein soll. Der Soziologe und selbstständige Unternehmensberater ist jetzt selber ratlos. Dass sich der 1,90 große Mann gegen die Attacken seiner Frau nicht wehren konnte oder wollte, können die meisten einfach nicht begreifen. Schon gar nicht, als er sich in Lebensgefahr befand. Seine Frau wurde inzwischen wegen schwerer Körperverletzung verurteilt. Doch das ist ihm keine Genugtuung. Er gibt die Hoffnung auf einen Neuanfang nicht auf.
Männer als Opfer häuslicher Gewalt sind ein Tabu. Die Scheu ist groß, mit Freunden und Kollegen darüber zu sprechen. Geradezu peinlich. Keiner möchte als Weichei dastehen, als Pantoffelheld. Die Betroffenen glauben daher, alleine mit der Situation fertig werden zu müssen. Die Folgen sind innere Immigration und soziale Vereinsamung. Spezielle Beratungsstellen gibt es kaum. 'Die Erinnerungen kommen immer wieder und verfolgen mich.' Der sportlich wirkende Werner sieht Frauen heute mit anderen Augen, durchaus auch mit Angst und Misstrauen. Der Beamte im Öffentlichen Dienst ist in seinem Job eine Autoritätsperson. Seine Frau verfolgte ihn jahrelang eifersüchtig und immer voller Vorwürfe. Dann kam Gewalt dazu: ein blaues Auge, ein Hörsturz in Folge von Schlägen auf die Ohren. Er floh in seinen Wagen und schlief zunächst dort. Doch wie viele andere Männer in ähnlichen Situationen möchte sich Werner nicht zurückziehen. Er hat sich neu verliebt und will, dass sich in seiner neuen Beziehung nicht wieder die gleichen Fehler einschleichen.
Offizielle Statistiken zählen meist nur männliche Täter. Schlagende Frauen passen nicht ins Schema. Doch allein die Berliner Polizei erfasste 2002 in 7552 Fällen häuslicher Gewalt knapp 1000 Frauen als Täterinnen. Die Dunkelziffer liegt wahrscheinlich um ein Vielfaches höher, denn die Betroffenen scheuen sich oft, Anzeige zu erstatten.
Inzwischen werden zumindest in Berlin die Beamten im richtigen Umgang mit aggressiven Frauen geschult.
Herbert Schmeil hat ähnlich gewalttätige Erfahrungen gemacht und ist aktiv geworden. Auf die Initiative des Sozialpädagogen wurde in Berlin das erste 'Männerhaus' ins Leben gerufen. Es bietet Betroffenen für einige Tage Schutz und in einer Selbsthilfegruppe Rat. Der Zulauf ist groß.
Er hielt einfach still
Klaus K. war keine Witzfigur. Seine Frau, sagen die Verwandten, habe er geliebt, ja vergöttert.
... in der „taz“ vom 22. August 2003 lasen wir zum Thema häusliche Gewalt diesen erfreulichen Leserbrief: http://www.taz.de/pt/2003/08/22/a0122.nf/text
Und der Beitrag, auf den dieser Brief sich bezog, gehört in der Tat zu den journalistischen Arbeiten, die man sich gerne aufbewahrt:
http://www.taz.de/pt/2003/08/09/a0266.nf/text
Aus der Einleitung:
„Klaus K. war keine Witzfigur. Seine Frau, sagen die Verwandten, habe er geliebt, ja vergöttert. Gegen ihre Schläge und Strafen aus belanglosen Anlässen hat er sich nie zur Wehr gesetzt. Im Juli wurde Gisela K. vom Berliner Landgericht zu neun Jahren Haft verurteilt. Wegen Mordes an Klaus K.“
Er hielt einfach still
Klaus K. war keine Witzfigur. Seine Frau, sagen die Verwandten, habe er geliebt, ja vergöttert.
Gegen ihre Schläge und Strafen aus belanglosen Anlässen hat er sich nie zur Wehr gesetzt. Im Juli wurde Gisela K. vom Berliner Landgericht zu neun Jahren Haft verurteilt. Wegen Mordes an Klaus K.
von KIRSTEN KÜPPERS
Als die Polizisten Gisela K. fanden, saß die 63-jährige Hausfrau im Wohnzimmer auf der Couch und weinte. Ihr Mann lag tot im Flur. Die Leiche von Klaus K. steckte in einem Schlafanzug, der zierliche Körper darunter war von Verletzungen übersät.
Klaus K. lag schon lange so da, wie die Polizei schnell feststellte. Die Beamten waren eben erst gerufen worden, jetzt war es später Nachmittag, und der Tod von Klaus K. war bereits am Abend vorher eingetreten. Auch fiel den Polizisten auf, wie sauber die Wohnung war, keine Flecken auf dem Teppich, keine Nachlässigkeit in den Zimmern, nichts störte die Anordnung der Dinge, es roch nach Putzmitteln. Die Beamten schöpften Verdacht, als sie den Hausarzt anriefen. Nein, der Rentner sei nicht krank gewesen, sagte der Arzt am Telefon. Es sei sehr ungewöhnlich, dass ein 65-Jähriger einfach so stirbt. Dem Arzt waren allerdings mehrfach "Blessuren" an dem schmächtigen Klaus K. aufgefallen. Im Mülleimer findet die Polizei dann eine Plastiktüte mit Werkzeug, darunter einen Fleischklopfer aus Metall. Gisela K. sitzt auf der Wohnzimmercouch und weint.
43 Jahre war das Ehepaar K. verheiratet. An einem Adventssonntag vergangenen Jahres bereitete Gisela K. dieser Verbindung ein Ende. Mit einem Fleischklopfer, einem Telefonhörer und einem heißen Bügeleisen schlug sie so lange auf ihren Mann ein, bis Klaus K. tot gegen die Kacheln des Badezimmers sank. Es war nicht das erste Mal, dass sie ihn misshandelte. Immer wieder hatte sie in den letzten Jahren zugeschlagen. Mit einem Nudelholz, einem Kochlöffel, mit der Bratpfanne. Ihr Ehemann wehrte sich nicht, er hielt einfach still.
Zugegeben hat Gisela K. die Tat nicht. Als ihr im Juli am Landgericht Berlin der Prozess gemacht wird, sitzt sie in schwarzer Trauerkleidung neben ihrem Anwalt und weint in ein Papiertaschentuch. "Die Angeschuldigte handelte aus Verachtung gegenüber dem von ihr in jeder Hinsicht als unterlegen angesehenen Ehemann und mit dem Willen, ihn körperlich zu vernichten", wirft ihr der Staatsanwalt vor. Gisela K. trägt eine goldene Kette mit Kreuz um den Hals, sie weint und schweigt.
Bereits als die Polizisten sie festgenommen hatten, sie ins Auto setzten und mitnahmen aufs Revier, gab Gisela K. an, sie habe nichts getan. Später fand die Polizei in der Wohnung einen Brief. Gisela K. hatte ihn geschrieben, als sie neben der Leiche ihres Mannes in der Wohnung wartete. Sie schrieb, ihr Mann habe sich den Schädel selbst zertrümmert, er sei von allein ins heiße Bügeleisen gefallen. Eine Behauptung, "die nicht wahr sein kann", sagt der Staatsanwalt. Klaus K. war "übel zugerichtet", als man ihn fand. Fast sämtliche Rippen und das Brustbein waren gebrochen.
Der Fall ist für die Berliner Polizei und Justiz beispiellos. Noch nie sei ihm in seiner Karriere ein derartiges Verbrechen untergekommen, sagt der Staatsanwalt. Dass Gewalt von Frauen gegen Männer indes keine Seltenheit ist, zeigt der Umstand, dass das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend bereits im vergangenen Jahr eine Pilotstudie zum Thema "Häusliche Gewalt gegen Männer" in Auftrag gegeben hat. Im März des kommenden Jahres sollen erste Ergebnisse vorliegen. Immerhin ist eine viel zitierte Untersuchung des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen schon im Jahr 1992 zu dem Schluss gekommen: Männer werden ebenso häufig Opfer von häuslicher Gewalt wie Frauen.
Nach Ansicht des Mainzer Kriminologen Michael Bock wird das Problem dennoch weitgehend unterschätzt. "Männer tauchen als Opfer von Frauengewalt in den offiziellen Statistiken kaum auf", meint er. Weil sie ihre Erfahrungen als Opfer seltener preisgeben als Frauen. Befördert werde solches Verhalten noch durch eine andere Entwicklung, so Bock: die Zunahme "einer völlig kritiklosen Ästhetisierung von Frauengewalt in Filmen und Werbespots". Die böse Gewalt bliebe dabei für Männer reserviert, die gute für Frauen. Als Beispiel dient dem Kriminologen etwa ein Werbespot der schwedischen Möbelfirma Ikea. Eine Szene, in der ein Mann aus einem fahrenden Auto geworfen wird und die untertitelt ist mit: "Entdecke die Möglichkeiten".
Ob solche Filmsequenzen menschliches Verhalten wirklich nachhaltig beeinflussen, bleibt allerdings offen. Tatsache ist, dass Männer vor allem Opfer der Gewalt anderer Männer werden. Nach der polizeilichen Kriminalstatistik waren im Jahr 2001 bei Körperverletzungsdelikten insgesamt 81,1 Prozent der Tatverdächtigen und 64,8 Prozent der Opfer Männer. Findet die Körperverletzung im öffentlichen Raum statt, ist der Kontrast nochmals schärfer: Männer beziehungsweise männliche Jugendliche waren zu 88,7 Prozent die Tatverdächtigen. Männer sind somit generell häufiger Täter und Opfer von Gewalt als Frauen.
Der Berliner Frührentner Klaus K. ist freilich nicht draußen auf der Straße geschlagen worden und auch nicht von anderen Männern. Die Schläge bekam er in der eigenen Wohnung. Sie erwarteten ihn, wenn er nach Hause kam, sie gehörten zu seiner Ehe dazu. Seine Frau schrie ihn an, weil er über den frisch gesaugten Teppich gelaufen war, sie warf ihm vor, dass er getrunken habe, sie beklagte sich, er hätte sich mit Obdachlosen am Bahnhof Zoo herumgetrieben. Klaus K. ertrug den Streit, das Gezeter, die Strafen. Er hat sich nicht gewehrt, er ist auch nicht davongelaufen.
Ein kleiner, gebückt gehender Mann, so beschreiben die Nachbarn im Mietshaus Klaus K. Oft trug er Schwellungen, Blutergüsse, Wunden im Gesicht und an den Armen, erzählen sie. Früher war Klaus K. einmal Möbelpacker gewesen. Er hatte Klaviere und schwere Schränke gestemmt. Bis er wegen einer Krankheit seinen Beruf aufgeben musste. Als Rentner wurde er immer dünner und kraftloser. Oft gab es mit seiner Frau Streit, weil er nicht essen wollte. Die Nachbarn hörten wieder das Geschrei durch die Wände.
Seine Vormittage verbrachte Klaus K. oft im Keller. Vermutlich weil er in der Wohnung störte. Im Keller setzte K. sich auf eine alte Matratze und rauchte heimlich Zigaretten. Ein gemäßigter Rückzug, eine leise Form des Protests. Klaus K. hockte da, zog an seiner Zigarette, genoss die Friedfertigkeit der Umgebung. Oft löste er Kreuzworträtsel, manchmal hörte er nur auf die Geräusche im Dunklen. Damit seine Frau seiner Gewohnheit nicht auf die Schliche kam, versteckte K. den Tabak im Briefkasten. Gisela K. hatte die Wohnung seit Jahren nicht mehr verlassen, sie war scheu, sie ging einfach nicht mehr nach draußen.
Der Fall der Eheleute K. passt nicht ins gängige Bild von Beziehungsgewalt. "Polizei und Gerichte haben die Normalitätsvorstellung, dass Männer Täter und Frauen Opfer sind", sagt der Kriminologe Michael Bock. Dass dies der Realität nicht unbedingt entsprechen muss, zeigen diverse Studien zum Thema. Nach Forschungsergebnissen aus Dänemark sowie aus Neuseeland ist in diesen Ländern rund ein Drittel der Frauen schon einmal gegen den Partner gewalttätig geworden.
Für Deutschland hat der Soziologe Gerhard Amend von der Universität Bremen in einer Untersuchung zur Lebenssituation geschiedener Väter herausgefunden, dass vor Trennungen in jedem vierten Fall die Handgreiflichkeiten von Männern, zu 58 Prozent jedoch von Frauen ausgehen. In 17 Prozent der gewaltsamen Beziehungskonflikte ist es mal die Frau, die zuerst zuschlägt, mal der Mann.
Interessant ist vor allem der Unterschied in der Wahl der Waffen, den Amend feststellt. Seine Studie ergab: Während Männer sich auf ihre Körperkraft verlassen, greifen Frauen häufiger zu Gegenständen wie Messern oder schütten ihrem Partner heißen Kaffee ins Gesicht.
Gisela K. hat es nicht bei heißem Kaffee belassen, wie die polizeilichen Ermittlungen ergaben. Sie schlug ihren Mann mit diversen Küchengeräten. Daneben verfügte sie über ein umfangreiches Instrumentarium der Kontrolle. Sie verwaltete das Geld, sie schrieb seine Briefe. Wenn Gisela K. ihren Mann zum Einkaufen schickte, musste Klaus K. im Laden zuerst die Preise erfragen, sich bei ihr zu Hause die Erlaubnis zum Kauf abholen und dann noch einmal loslaufen. Manchmal sprach Gisela K. ihm auch Anweisungen auf ein Diktiergerät. Warum sie Klaus K. überwachte, hat sie der Polizei erzählt: "Ich kam aus gutem Hause, er nicht. Ich konnte mit Geld umgehen, er nicht." Immer wieder hielt sie ihrem Mann vor, er habe gestohlen.
Sie hatte Recht damit. Klaus K. hat gelegentlich in Drogeriemärkten und Kaufhäusern Gegenstände entwendet. Weil das Geld, das sie ihm zuteilte, nicht reichte. Oft stahl er auch kleine Geschenke für seine Frau: Kosmetikartikel, Kaffee oder Süßigkeiten. "Frauchen sagte, dass sie das immer einmal gern haben wollte", erzählte er den Polizisten, als er mit einem Dauerwellenmittel in der Tasche erwischt wurde. Er machte einen ziemlich verängstigten Eindruck. Es kam vor, dass Gisela K. ihn tagelang nicht in die Wohnung ließ, wenn sie von den Diebstählen erfuhr.
Auch im September vergangenen Jahres wurde der Rentner in einem Supermarkt beim Klauen erwischt. Klaus K. weinte, er bat die Polizisten, seiner Frau nichts davon zu erzählen. Sie würde ihn sonst zu Tode prügeln, flehte K. Die Polizisten sahen die Narben an seinem Rücken. Sie haben ihm geglaubt. Sie haben eine Strafanzeige gegen Gisela K. aufgenommen.
Seit eineinhalb Jahren gehen die deutschen Behörden mit einem neuen Konzept gegen häusliche Gewalt vor. Dazu gehört, dass die Täter der Wohnung verwiesen und in besonderen Fällen auch in Gewahrsam genommen werden können. Zudem werden Ermittlungen von Amts wegen auch dann eingeleitet, wenn das Opfer selbst keine Anzeige erstattet. In nahezu allen Fällen kommt es dabei zur Anklage - eine Tatsache, von der sich Polizei und Justiz einen besonderen Abschreckungseffekt erhoffen.
Bei Klaus K. wurde die Sache nicht weiterverfolgt. Mit der Anzeige war eine neue Bedrohung in sein Leben getreten. K. hatte Angst vor dieser Gefahr, die von außen kam und die er nicht kannte. Einen Tag nachdem die Anzeige aufgenommen worden war, ging er auf das Polizeirevier und zog sie wieder zurück. Es war, als hätte ihn sein eigener Mut überrascht. Als wolle er, dass alles zusammenhält. K. ging weiter in seinen Keller, rauchte und schwieg.
Im Jahr 2002 wurden der Berliner Polizei 7.552 Fälle von häuslicher Gewalt bekannt. In 5.776 Fällen ließen sich ein männlicher Täter und ein weibliches Opfer feststellen. Nur in 957 Fällen waren Frauen die Täterinnen, Männer die Opfer. Eine Zahl, die dennoch bemerkenswert ist, meint der Berliner Familienberater Peter Thiel. "Wenn es diese Männer gibt", sagt er, "muss es auch ein Hilfsangebot für sie geben." Thiel will das erste Männerhaus in Deutschland gründen. Ein Konzept dafür hat er schon eingereicht. Beim Bundesfamilienministerium fand die Idee Unterstützung, bislang hat sich jedoch das Land Berlin wegen der katastrophalen Haushaltslage geweigert, sich an den Kosten zu beteiligen. "Wir bleiben trotzdem am Männerhaus dran", sagt Thiel.
Ein Thema, das sich für Streit eignet. Viele Männer fühlen sich mit der Diskussion um häusliche Gewalt von Frauen in ihren frauenfeindlichen Ressentiments bestätigt. Nicht wenige Frauen wiederum sehen sich mit der Forderung nach einem Männerhaus in die Defensive gedrängt. Dennoch: Einen antifeministischen Diskurs will Peter Thiel nicht führen. "Es geht nicht darum, Männer generell als Opfer zu stilisieren", betont er. "Wir wollen nur die Einseitigkeit aufheben, die bislang beim Thema Gewalt herrscht. Es ist eben nicht so, dass immer nur Frauen die Opfer sind." Auch die herrschenden Rollenklischees sind nach Thiels Ansicht ein Problem: "Männer, die zu Hause geschlagen werden, werden in der Gesellschaft immer noch als Witzfiguren belächelt." Nicht selten trifft sie unverhohlene Schadenfreude.
Klaus K. war keine Witzfigur. Er hat seine Frau nach Aussage seiner Verwandten geliebt, sie gar "vergöttert". Auf dem Hochzeitsfoto von 1960 sieht die Ehe der K.s tatsächlich aus wie ein schönes Glück. Er mit einer kühnen Tolle im Haar, sie in einem weißen Kleid mit bauschendem Petticoat. Das mit den Schlägen ist Klaus K. erst viel später widerfahren. Da waren die beiden Kinder bereits erwachsen, da war seine Frau schon einmal durchgebrannt mit einem hübschen Italiener, und da war sie längst wieder zurückgekehrt zu ihm. Im Jahr 2000 hat Klaus K. ihr ein Auto gekauft. Er hat ihr Pralinen geklaut. Er hat sich nicht gewehrt, wenn sie ihn geschlagen hat. Es hat nichts genutzt. Die Fallen zwischen zwei Menschen waren gestellt, die Gruben gegraben. Je mehr Klaus K. ertrug, desto drastischer wurden die Verletzungen.
"Das ganze Leben hat man sich nichts zuschulden kommen lassen, und jetzt wachsen einem die Probleme über den Kopf", erzählte Klaus K. einmal Polizisten, die ihn wegen eines Ladendiebstahls verhörten. Die Zuversicht ließ sich nicht aufrechterhalten, für einen Ausstieg aus der Ehe fehlte Klaus K. die Entschlossenheit.
Oft, sagen die Anwohner, stand Herr K. stundenlang verloren auf dem Gehsteig und schaute in die Luft. Eine seltsam fahle Erschöpfung. Immer wieder, sagen die Nachbarn, hätten sie versucht, ihm zu helfen. Sie haben geklingelt, wenn es wieder laut wurde in der Wohnung nebenan. Sie haben Herrn K. angesprochen im Treppenhaus. Aber K. war keiner, der private Angelegenheiten nach draußen trug. Er verteidigte seine Frau. "Er sagte, sie sei psychisch krank und habe Angst vor anderen Menschen", sagt ein Nachbar.
Jetzt ist Klaus K. tot. In einem Brief, den die Polizei in der Wohnung gefunden hat, schreibt seine Frau: "Ich kann ohne meinen Klaus nicht leben. Trotz seiner vielen Fehler." Das Berliner Landgericht hat Gisela K. zu neun Jahren Gefängnis verurteilt. Ihre Unfähigkeit, zu lieben, und eine zunehmende Sprachlosigkeit seien durch mehr und mehr körperliche Gewalt ausgeglichen worden, formuliert es die Richterin in der Urteilsbegründung. Die Grenze war erst mit dem Tod erreicht.
KIRSTEN KÜPPERS, 31, arbeitet als freie Journalistin und Gerichtsreporterin in Berlin
taz Magazin Nr. 7126 vom 9.8.2003, Seite I-II, 419 Zeilen (TAZ-Bericht), KIRSTEN KÜPPERS
Misshandelnde Frauen
betr.: "Er hielt einfach still" (Reportage über häusliche Gewalt), taz vom 9. 8. 03
Es ist überaus dankenswert, mit welcher Behutsamkeit Kirsten Küppers das heftig debattierte Thema der häuslichen Gewalt aufgreift und ihre LeserInnen aus der heißen Luft der Skandalierung einer vermeintlich rein männlichen Gewaltform zu einer Anteilnahme an der traurigen Geschichte eines misshandelten Ehemanns an- und geleitet, die einfühlsam genug ist, um letztlich auch seine ihn misshandelnde und ihn schließlich tötende Gattin zu umfassen. Genau damit wirkt sie nämlich der perfiden Eigendynamik entgegen, die der Mythos der "männlichen Gewalt" in Politik und Gesellschaft noch immer entfaltet. Dies ist der Prozess der Immunisierung gegen realistische Sichtweisen und effektive Strategien der Gewaltprävention. In ihm werden, wie der Mainzer Kriminologe Michael Bock (in Der Bürger im Staat, Heft 1, 2003) beschreibt, die geschlechtsspezifischen Befunde aus dem Hellfeld von Propagatoren und Multiplikatoren medienwirksam dramaturgisch zur stetigen Auffrischung des Mythos verarbeitet. […]
So entstehen Bekenntnis- und Handlungszwänge auf der einen Seite und Schweigespiralen auf der anderen. Erstere tun sich etwa darin kund, dass die Exjustizministerin Däubler-Gmelin, die für das laut Bock von einem empirisch nicht haltbaren Feindbild "Mann" ausgehende Gewaltschutzgesetz hauptverantwortlich zeichnet, unbelehrbar die Horrorzahlen des Hellfeldes daherbetet, wenn sie auf das Thema zu sprechen kommt. Sie wirken, wenn Präventionspreise wie diejenigen des Innenministeriums von Baden-Württemberg 2001 ausgelobt werden, mit denen man die Kommunen mit den meisten "roten Karten" für gewalttätige Ehemänner belohnt. Und sie stehen im Hintergrund einer entsprechenden Aufrüstung der Curricula für Sozialberufe, der polizeilichen Dienstanweisungen und der Fortbildungsveranstaltungen und Tagungen. Auf dass Polizisten, Ärzte und FreundInnen sehen und tun, was sie sehen und tun sollen, immer nachhaltiger gewappnet gegen die lästigen Tatsachen, die die Dunkelfeldforschung zutage gefördert hat. UWE BRAUNER, Tübingen
Die Redaktion behält sich Abdruck und Kürzen von LeserInnenbriefen vor.
Die erscheinenden Briefe geben nicht unbedingt die Meinung der taz wieder.
taz Nr. 7137 vom 22.8.2003, Seite 13, 38 Zeilen (LeserInnenbrief)
Sohn entlastet prügelnde Mutter
Im Prozess gegen eine 63-jährige Hausfrau, die ihren Ehemann mit Bügeleisen und Fleischklopfer zu Tode geprügelt haben soll, hat ihr Sohn als Zeuge den Mordvorwurf entkräften wollen. "Ich glaube nicht, dass sie ihn mutwillig umbringen wollte", sagte der 41-jährige Hausmeister gestern vor dem Landgericht. Der Vater trage eine Mitschuld, weil er seiner Frau nie Einhalt geboten habe. Die Angeklagte hat zum Tatvorwurf vor Gericht bisher geschwiegen. Nach dem Tod ihres Mannes kurz vor Weihnachten in der gemeinsamen Schöneberger Wohnung hatte sie behauptet, ihr Mann habe sich die Verletzungen selbst zugefügt. Nach Aussagen des Sohnes hat die Mutter in ihrem Streben nach Ordnung und Sauberkeit auch ihn und seine Schwester früher ungerecht hart gestraft. Selbst im Winter hätten sie für eine vom Spielen schmutzige Hose stundenlang auf dem Balkon stehen müssen. " DPA
taz Berlin lokal Nr. 7107 vom 18.7.2003, Seite 24, 31 Zeilen (TAZ-Bericht)
maennerrat.de: Wer da glaubt, dass es in Berlin jährlich nur einen Fall gibt, wo Frauen ihre Männer misshandeln, der muss schon von allen guten Geistern verlassen sein. Dass, so wie hier, der Mann von seiner Frau totgeschlagen wird, dürfte sicher eher selten sein. Andererseits kann man mutmaßen, dass Männer die angeblich durch einen Unfall im Haushalt um das Leben gekommen sind, wesentlich häufiger von ihren Frauen vom Leben zum Tode befördert wurden als umgekehrt, da im umgekehrten Fall die untersuchende Kriminalpolizei auf Grund der herrschenden Geschlechterstereotype Mann-Täter, Frau-Opfer einen Mord oder Tötung vermuten dürften, wenn die tote Person weiblich ist.
Tötung auf Verlangen
Im Streit um Wandfarbe hat eine 50-jährige Hamburgerin ihren Ehemann erstochen. Die Polizei berichtete am Mittwoch, das Paar habe sich bei der Renovierung seiner gemeinsamen Wohnung nicht über die Farbe einigen können. Aus der Auseinandersetzung um die Farbe habe sich ein heftiger Streit entwickelt. Der Mann holte ein 20 Zentimeter langes Messer und forderte seine Ehefrau auf, ihn zu töten. Die Frau stach ihrem Ehemann daraufhin direkt ins Herz.
http://www.n-tv.de/3168205.html
08/2003
Dokumentation zu der Tagung vom 18.11.2002
der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege (FHVR), Fachbereich 3 – Polizeivollzugsdienst und Landespolizeischule Berlin:
"Gewalt gegen Männer im häuslichen Bereich
- ein vernachlässigtes Problem !?"
Als Word-Datei, 116 Seiten, 713 KB
zu bestellen unter info@maennerrat.de
"Gewalt gegen Männer im häuslichen Bereich
- ein vernachlässigtes Problem ! ?"
Tagungsreflexionen
Ungefähr 200 Teilnehmer/innen waren am 18.11.02 zur Veranstaltung in die Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege in Berlin anwesend. Davon ca. die Hälfte Stundenten der Fachhochschule und der Polizeischule. Anwesend auch Vertreter von Medien.
Während des Vortrages von Professor Bock war von einer Dame im Saal dauerndes Lachen zu hören. Wie sich später herausstellte, war die Dame die Opferschutzbeauftragte einer Berliner Polizeidirektion, die wohl auf diese Weise ihre Meinung zum Vortrag von Professor Bock zum Ausdruck brachte.
Es geht auch anders, doch so geht es auch, wie es so schön in Brechts Dreigroschenoper heißt.
Bock machte treffender Weise auf die Mythenbildung zum Thema Häusliche Gewalt (Täter-Männer, Frauen-Opfer) und wies auf Erkenntnisse der Dunkelfeldforschung hin, nach denen Gewalt zwischen Frauen und Männern in Partnerschaften annähernd gleich verteilt ist.
Nach der Pause hielt Frau Professor Kavemann ihren Vortrag. Sie machte darauf aufmerksam, dass die flott gehandelten Sprüche, wie "Jede dritte Frau ist von häuslicher Gewalt betroffen" unseriös sind. Bleibt zu hoffen, dass dies noch die ehemalige Bundesfamilienministerin Bergmann erreicht, die in ihrer Amtszeit mit solchen unseriösen Sprüchen Politik gemacht hat.
Die Gleichverteilung von Gewalt im Bereich der schweren Gewalt zweifelte Frau Prof. Kavemann an, wenngleich sie immerhin zugab, dass doch wohl eine erhebliche Anzahl von Männern, Opfer weiblicher Gewalt würden.
Glücklicherweise kamen beide ReferentInnen weitestgehend ohne Polarisierungen aus.
Herr Knabe Leiter der Polizeidirektion 7 brachte danach noch einige aktuelle Zahlen: Vom 1.1.02 bis Anfang 11/02 gab es im Bereich seiner Direktion 1756 registrierte Fälle häuslicher Gewalt. Dabei wurden 111 Wohnungsverweisungen mit 25 Kontaktverboten ausgesprochen.
In der Diskussion meldete sich einer der männlichen Studenten zu Wort und sagte, dass er sich gerade mit seinen Kommilitonen unterhalten hat und sie keinen Fall in ihrem Bekanntenkreis wüssten, wo Männer gegenüber ihren Partnerinnen gewalttätig geworden wären. Sie selbst haben aber schon von Partnerinnen Gewalt wie Anspucken und Kratzen erlebt.
Frau Prof. Sticher-Gil moderierte die Veranstaltung. Ihr Schlusswort war im Sinne konstruktiver Kooperation statt Polarisation in der Gewaltdebatte.
Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege (FHVR),
Fachbereich 3 - Polizeivollzugsdienst
und
Landespolizeischule Berlin (LPS)
"Gewalt gegen Männer im häuslichen Bereich
- ein vernachlässigtes Problem ! ?"
am 18.11.2002
in der Aula der FHVR,
Alt-Friedrichsfelde 60, 10315 Berlin
9.15 Begrüßung durch Prof. Heinz Jankowiak
(Leiter der Landespolizeischule)
9.20 "Von der Familienstreitigkeit zur Häuslichen Gewalt" -
ein kurzer Abriss der Auseinandersetzung in der
Berliner Polizei mit innerfamilialer Gewalt"
(Prof. Dr. Birgitta Sticher-Gil, FHVR, FB 3)
9.35 Einführende Erläuterung des Gewaltschutzgesetzes
(Prof. Dr. Michael Matzke, FHVR, FB 3)
9.50 Gewalt gegen Männer - ein vernachlässigtes Problem!
- 10.40 (Prof. Dr. Dr. Michael Bock, Universität Mainz,
Fachbereich Rechts- und Wirtschaftswissenschaften)
10.40
- 11.00 Pause
11.00 Gewalt gegen Männer - ein vernachlässigtes Problem?
- 11.50 (Prof. Dr. Barbara Kavemann, Wissenschaftliche Begleitung Interventionsprojekte gegen häusliche Gewalt;
Universität Osnabrück Projekt WiBIG; Büro Berlin)
11.50 Diskussion der Vorträge
Fragen und Stellungnahmen aus dem Publikum
(Moderation Prof. Dr. Birgitta Sticher-Gil)
13.00 Ende der Veranstaltung
"Gewalttätige Frauen in Partnerschaften - eine Bestandsaufnahme"
Diplomarbeit
von Maren Herbold
Fachhochschule Hildesheim /Holzminden / Göttingen
Fachbereich Sozialpädagogik
31.07.2002
"Frauen als Täterinnen häuslicher Gewalt. Eine Literaturrecherche."
Julia Bettermann in:
"Sozialmagazin 6/2002, S. 16-26
Jutta Bettermann evaluiert zur Zeit das "Stalking-Projekt" der Polizei Bremen
Das Kapitel zum Thema häusliche Gewalt gegen Männer aus einem der letzten Bücher des international führenden Männerrechtlers Warren Farrell ist inzwischen online: http://www.ejfi.org/dv-3.htm
Zum Thema auch www.dvmen.org
1/2002
ITALIEN: JEDER DRITTE EHEMANN OPFER HÄUSLICHER GEWALT - JOURNALISTIN: NA UND?
In Italien machte eine aktuelle Studie unter anderem darauf aufmerksam, dass jeder dritte Mann bereits Opfer von Gewalt in der Partnerschaft wurde.
Christine Radmayr kann sich in den "Oberösterreichischen Nachrichten" vom 28. Januar 2002 unter http://www.oon.at/nachrichten/suche.asp?id=258338
nur darüber amüsieren:
"Die Welt der traditionellen Rollenverteilung steht nicht mehr lange. Wenn man der aktuellen italienischen Studie mit dem bezeichnenden Namen `Help me´ glauben will, dann werden die Frauen aufmüpfig, ja gewalttätig. Sie weigern sich zu kochen und die Wohnung aufzuräumen. Fast jeder Dritte der befragten Ehemänner von 2500 Paaren gab an, geohrfeigt oder gebissen worden zu sein.
38 Prozent fühlen sich regelrecht gedemütigt, in 15 Prozent ist der Finanzchef daheim die Frau. Meine Damen, wo bleibt die gute Kinderstube?
Kaum einer der Männer traut sich, seine Demütigung aber öffentlich zuzugeben. Vielleicht versteckt sich ja auch in Österreich schon hinter mancher Stammtischrunde ein `Club der anonymen Geschlagenen´. Was sind denn das für Frauen, die so `gewalttätig´ gegenüber ihren Herren und Gebietern auftreten? Sie sind so um die 40 Jahre alt, haben einen guten Beruf und verdienen häufig besser als die Männer. Kurz: Sie sind ihren Männern in diversen Bereichen überlegen. `Help me´ ist genau die richtige Studie für alle Männerseelen, die immer schon gewusst haben, dass die Gleichberechtigung der Frau in die Anarchie im Haus führen muss. Wer Macht wittert, der kann sie ausnutzen. Mein Mitgefühl für die gequälten Ehemänner hält sich in Grenzen. Denn in vieler Herren Länder der Welt können immer noch die Frauen ein Klagelied von Machtmissbrauch singen. Und da geht es nicht ums Bügeln oder Kochen, sondern ums Überleben. Eine neue Studie aus der Türkei gibt an, dass beinahe jede fünfte Frau vom Ehemann schon vergewaltigt worden ist oder/und hin und wieder mit Waffen bedroht wird. Von Demütigungen, die afghanischen Frauen in die Seele geschrieben sind, ganz zu schweigen."
Christine Radmayr
Posteingang 2.2.2002
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Gewalt gegen Männer in heterosexuellen Beziehungen – Ein gesellschaftliches Tabu
D i p l o m a r b e i t
am Fachbereich Sozialwesen
an der Hochschule Zittau/Görlitz
(FH) – University Of Applied Sciences
vorgelegt von: Yvonne Peer
Erstgutachterin: Prof. Dr. phil. Ulrike Gräßel
Zweitgutachter: Prof. Dr. habil. Rolf Wirsing
Görlitz, den 23.5.2001
Inhaltsverzeichnis
Einleitung......................................................................................................................5
1 Begriffsklärungen 9
1.1 Heterosexuelle Paarbeziehung 9
1.2 Gewalt 10
1.2.1 Strukturelle Gewalt 12
1.2.2 Personale Gewalt 12
1.2.2.1 Physische Gewalt 13
1.2.2.2 Psychische Gewalt 13
1.2.2.3 Sexuelle Gewalt 14
1.2.3 Ursachen von Gewalt in Paarbeziehungen 15
1.2.3.1 Gewalt als gelerntes soziales Verhalten 15
1.2.3.2 Streß als Ursache von Gewaltverhalten 16
1.2.3.3 Ungleiche Machtverhältnisse 17
1.2.3.4 Soziostrukturelle Faktoren 17
1.2.4 Der zu Gewalt führende Handlungsablauf 18
1.2.4.1 Konflikt 18
1.2.4.2 Eskalation des Konflikts 19
1.2.4.3 Gewaltanwendung 20
1.2.5 Die Situation nach der Gewaltanwendung 20
1.2.5.1 Bewältigungsstrategien 21
1.2.5.1.1 Ziehen von Konsequenzen 21
1.2.5.1.2 Normalisierende Bewältigungsstrategien 21
1.2.5.2 Geschlechtsunterschiede bei der Bewältigung von Gewalt 22
1.3 Tabu 23
2 Die Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern 26
2.1 Die geschlechtsspezifische Erziehung und Sozialisation von Jungen und Mädchen 26
2.1.1 Erziehung 27
2.1.2 Sozialisation 29
2.1.3 Der Begriff „gender“ 31
2.1.4 Unterscheidung zwischen Jungen und Mädchen 33
2.1.4.1 Entwicklung der Geschlechtsidentität von Jungen und Mädchen 35
2.1.4.2 Die Förderung der Geschlechterrollen durch das Spiel 37
2.1.4.3 Die Situation von Jungen und Mädchen im Kindergarten 38
2.1.4.4 Die Ungleichbehandlung von Jungen und Mädchen in der Schule 39
2.1.4.5 Sozialisation von Jungen zu aggressivem Verhalten 40
2.1.4.6 Erfahrungen mit Peers 42
2.2 Die Geschlechterrollen aus Sicht der heutigen Gesellschaft 43
2.2.1 Was ist weiblich, was ist männlich? 44
2.2.2 Chancenungleichheit auf dem Arbeitsmarkt 45
2.2.3 Sexualität 47
2.2.4 Das männliche Dilemma 48
2.2.4.1 Die sechs großen Problemgebiete 49
2.2.4.2 Verdrängungsstrategien und Rationalisierungen 50
2.2.4.3 Das Bild der Männlichkeitsmaschine 51
2.3 Der Wandel der Geschlechterverhältnisse 52
2.3.1 Die Macht der Männer gerät ins Wanken 52
2.3.2 Neue Rollen 54
2.3.3 Die Verschiebung männlicher Werte 55
3 Opfer von Gewalt 57
3.1 Die Frau als Opfer 57
3.1.1 Zunehmende Ächtung von Gewalt gegen Frauen 57
3.1.2 Die Erziehung zum Opfer 58
3.2 Der Mann als Opfer 59
3.2.1 Sanktionen im Mittelalter 59
3.2.2 Weibliche Übergriffe auf Männer in unserer Gesellschaft 60
4 Die Täter 63
4.1 Der Mann als Täter 63
4.1.1 Gewalttätigkeit als Bestandteil der männlichen Rolle 63
4.1.2 Verantwortlichkeit der Geschlechtshormone für Aggressivität 64
4.2 Die Frau als Täterin 65
4.2.1 Ignorieren der weiblichen Täterschaft 66
4.2.2 Die Macht der Frauen 67
5 Der Mann als Opfer weiblicher Gewalt : Ein Paradox 70
5.1 Die Blockade männliche Opfer wahrzunehmen 70
5.1.1 Das Ignorieren von männlichen Opfern 71
5.1.2 Blockaden in helfenden Berufen 73
5.1.3 Die Ablehnung durch die Frauenbewegung 74
5.2 Wo bleibt die Solidarität mit den männlichen Opfern? 76
Fazit .......... 78
Literaturverzeichnis 83
Anlagen...... 87
"Zornige Frauen, wütende Männer. Wie das Geschlecht unser Aggressionsverhalten beeinflusst."
Anne Campbell, Psychologin und Kriminologin, veröffentlicht im Fischer Taschenbuch Verlag, 1995, 253 Seiten
Zitat: "In den Kapiteln 6 und 7 untersuche ich zwei Bereiche der Gewalt: Raub, eine überwältigend männliche Aktivität, und häusliche Gewalt, die bei Männern und Frauen gleich häufig vorkommt."
"1980 wurden dann die schockierenden Ergebnisse der ersten nationalen Umfrage (USA) über häusliche Gewalt veröffentlicht. ... Noch bemerkenswerter war, daß Frauen und Männer ungefähr die gleiche Zahl von Aggressionsakten gegen ihren Partner eingestanden. ... Allein was die Akte schwerwiegender Gewalt angeht, waren 3,8 Prozent der Frauen und 4,6 Prozent der Männer Opfer von Hieben, Tritten, Schlägen mit einem Gegenstand oder Angriffen mit einem Messer oder einer Schusswaffe. ..."
Frau stach zu
"Mehrere Schnitt- und Stichverletzungen fügte gestern gegen 1 Uhr eine
28-Jährige ihrem 36-Jährigen Ehemann in der gemeinsamen Wohnung in der Torstraße
in Mitte zu. Zuvor hatten sich die beiden Mosambikaner heftig gestritten. Der Mann
ist inzwischen außer Lebensgefahr, die Frau wurde festgenommen."
Berliner Morgenpost, 15.2.00
"KONTRASTE": BRILLANTER BEITRAG BRINGT GEWALT GEGEN MÄNNER INS
HAUPTABENDPROGRAMM
Im März 2000, also vor über zwei Jahren, hatte ich mit einem Artikel in der Zeitschrift "Novo" zum ersten Mal in den nicht-akademischen deutschen Medien das Tabu der hohen Rate von ihren Frauen geprügelter Männer gebrochen. Die Resonanz war anfangs gleich Null, später fand sie höchstens vereinzelt im Internet statt. Erst vor einigen Wochen konnte vor allem durch das von Peter Thiel in Berlin geplante Männerhaus eine breitere Aufmerksamkeit der Medien hergestellt werden. Am Donnerstag, den 11. April 2002, erreichte das Thema schließlich unzählige deutsche Wohnzimmer zur Abendessenzeit.
Fundiert recherchiert und seriös aufbereitet, wurden die zentralen Informationen für den Zuschauer sehr geschickt zusammengestellt und verdichtet: von Interviews mit Opfern über die Veranstaltung der evangelischen Akademie in Tutzing und Expertenaussagen von Professor Bock bis zur fatalen Inszenierung der gewalttätigen Frau als cool; in diversen Werbeclips. Dass auch die Täterinnen Hilfe bräuchten, ein in der bisherigen Debatte des öfteren übersehener Aspekt, erwähnte "Kontraste"-Chefin Lidschreiber bereits in ihrer Anmoderation. Selbst die Beziehungskomplexität, die in Partnerschaften überhaupt erst zu solchen Eskalationen führt, wurde angerissen. Offenbar da man in acht Minuten selbst beim besten Willen nicht auf jeden Seitenpfad gehen kann, blieben in der Recherchephase noch angedachte Dinge wie die einseitige Propaganda des Frauenministeriums und die auf männliche Opfer nicht eingerichteten Beratungsstellen notwendigerweise ebenso außen vor, wie dass männliche Gewaltopfer vor staatlichen Instanzen oft ein zweites Mal zum Opfer werden.
Zu solchen vertiefenden Erörterungen ist immer noch Zeit, nachdem der Öffentlichkeit überhaupt erst einmal klar geworden ist, dass die klassischen Nudelholzwitze als Spontanreaktion auf Berichte über geprügelte Männer ebenso in die Irre führen wie sture Ungläubigkeit. Sinnvoll war es unter diesen Umständen sicherlich auch, die Diskussion über die tatsächliche Häufigkeitsverteilung zwischen den Geschlechtern zunächst mal beiseite zu lassen.
Nach der Sendung konnte in einem Chat weiterdebattiert werden. Dort meldeten sich schätzungsweise ein Dutzend (?) weiterer männlicher Opfer zu Wort - und erstaunlicherweise auch zwei Frauen, die zu ihren Schlägen als Reaktion auf hartnäckige Provokation bzw. "jahrelange Unterdrückung" standen.
Bleibt zu wünschen, dass die Diskussion auf der mit diesem "Kontraste"-Beitrag neu erreichten Ebene weiterläuft und nach und nach auch andere bislang öffentlich tabuisierte Themen der Männerbewegung (z. B. sexuelle Gewalt durch Frauen) auf den Bildschirmen landen.
"POLYLUX" VOM THEMA HÄUSLICHE GEWALT ÜBERFORDERT
Wenige Tage vor der "Kontraste"-Sendung hatte sich das ARD-Magazin mit demselben Thema etwas überfordert gezeigt: Zwar versuchten ihre Macher, auf geprügelte Männer aufmerksam zu machen, konnten sich diesem Tabu aber nicht annähern, ohne sich gleichzeitig durch verschiedene Strategien (am auffälligsten: Ironisierung) davon zu distanzieren. Insofern durfte zwar einerseits der Familientherapeut Peter Thiel ausführen, dass männliche Opfer ihre Gewalterfahrungen oft selbst ins Lächerliche zögen und auf seine Nachfrage keinen Grund dafür angeben können. Andererseits wurden in An- und Abmoderation sowie Voice-Over starke Ironiesignale gesetzt ("unser Reporter drehte diesen Beitrag unter dem Einsatz seines Lebens", "wieviele tickende Zeitbomben verbergen sich wohl hinter diesen hübschen Gesichtern?"), statt auf ernste Fälle wurde auf schein-symbolische Skurrilitäten Bezug genommen (in Dresden soll eine Frau ihren Partner mit der "Cosmopolitan" zur Gehirnerschütterung geprügelt haben) und Peter-Thiel wurde mit einer Bügeleisen-Bola von einer Frau durch den Park gejagt, was das Voice-Over als "alltäglicher Horror wie dieser" schilderte. Man hat bei dieser Sendung als Zuschauer ein wenig den Eindruck, überspannte Ironie als Stilmittel sei für ihre Macher dermaßen unerlässlich geworden, dass sie vermutlich selbst über Themen wie sexuellen Missbrauch kaum anders sprechen würden. Den Aufnahmen von Selbsthilfegruppen männlicher Gewaltopfer schließlich ließ die "Polylux"-Redaktion einen Ausschnitt aus dem Kinofilm "Magnolia" nachfolgen, in dem Tom Cruise "Zähmt die Fotze!" in die Menge ruft. Professor Bock, der ebenfalls als Gesprächspartner eingeladen war, das Gespräch aber aus terminlichen Gründen nicht wahrnehmen konnte, zeigte sich über die unseriöse Art der Darstellung ebenso entsetzt wie andere Experten bei diesem Thema.
Erst im Nachhinein wurde bekannt, dass die "Polylux"-Moderatorin Tita von Hardenberg schon zuvor mit reichlich wirren Äußerungen zum Thema häuslicher Gewalt gegen Männer aufgefallen war:
http://www.zeit.de/2002/09/Leben/print_200209_lebenshilfe_tita.html
Professor Bock: "Unter diesem Gesichtspunkt wundert mich der unangemessene Stil der Sendung nicht."
Arne Hoffmann
Kommentar Männerrat: Der Betrachtung von Arne Hoffmann zum Polylux Beitrag können wir nur zustimmen. Allerdings ist das Thema aufgrund eines doppelten Tabus 1. Frauen als Täterinnen 2. Männer als Opfer weiblicher Gewalt, wahrscheinlich noch immer so angstbesetzt , dass es ohne solche Ironie wie die von Tita von Hardenberg offenbar nicht geht.
Man darf allerdings nicht vergessen, dass "Polylux" ein sogenanntes Lifestyle-Magazin, da darf man naturgemäß nicht so viel Tiefgang wie von einer Kontrastesendung erwarten.
12.04.2002
Dissertation zum Thema: Gewalt gegen Männer in heterosexuellen Intimpartnerschaften.
Gemünden, Jürgen (1996), Tectum-Verlag, Marburg, Dissertation Universität Mainz.
DOKTORARBEIT BOT SCHON 1996 MASSIG INFOS ZU HÄUSLICHER GEWALT GEGEN MÄNNER
Ich habe Jürgen Gemündens an der Uni Mainz erstellte soziologische Doktorarbeit "Gewalt gegen Männer in heterosexuellen Intimpartnerschaften" bewusst als Buchvorstellung statt als Buchtipp deklariert, weil sie als akademische Arbeit für den Durchschnittsleser vermutlich nur begrenzten Lesegenuss bietet. Auch ich habe etliche Seiten lediglich quergelesen, wenn es allzu wissenschaftstheoretisch wurde.
Nichtsdestoweniger muss hervorgehoben werden, dass Jürgen Gemünden das Thema "männliche Opfer von häuslicher Gewalt" in dieser Arbeit bereits in seiner vollen Bedeutung erfasst hat, als die meisten von uns, ich eingeschlossen, es noch für ein auf wenige Einzelfälle beschränktes Kuriosum hielten. Leider bedeutet eine Publikation in einem wissenschaftlichen Buchverlag wie Tectum oft eine Veröffentlichung außerhalb der Öffentlichkeit.
Gemündens Arbeit umfasst 300 Seiten und ist sehr dicht mit bedeutsamen Informationen gespickt. Wenn hier und da einige Zusammenhänge und Folgen noch nicht gesehen werden, dann liegt das einzig und allein daran, dass vor fünf Jahren die entsprechenden Informationen einfach noch nicht existierten.
Jedenfalls findet man in dieser Arbeit sehr viel Material, davon auch einiges, das mir selbst bislang unbekannt war. Gemünden skizziert den bisherigen Ablauf der Debatte um häusliche Gewalt insbesondere gegen Männer, erläutert die Hintergründe und wägt die verschiedenen ins Felde geführten Argumente sorgsam gegeneinander ab. Zumindest als Autor dieser Arbeit ist er ganz klar kein maskulistischer Aktivist, sondern ein Wissenschaftler, der sich erfolgreich alle Mühe gibt, diesem Problemfeld in seiner Komplexität gerecht zu werden.
Für die INVISIBLE MEN indes halte ich es für angemessen, nicht Gemündens Arbeit an sich zu analysieren, sondern jene Ergebnisse herauszugreifen, die ich für unser Thema als besonders aufschlussreich erachte. Zugegebenermaßen kann man hier eine gewisse Willkür vorwerfen. Wer sich davor schützen möchte, muss sich die Arbeit eben doch im Original besorgen.
Hier also einige von Gemündens Ergebnissen:
- "In Bezug auf das Geschlecht kann festgehalten werden, daß als Gewalt definierbare Aktionen von Männern und Frauen ungefähr genauso häufig begangen werden bzw. Männern und Frauen zustoßen, während Strategien des Ziehens von Konsequenzen deutlich häufiger von Frauen angewandt werden:
Frauen geben durchschnittlich etwa sechsmal häufiger an, daß die Gewalttätigkeiten ihres Partners Grund für die Scheidung waren, sie verständigen sechs- bis siebenmal häufiger die Polizei, wenn es zu Gewalttätigkeiten in der Partnerschaft gekommen ist, sie erstatten zehn- bis zwanzigmal häufiger Strafanzeige gegen den Partner, als dies Männer tun.
Ferner sind sie im wesentlichen die einzigen, die wegen Gewalttätigkeiten in der Partnerschaft Beratungszentren aufsuchen oder wegen ihrer erlittenen Verletzungen medizinische Notfallzentren aufsuchen und sich dort als Misshandlungsopfer zu erkennen geben." Männer erstatten meist erst dann Anzeige, wenn sie sich während eines Angriffs in unmittelbarer Lebensgefahr befinden.
- Beispielsweise riefen einer Untersuchung zufolge 8,5 Prozent der misshandelten Frauen, aber nur 0,9 Prozent der misshandelten Männer die Polizei. Diese Prozentverteilung deckt sich mit den tatsächlichen Statistiken der bei Dienststellen eingehenden Notrufe: Zwei Drittel bis neun Zehntel sind von Frauen. Der Grund dafür scheint hauptsächlich darin zu liegen, dass das Verständigen der Polizei für Frauen die erfolgsversprechendere Strategie ist, weil die Opferrolle für Frauen sozial anerkannt ist. Das zeigen auch die Ergebnisse einer Untersuchung über Polizeinotrufe in Bayern: "Diese fanden, dass die Polizisten damit Schwierigkeiten haben, Frauen als Täter einzustufen, weil dies nicht ihrer Vorstellung von einem `richtigen Täter´ und einem `richtigen Opfer´ eines Familienstreits entspricht; sie sehen auch eher dann keine Notwendigkeit zum Eingreifen, wenn der Täter eine Frau war". Inszenierte Fälle von Frauenmisshandlung würden demzufolge von Polizisten weit eher geglaubt, während Männern, die sich wegen Misshandlungen an die Polizei wenden, eher kein Glaube geschenkt wird.
- Ministerin Bergmanns Vorschläge, geprügelte Männer bräuchten keine staatliche Hilfe, da sie doch eine Eheberatung in Anspruch nehmen und im Ernstfall bei Freunden Unterschlupf finden können, sind (natürlich) hanebüchen. Erfahrungsgemäß ist die Hilfsbereitschaft des sozialen Umfelds begrenzt - unter anderem wird von diesem erwartet, dass das Opfer die angebotenen Ratschläge befolgt. Kehrt ein geschlagener Partner aber kontinuierlich in die unglückliche Beziehung zurück, entweder um sie zu retten oder weil er aus verschiedenen Gründen kaum eine andere Wahl sieht, zeigt sich der beispielsweise der Freundeskreis als Auffanglager bald erschöpft. Aus eben diesem Grund wurden Frauenhäuser eingerichtet.
- Wenn man den Begriff häusliche Gewalt weiter fasst als Gewalt in der Partnerschaft, kommt das Bild vom Mann als Haupttäter ebenso ins Schwanken. Beispielsweise gibt es Untersuchungsergebnisse, dass Gewalt unter Geschwistern eher von Mädchen ausgeht, in reinen Mädchenfamilien am häufigsten und in reinen Jungenfamilien am seltensten ist. "Nicht-triviale" Gewalt gegen Eltern wird leicht überwiegend von zehn- bis siebzehnjährigen Mädchen statt von Jungen in derselben Altersgruppe ausgeübt. Dass Gewalt gegen Kinder häufiger von Müttern als von Vätern ausgeht, mag niemanden überraschen; schließlich sind Mütter diejenigen, die hauptsächlich mit der Kindererziehung betreut sind. Auffällig ist aber dennoch, dass insbesondere schwere Gewalt wesentlich häufiger von Frauen ausgeht: So verprügeln Mütter ihre Kinder durchschnittlich 7,2mal pro Jahr, während Väter dies einmal pro Jahr tun. Hier stelle sich allerdings die Frage, ob diese Aufrechnerei überhaupt sinnvoll ist, da sich Gewalt in familialen Subbeziehungen gegenseitig bedinge und man zum Verstehen ihrer Ursachen keine Form isoliert betrachten könne. So haben Gemünden zufolge die meisten Menschen, die von ihren Partnern schwer misshandelt werden, auch zu dieser Situation beigetragen. Dies gilt für männliche wie für weibliche Opfer gleichermaßen.
- Eine Untersuchung über sexuellen Druck oder Zwang ("sexual pressure") legt interessanterweise nahe, dass dieser bei Liebespaaren eher von Frauen und bei Verheirateten eher von Männern ausgeht. "In jedem Falle können diese Ergebnisse dahingehend gedeutet werden, dass Männer nicht viel seltener vom weiblichen Partner zum Geschlechtsverkehr gedrängt werden als Frauen von männlichen Partnern. Zu diesem Aspekt ist weitere Forschung nötig und es darf hier nicht zu einer Tabuisierung und zu einem Verharren der Rollenstereotype zu sexuellem Verhalten kommen, wonach die Männer aktiv und immer bereit sind, während sich die Frauen eher passiv-verweigernd verhalten, weswegen die Forschung von vornherein auf Frauen beschränkt war."
Verschiedene US-amerikanische Untersuchungen der letzten Jahre stützen mittlerweile Gemündens Haltung.
- Forscher, die häusliche Gewalt gegen Männer als Thema benannten und ihre Untersuchungsergebnisse dazu präsentierten, wurden durch die radikalfeministische Fraktion dermaßen unter Druck gesetzt (Morddrohungen etc.), dass sie in späteren Veröffentlichungen abmildernde Ergebnisse behaupteten, die durch ihre Studien selbst nicht gedeckt sind. Beispielsweise trügen Frauen diesen Abmilderungen zufolge die schwereren Verletzungen davon und schlügen selbst häufiger allein zur Selbstverteidigung zu. Gemünden: "Diese Darlegungen lassen sich nur unzureichend aus den Ergebnissen der Arbeit ableiten, wurden teilweise nur unzureichend begründet und stehen teilweise sogar in Widerspruch zu den Befunden ihrer Arbeit, so daß der Schluss naheliegt, daß Straus et. al. diese Relativierungen zur Beschwichtigung feministisch orientierter Kritiker in die Arbeit aufgenommen haben."
- Was mir bislang vollkommen unbekannt war: Dass männliche Opfer häuslicher Gewalt vergleichsweise häufig wie weibliche Opfer sind, ging tatsächlich schon einmal auch durch die deutsche Presse, nämlich als vor mehr als zwanzig Jahren die ersten Erkenntnisse auf diesem Gebiet veröffentlicht wurden. So titelte die BILD am 31.1.1978: "Brutal! Deutsche Frauen schlagen ihre Männer" und die Münchener Abendzeitung oder die Frankfurter Allgemeine berichteten ebenfalls darüber. Nur: Es geschah nichts. Anders als bei weiblichen Opfern verschwand das Thema einfach von der Bildfläche, ohne dass es zur Errichtung von Zufluchtsorten, speziellen Notrufdiensten oder Beratungszentren kam. Gemünden sieht dafür vorrangig zwei Gründe: Das Thema Gewalt gegen Männer werde von der Frauenbewegung tabuisiert, und es gebe keine eigene gesellschaftliche Gruppierung, die diesen Misstand bearbeite oder anprangere. Daraus lässt sich für die Gegenwart die Schlussfolgerung ziehen, dass eine bloße Informierung der Öffentlichkeit, wie sie ja durch Professor Bock und Co. schon geschieht, langfristig bei weitem nicht ausreichend ist, sondern dass tatsächlich eine Art Männerbewegung nötig zu sein scheint, damit unsere Gesellschaft sich endlich um männliche Opfer kümmert.
- Gemünden problematisiert auch quasi vorwegnehmend folgenden in den letzten INVISIBLE MEN angesprochenen Vorstoß unserer Justizministerin, die gefordert haben soll: "Wenn der Täter oder die Täterin zwar heimtückisch, aber aus einer ungewöhnlichen Notlage heraus handelt, soll auch eine mildere Strafe als lebenslänglich möglich sein. Dies beträfe etwa Ehefrauen, die aus Verzweiflung ihre sie terrorisierenden Männer ermorden. Hier sei Gemünden zufolge die Grenze zur Lynchjustiz schwer zu ziehen. "Gewährte man den Frauen ein Recht, außerhalb der Notwehrsituation zu töten, mit welchem Recht wollte man ein solches Sonderrecht einem Schüler gegenüber einem brutalen Mitschüler, einem Beschäftigten gegenüber einem brutalen Arbeitskollegen, einem Kind gegenüber seinen brutalen Eltern verwehren? Das eigentliche Problem besteht nicht in einem männlichen Prinzip, sondern in der größeren Intensität mancher sozialer Beziehungen, die mit den Kategorien des Strafrechts nur schwer fassbar sind." Gemünden weist indes auch darauf hin, dass heute bereits nach § 35 StGB ("entschuldigter Notstand") unter Rückgriff auf eine Entscheidung des Reichsgerichts aus dem Jahre 1926 die Tötung eines `schlafenden Haustyrannen´ straflos bleiben kann und dass Frauen, die in einer emotionalen Ausnahmesituation infolge schwerer Misshandlung getötet haben, nach den §§ 20 und 21 StGB auf einen Ausschluss oder wenigstens eine Verminderung ihrer Tatschuld hoffen dürfen.
- Nicht unerwähnt bleiben soll, dass sich Gemünden bereits auf Seite 2 seiner Arbeit gegen eine Überdramatisierung des Problems häuslicher Gewalt wendet, wie sie ja von den Ministerinnen Bergmann und Däubler-Gmelin (im Blick auf weibliche Opfer) sowie aktuell von RTL (mit Blick auf männliche Opfer) geleistet und von Zeitschriften wie NOVO ausdrücklich kritisiert wird. Gemünden zufolge ist es zwar wichtig, dieses Thema an die Öffentlichkeit zu bringen, "aber es ist ebenso wichtig, sich vor Übertreibungen zu hüten, da eine dramatisierende Sichtweise und allzu leichtfertige Eingriffe in die Privatsphäre der Menschen geeignet sind, die sozialen Beziehungen in empfindlichem Maße zu stören und vielen Schaden zuzufügen, um wenigen zu helfen. Manchmal hat man den Eindruck, dass viele Helfer das ethische Problem eines Eingriffs in die grundgesetzlich geschützte Privatsphäre und den Antagonismus zwischen notwendiger Hilfe und staatlichem Interventionismus nicht wahrnehmen."
Arne Hoffmann, 26.8.01
Wenn Frauen schlagen. Ein altbekanntes Thema.
Danke an Wolfram für die Informationen zu einem 25 Jahre alten Spiegel Artikel.
maennerrat.de 15.08.03
aus: "Die Frauen schlagen zurück"; Titelthema des 'Spiegel' 27/1978, S. 136
- 144, von Redakteurin Ariane Barth[?]:
(...)
"'Unsere Forschungen zeigen,' resümierte Soziologie-Professor Straus die jüngsten Befunde, "daß Gewalttätigkeit von Frauen gegen ihre Ehemänner fast genauso häufig vorkommt wie Gewalt von Männern gegen die Frauen.'
Der Prügelknabe Mann, das unbekannte Wesen, erregte sogleich auch die Gemüter in der Bundesrepublik. 'Geprügelte Ehemänner, ein ernstes soziales Problem?' wunderte sich die FAZ. Doch Alice Schwarzer wiegelte ab: 'Ein Ablenkungsmanöver, um die allmählich peinlich werdende Gewalt der schlagenden Männer zu relativieren.'
(...)
Im Kieler Sozialamt, das gerade 12500 Mark Starthilfe zu einem Haus für geschlagene Frauen zuschoß, lief der Witz um, demnächst stehe die Eröffnung eines Männerhauses an.
Das Bonner Familienministerium bestellte bei der Washingtoner Botschaft die amerikanischen Materialien: 'Mal sehen', meinte die Referentin für Frauenfragen, Elisabeth Haines, 'ob da was dran ist oder ob das nur eine aufgebauschte Randerscheinung ist, wobei dann allerdings ihre Beachtung das eigentliche Politikum wäre.'
'Verständlich ist die Beachtung schon.'
(...)
'De facto aber ist der Mann seit geraumer Zeit öffentlich angeklagt als Monster, als Urheber von Frauenleid wie eh und je: In allen Medien, auf allen Kanälen zeigten weibliche Opfer, zumeist anonym, ihre gebrochenen Knochen und geschwollenen Gesichter, ihre ausgekugelten Arme und eingeschlagenen Zähne vor.
So schreiend ist die Not, daß sich allenthalben Zufluchtstätten auftaten. '
(...)
'Zwischen den Geschlechtern eskaliert die Gewalt. Diese Einschätzung, formuliert von dem amerikanischen Soziologen-Trio Straus, Gelles und Steinmetz, die als führend in der Erforschung von 'Violence in the Family' gelten, teilen auch westdeutsche Wissenschaftler.'
(...)
Zu hoch ist der Lügenanteil in der Demoskopie des Ehekrachs.
Bei der bislang ersten Repräsentativ-Befragung in den Vereinigten Staaten gaben 28% von 2143 Paaren zu, sie wären im zurückliegenden Jahr mindestens einmal in eine physische Auseinandersetzung verstrickt gewesen. Neun Attacken pro Jahr entsprachen dem statistischen Durchschnitt aller Befragten (...).
'Überraschend für manche', so meint Straus, sei das Ergebnis, daß die Aggression zwischen Mann und Frau keineswegs dem gesellschaftlichen Vorurteil folgt, wonach Gewalttätigkeiten typisch männlich, aber unfeminin seien. Die Wirklichkeit erwies sich dagegen als recht ausgewogen, die Geschlechter zeigten sich in der Kraftmeierei einander ebenbürtig.
12,1 % der befragten Männer und 11,6 % der Frauen waren in der
Zweierbeziehung handgreiflich geworden:
mit Dingen warfen
2,8 % der Männer und 5,2 % der Frauen;
geschubst und gestoßen, gezerrt und gepackt wurde der Partner von
10,7 % der Männer und 8,3 % der Frauen;
Ohrfeigen gaben
5,1 % der Männer und 4,6 % der Frauen;
Fußtritte, Bisse oder Faustschläge verteilten
2,4 % der Männer und 3,1 % der Frauen;
mit Gegenständen kämpften
2,2 % der Männer und 3 % der Frauen;
schwer durchgeprügelt wurde der Partner von
1,1 % der Männer und 0,6 % der Frauen;
mit einer Schußwaffe oder einem Messer hatten
0,4 % der Männer und 0,6 % der Frauen
gedroht;
geschossen oder zugestoßen hatten
0,3 % der Männer und 0,2 % der Frauen.
Das allerdings könne bei weitem nicht alles gewesen sein, was so geschah, meint Straus unter Hinweis auf die hohe Schamschwelle bei derlei Umfragen.
Er schätzt, daß seine Kollegin Steinmetz durch ihre Studie der Wirklichkeit nähergekommen sei: Als sie 57 Familien (...) durchleuchtete, fand sie einen erstaunlich hohen Anteil von Paaren, bei denen Gewalt im Umgang eine Rolle spielte: 60%.
Gleichberechtigung herrschte auch in der Steinmetz-Gruppe: Zwar schubsten und stießen etwas mehr Männer ihre Frauen herum; auch richteten sie, wenn sie zuschlugen, durch ihre größere Kraft mehr Schaden an. Aber beim Prügeln wußten ebenso viele Frauen trotz körperlicher Unterlegenheit gegen die Bulligkeit ihrer Partner anzugehen (...).
Beim schieren Ausmaß der Aggression fand auch Suzanne Steinmetz keinen geschlechtsspezifischen Unterschied.
Arm dran ist der mißhandelte Mann auch, weil der dem gesellschaftlichen Männlichkeitsideal nicht entspricht und deshalb zum Schweigen verurteilt ist
(...).
Dieses Handicap sahen auch die deutschen Wissenschaftler. 'Das
Eingeständnis, von einer Frau geschlagen worden zu sein, ist noch stärker tabuisiert als das Eingeständnis, sexuell nicht funktioniert zu haben',sagt der Berliner Soziologe Claessens. Und der Kieler Bevölkerungsforscher Hans W. Jürgens würde sich 'nicht trauen, das von der Meinungsforschung fragen zu lassen, weil das so ein ehrenrühriger Punkt ist'.
(...)
Der Soziologe Straus stellte fest, daß physische Brutalität dort verbreitet ist, wo auch viel verbale Verletzungen vorkommen, und daß die körperliche Aggression um so heftiger ausbricht, je härter die Worte treffen.
Vor allem Frauen rissen ihr Lästermaul auf, bevor es ihnen "gestopft" wurde, wie es im Volksmund heißt. So fand Gewaltforscher Gelles häufig im Vorfeld des Prügelkrieges Nörgeln und Keifen einer Frau über etwas, das zu tun ihr Mann sich weigerte, oder aber Angriffe auf bestimmte Charakterzüge, Körpermerkmale oder Verhaltensweisen. Auch Flüche und Schimpfwörter (deren Gebrauch in der Bundesrepublik offenkundig zunimmt) waren mitunter Auslöser der Tätlichkeit."
"Wenn im Geschlechterkrieg die Frau zuschlägt, dann schlägt sie, so ermittelten die Amerikaner, besonders häufig den Gentleman, der eine hohe Hemmschwelle hat, eine Frau zu schlagen."