Minderwertigkeitsgefühl
Minderwertigkeitskomplex
Minderwertigkeitsgefühle resultieren aus einer tiefen Erfahrung des "nichts wert sein" des "nicht wertgeschätzt Werdens".
Dieses Grundgefühl der Minderwertigkeit oder im günstigen Fall des "Wertseins" bekommt man in der Kindheit vermittelt. In der Regel also im wesentlichen durch die Mutter oder den Vater. Verhalten sich beide dem Kind (Junge oder Mädchen) gegenüber distanziert oder sogar feindlich, oder ist, was häufig vorkommt der Vater abwesend, wird das Kind das Gefühl eigener Minderwertigkeit haben "Ich bin es nicht wert geliebt zu werden, Aufmerksamkeit zu bekommen.". Kinder können sich verschiedener Methoden bedienen, um die emotional lebensnotwendige Zuwendung oder Surrogate dafür zu bekommen. Kleine Jungen fallen durch Aggressivität auf, Mädchen klammern oder werden weinerlich. Im Jugendalter werden Jungen häufig deliquent, trinken exzessiv Alkohol; Mädchen magersüchtig oder esssüchtig. Nun kümmert man sich um sie oder in der Esssucht, füttern sie sich selber. Diese Ersatzbefriedigungen befriedigen letztlich nicht, denn sie stellen keine wirkliche Zuwendung dar, die wir als Menschen benötigen.
Im Erwachsenenalter setzt sich dies häufig fort. Junge Männer gehen in die Politik oder zum Militär, belibten beliebten Profilierungsfeldern von Männern mit starken Minderwertigkeitsgefühlen. Junge Frauen beschliessen Model oder Schauspielerin zu werden, um auf dem Laufsteg oder der Bühne die Aufmerksamkeit zu bekommen, derer sie so ermangeln. So lange Potenzsymbole wie äusserliche Schönheit, Erfolg, Karriere, Waffen, Geld und Macht zur Verfügung stehen, stellt der Mann oder die Frau darüber seinen Selbstwert und Kontakt her.
Bricht dann die Karriere oder der Erfolg ab, zieht der geschlagene Soldat nach Hause (Vietnam) und dass ist in der Politik, der Kriegs- und Showbranche eher die Regel als die Ausnahme, bricht die Krise aus. Flucht in Alkohol und Drogen, Suizidversuch oder Suizid folgt oft. Flucht ist der Versuch, dem als unerträglich empfundenen Leiden an mangelnder Liebe und Selbstliebe, zu entkommen.
Die Lösung liegt hier in der Aufnahme wirklichen Kontakts zu anderen Männern und Frauen. Dies bereitet Angst, Angst abgelehnt zu werden, zurückgewiesen zu werden und reaktiviert damit eine alte und tiefe Angst aus der Kinderzeit, als die eigenen Eltern nicht in der Lage waren, die Bedürfnisse des Kindes zu erfüllen.
Doch es gibt keine Lösung des aktuellen Konflikts, ohne sich auch in Gefahr der Ablehnung durch andere zu begeben. Kontaktaufnahme ist "das einfache, dass schwer zu machen ist." Das Problem dabei ist, dass ein Mann mit Minderwertigkeitsgefühlen meist emotional-körperlich blockiert ist, so dass der Versuch einer Kontaktaufnahme aufgrund seiner Selbstblockierung in der Regel scheitern wird.
Eine Möglichkeit das Risiko der ungefilterten Ablehnung zu minimieren, kann darin bestehen, neue Erfahrungen im geschützten Rahmen einer Selbsterfahrungs- oder Therapiegruppe zu machen.
"Die phallische Präsidentschaft"
Lloyd deMause
in: "Zeitschrift für Politische Psychologie"
1998, Nr. 1, S. 103-106
deMause zählt die Präsidenten der USA George Washington, Andrew Jackson, James Buchanan, Stephen Grover Cleveland, Woodrow Wilson, Warren Harding, Franklin Delano Roosevelt, Dwight D. Eisenhower; John F. Kennedy, Lyndon B. Johnson, George Bush und Bill Clinton als Ehebrecher, hartnäckige Schürzenjäger, Väter unehelicher Kinder, notorische Freier und Sexsüchtige auf.
Bill Clinton wurde schon während seiner Kandidatur als sexabhängig verdächtigt. Seine Mutter verließ ihn nach der Geburt für zwei Jahre, sein Vater soll ein gewalttätiger Alkoholiker gewesen sein.
"Mich hat während der Recherchen nach Belegmaterial über Clintons Sexualabhängigkeit besonders berührt, wie die fortgesetzte Demütigung seiner Frau seine unbewußte Wut auf seine Mutter auszudrücken und jenen Verrat immer von Neuem zu inszenieren scheint, als den er seine frühkindliche Verlassenheit nach ihrem Weggang erlebt haben muß - außer daß in seinen Affären nun er der Verratende ist und seine Frau die Hintergangene. Klinische Studien an Sexualabhängigen haben gezeigt, daß diese nicht einfach ,ihre Triebe ausleben‘, sondern mit der immer wiederholten Eroberung von Frauen vielmehr Gefühle von tiefer Verzweiflung angesichts ihrer Verlassenheit seitens der Mutter, von Ohnmacht und von Selbst-Fragmentierung niederkämpfen (Carnes 1992). Unsere Aufgabe ist, dies zu verstehen und empathisches Mitgefühl für die frühen Traumatisierungen aufzubringen, die zwanghafte Sexjäger wie John F. Kennedy oder Clinton erlitten haben, und dabei ebenso für Monica Lewmsky, die mit 16 von ihrem Lehrer verführt wurde. Daß so viele amerikansche Männer Witze mögen, die eine nur spärlich verschleierte Bewunderung für Clintons Eroberungen zum Ausdruck bringen, zeigt auf, wie scheinbar ,dysfunktional‘ ihre Psyche arbeitet: Während die Aktienmärkte zu neuen Gipfelpunkten rasen, entsteht möglicherweise ein Bedürfnis, Clinton als neuen Sündenbock zu opfern, der stellvertretend den psychischen Preis für die allgemeine Prosperität zahlen soll.
Nun mutet ja die Vorstellung zunächst befremdlich an, daß Nationen ihre Führer gerade aufgrund ihre persönlichen Dysfunktionen wählen. Gewiß, heißt es gern, andere Nationen zu anderen Zeiten wählen oft Führer wie Hitler oder Saddam aus, die ernste emotionale Probleme haben, die selbstmörderische Kriege vom Zaun brechen, die damit enden, die Nation Millionen von Toten zu kosten. Aber ,,wir doch nicht!“ Und doch haben die Amerikaner Kennedy dank seiner den ,Falken‘ zuneigenden, zum Kalten Krieg passenden Persönlichkeit zum Präsidenten gewählt, um ein Beispiel herauszugreifen, und hätten wenig überrascht sein dürfen, als er sie in die Schweinebucht-Invasion führte und mit dem Kuba-Embargo sogar das Risiko einging, Millionen Amerikaner durch russische Raketen verbrennen zu lassen; er sagte dazu: ,,Wenn Chruschtschov mich mit der Nase in den Dreck drücken will, ist alles aus.“ (dazu ausführlich Giglio 1991, Reeves 1993, Sorensen 1969). Gerade bei Kennedy lag eine enge emotionale Verknüpfung vor zwischen seiner Sexualabhängigkeit einerseits, die die unausgesetzte Eroberung von Geliebten und Prostituierten erforderte, und seinem ebenso zwanghaften politischen Dominanzstreben im Zeichen des Kalten Krieges andererseits.
Wie politische Kollektive ihre Führungspersönlichkeiten für ihre sexuellen und aggressiven Phantasien als Container benutzen, ist die Wurzel für eine Vielzahl politischer Probleme (s. deMause 1987, 1989)."