Muttersohn
Muttersöhne

Madonna degli Alberetti
Giovanni Bellini (Madonna mit dem Bäumchen) um 1487
"Der Sohn hingegen scheint mir eher dazu auserkoren, das ideale Selbst der Mutter stellvertretend für sie zu leben.
Er, dem der Zugang zu der Welt, auf die die Mutter verzichten mußte, möglich ist, soll verwirklichen, was ihr verwehrt war, und es ihr ermöglichen, über den Weg der projektiven Identifikation an seinen Triumph teilzuhaben."
Claudia Heyne in: "Täterinnen. Offene und versteckte Aggressionen von Frauen.", Kreuz Verlag Zürich 1993
Die Mutter-Sohn-Beziehung scheint von einzigartiger Qualität zu sein. Der Muttersohn ist der Inbegriff des muttergebundenen unabgelösten Sohnes. Von Muttertöchtern spricht man selten, ebenso von Vatertöchtern und Vatersöhnen, wenn gleich es diese auch gibt. Dass dies so ist, scheint auf eine Qualität hinzuweisen, die wir bei den anderen Elternteil-Kind-Beziehungen nicht in dieser Weise vorfinden. Während sich die Muttertochter vor der Emanzipationsbewegung der Frauen an einen männlichen Gewalttäter binden musste, um ihrem Bedürfnis nach Zerstörung und symbolischen Ablösung von der Mutter ein Ventil zu schaffen, stünde heutigen Muttertöchtern auch dank der Erfolge der Frauenbewegung prinzipiell der Weg zur Macht offen. Doch diesen nutzen sie nicht, da sie sonst ihre Mutter verraten würden. Sie dürfen nicht besser als ihre Mutter sein. Muttertöchter sind daher bevorzugt Hausfrauen, Waldorfmütter und farblose Gattinnen von männlichen Politikern, die vor Frauen Angst haben.
Bei der Vatertochter ist es anders. Die Vatertochter leidet eher an den zu hohen verinnerlichten Ansprüchen ihres Vaters, Erfolg haben zu müssen. Die Vatertochter will sich aber auch von ihrem Vater emanzipieren, deshalb kämpft sie symbolisch einen Kampf gegen "die Männer". Die Vatertochter ist daher häufig Feministin, wobei wir damit nicht jene einfältigen Frauen meinen, die mangels eigener Ideen (und damit das Klischee von der dummen Frau befördernd) gedankenlos das nachplappern, was ihnen andere kompetentere Frauen vorgekaut haben. Vatertöchter finden wir im großen Maße bei den Grünen.
Der Muttersohn ist der umgangssprachliche Begriff für einen männlichen Jugendlichen oder Mann, der von seiner Mutter übermäßig abhängig ist. Gleichzeitig existiert in der Regel nur eine schwache Vater-Sohn-Bindung, mitunter ist sie überhaupt nicht vorhanden. Der Muttersohn schafft die spätestens in der Adoleszenz von der Mutter anstehende Ablösung nicht. Dies kann verschiedene Folgen haben. Muttersöhne können einen eher depressive Typus haben, aber Muttersöhne können auch gewalttätig sein.
Als Muttersohn bezeichnet zu werden, ist für männliche Jugendliche und Männer in der Regel eine schwere Beleidigung. Nicht desto trotz gibt es Zehntausende von Muttersöhnen mit den dazugehörigen Müttern.Paradoxerweise sind Machos auch Muttersöhne. Mit ihrem Machogebaren wollen sie sich ihrer unsicheren männlichen Identität versichern, sie versuchen demonstrativ die Abgrenzung zur Mutter herzustellen. In Loriots Filmkomödie "Ödipussi" finden wir eine relativ harmlose Variante des Muttersohns. Das ist der häusliche Muttersohntyp. Er lebt noch mit Dreißig im Haushalt seiner Mutter. Später zieht er möglicherweise in eine eigene Wohnung, telefoniert aber viel mit Mutti oder sie mit ihm. Wenn Mutti stirbt, fällt der Muttersohn in ein tiefes Loch.
Die gefährlicheren Muttersöhne sind die, die ihre Muttergebundenheit gewalttätig ausagieren. ">In inniger Liebe hing er an seiner Mutter, jede ihrer Bewegungen beobachtend, um rasch ihr kleine Hilfeleistungen angedeihen lassen zu können. Sein sonst traurig in die Ferne blickendes Auge hellte sich auf, wenn die Mutter sich schmerzfrei fühlte.<. Am 23. Dezember 1907, einen Tag vor Heiligabend, läßt Hitler seine Mutter auf dem Friedhof in Leonding neben seinem Vater bestatten. Bloch erinnert sich: >Ich habe in meiner beinahe 40jährigen ärztlichen Tätigkeit nie einen jungen Menschen so schmerzgebrochen und leiderfüllt gesehen, wie es der junge Adolf Hitler gewesen ist.<" (aus "Adolf Hitler", von Werner Maser, Bechtle-Verlag 1971).
Muttersöhne sind bei Frauen häufig sehr beliebt. Hitler wurde z.B. von vielen Frauen abgöttisch verehrt. Pilgrim ("Muttersöhne", 1991) stellt dafür die These auf, dass muttergebundene Frauen sich unbewußt vom Muttersohn Rettung versprechen. Der Muttersohn mit seiner Neigung zur Gewalt, soll stellvertretend für sie agieren. Pilgrim ist der erste in Deutschland, der die Muttersohnproblematik schon so deutlich thematisiert hat. Allerdings greift Pilgrim in seiner ansonsten beeindruckenden Analyse zu kurz, wenn er meint, den Frauen letztlich für die Muttersohnproblematik Absolution erteilen zu müssen, da sie in der patriachalen Welt quasi nicht anders könnten. Wenn man so herangeht, dann trägt überhaupt niemand mehr Verantwortung, weil ja jede/r, ob Mann oder Frau einfach nur das Opfer der Umstände ist.
Nicht erst seit Adolf Hitler, den viele Frauen anhimmelten, leiden Menschen unter dem Herrschafts- und Machtbedürfnis von Muttersöhnen. Wenngleich auch die Zerstörungswut der Muttersöhne seit dem Zusammenbruch des NS-Reiches in demokratische Bahnen kanalisiert ist, die Energie ist nicht verloren. Ist gerade kein Krieg vorhanden, sucht der Muttersohn sich andere Felder, um der erlebten Vaterlosigkeit und seiner unaufgelösten Mutterbindung zu entsprechen. In den demokratischen politischen Parteien aller Couleur finden wir nicht wenige Exemplare der Gattung Muttersohn.
"Die Männer baun Monumente zu ihrem ewigen Ruhm" singt Ulla Meinecke. Korrekterweise müsste es heißen, "Die Männer baun Monumente für ihre Mütter". Das kann man bei Muttersöhnen schon am Ostseestrand beobachten, wenn die lieben Kleinen eine Kleckerburg bauen, um sie dann stolz ihrer Mama zu zeigen. Was für den kleinen Jungen noch gesund ist, ist bei Männern neurotisch. Muttersöhne sind kleine Jungen in der körperlichen Hülle eines erwachsenen Mannes.
Den wenigsten Muttersöhnen ist es allerdings "vergönnt" Hunderte Meter hohe Wolkenkratzer zu bauen, und noch weniger Muttersöhnen gelingt es, diese dann im "Krieg der Muttersöhne" mit Hilfe von entführten und selbstgesteuerten Passagierflugzeugen zu zerstören. Die meisten Muttersöhne müssen sich mit weit profaneren Dingen zufrieden geben.
Die Muttersohnproblematik ist eines der politisch bedeutsamsten Themen der Gegenwart. Der Streit um Dosenpfand und Tempolimit auf Autobahnen ist dagegen völlig zweitrangig, wobei sich gerade Muttersöhne, egal ob Schwarz oder Grün gerne mit solchen zweitrangigen Fragen beschäftigen und sich gegenseitig den Ping-Pong-Ball hin- und herschießen. Die Muttersöhne sind so beschäftig, das Publikum (auch das weibliche) schaut gebannt auf die Ping-Pong-spielenden Muttersöhne. Die Muttersöhne, egal ob "konservativ" oder "progressiv" erfahren narzisstische Bestätigung und die kollektive Ablenkung funktioniert.
Die Muttersohnproblematik, die eine ungelöste Beziehungsdynamik zwischen einer Frau (der Mutter und einem Mann (ihrem Sohn) ist, lebt von der Vereinnahmung des Sohnes durch die Mutter. Der Sohn erhält den Platz, den die Mutter psychologisch gesehen eigentlich einem männlichen Partner, dem Vater des Sohnes, einräumen müsste. Der Sohn fühlt sich narzisstisch geschmeichelt, dass ihn die Mutter an die Stelle des Vaters setzt, gleichzeitig ist er von dieser Rolle überfordert, da er das Kind der Mutter ist und nicht ihr Mann oder gar Geliebter. So lebt der Sohn und heranwachsende Mann in der ständigen Spannung, Rivale des Vaters zu sein oder in Rivalität zu Vaterfiguren zu stehen. Auf dem anderen Pol weiß er, dass er den Anforderungen der Mutter nicht gewachsen ist, er rebelliert innerlich gegen die subtile Herrschaft der Mutter oder er resigniert und identifiziert sich mit der mütterlichen Aggression. Daraus erwächst der latente Frauenhass, den Muttersöhne trotz ihrer erheblichen Angepaßtheit an die Wünsche der Mutter (oder stellvertretend von Frauen) haben. Gleichzeitig entwickelt der Muttersohn auch einen Männerhass, denn "der Vater" hat es zugelassen, dass er an seine Stelle bei der Mutter getreten ist. Der Vater ist schwach, dafür verachtet ihn der Muttersohn.
Der Muttersohn wünscht die Symbiose, die ihm seiner Mutter auch immer wieder anbietet. Er will am liebsten wieder zurück in den Uterus der Mutter, deshalb werden Muttersöhne auch gerne Gynäkologe, da können sie das tun, was ihnen bei der eigenen Mutter auf Grund des Inzesttabus häufig verwehrt bleibt.
Der Muttersohn leidet an seiner Unabgegrenztheit. Durch die narzisstische Zufuhr, die er von seiner Mutter bekommen hat oder noch immer bekommt, hat er das Gefühl für die Realität verloren. Daraus resultierend ist der Muttersohn aber für gleichberechtigte Beziehungen zu anderen Männern oder Frauen nicht in der Lage. Die Bedürfnisse anderer kann er nicht wahrnehmen, geschweige denn diese in angemessener Weise respektieren.
In den wichtigsten Führungspositionen, in den Parteien, den Gewerkschaften, den oberen Konzernetagen, aber auch in niedrigeren Hierarchierängen finden wir die Muttersöhne. Sie rangeln mit anderen Muttersöhnen um Einfluß und Macht, wobei es letztlich darum geht, der Mutter zu zeigen, dass sie ihrer würdig sind.
In der heterosexuellen Partnerschaft setzt der Muttersohn dass vor, was ihn schon an seinem eigenem Vater genervt hat. Unterwürfigkeit und latente Aggression gegen die Frau. Der Muttersohn sieht seine Frau in der Rolle der Mutter. Deswegen hat der Muttersohn auch häufig Potenzprobleme, da er psychologisch gesehen, Inzest mit seiner Partnerin, der virtuellen Mutter, betreibt.
Muttersohn II
Wer kennt ihn nicht, den sprichwörtlichen Muttersohn. Die Welt steckt voller Muttersöhne. Doch sind nicht unbedingt nur die Muttersöhne, denen man es gleich ansieht. Nein, auch der Macho und auch die meisten männlichen Gewalttäter sind Muttersöhne.
Der Muttersohn ist unabgegrenzt. Da ihm seine Mutter fast jeden Wunsch (mitunter auch den inzestuösen) von den Lippen abgelesen hat, kennt der Muttersohn keine Grenzen. Der Muttersohn hasst seinen Vater, der entweder real nicht da war oder am Rand der Familie stand, neben der eigentlichen Hauptachse Mutter-Sohn. Da der Muttersohn seinen Vater hasst, hasst er auch alle anderen Männer, da sie stellvertretend für den Vater stehen. Da der Muttersohn den Vater hasst, hasst er auch sich selbst, denn er ist ein Mann. Frau kann er nicht sein. Auch in der transsexuellen Orientierung wird er nicht Frau, sondern bleibt er ein Mann.
Muttersöhne, auch wenn sie sich sonst wie autonom und machohaft gebärden, sind in der Bindung zu ihrer Mutter verstrickte Männer. Die notwenige Ablösung wurde ihnen von der Mutter nicht erlaubt und aus eigener Kraft haben sie die Ablösung bisher nicht vollzogen. Und da sie spüren, dass sie Muttersöhne sind, setzen sie nach außen alles in Szene, um nicht erkannt zu werden. Sei es dass sie massiv frauenfeindlich auftreten oder, im anderen Extrem "Frauenversteher" pur sind. Der Frauenversteher ist dabei im innersten seines Herzens ein Frauenfeind, nur ist er emotional so abhängig von seiner das Weibliche repräsentierenden Mutter, dass er zu allem was Frauen sagen oder auch nur sagen könnten, ja und amen sagt. So kommt es zu dem Paradox, dass der Frauenversteher, auch männerfeindlich ist, er achtet sich selbst nicht, er verachtet seine Männlichkeit und die der anderen Männer. Frauenversteher finden wir häufig bei männlichen Politikern, die "immer" ein "offenes" Ohr für Frauen haben, ihnen aber in Wirklichkeit nicht richtig zuhören.
Muttersohn III
Frankfurt/Main - Der Flugzeugentführer von Frankfurt ist ein liebeskrankes Muttersöhnchen.
Franz-Stephan Strambach, 31, hielt am Sonntag die Main-Metropole in Angst. Er hatte mit einer Schreckschusspistole einen Motorsegler gekapert und drohte sich in das Hochhaus der Europäischen Zentralbank zu stürzen. Sein irrer Grund: "Ich will auf die tote Astronautin Judith Resnik aufmerksam machen. Ich liebe sie, seit ich 14 bin." Nach drei Stunden Tiefflug gab er endlich auf.
Sonntag hielt der Amok-Flieger Frankfurt in Atem entführte mit vorgehaltener Pistole den Motorsegler vom Typ "Super Dimona" (u.r.)
Wer ist der irre Amok-Pilot? Er stammt aus Darmstadt, studiert dort seit acht Jahren Psychologie, spielt gerne Schach. Mit 18 machte er den Flugschein für einmotorige Maschinen (die Lizenz ist seit zwei Jahren erloschen). Im Internet hatte er eine Fan-Seite über Judith Resnik (starb 1986 beim Absturz der US-Raumfähre Challenger).
Auffällig: die extreme Beziehung zu seiner Mutter Ruth. Er lebt mit der 73-Jährigen in einer Drei-Zimmer-Wohnung zusammen. Sein Fluglehrer: "Zu den Übungsflügen brachte er immer seine Mutter mit, klammerte sich an sie." Bei den Nachbarn gilt sie als "verschroben", der Sohn sei "unauffällig und nett".
Die Mutter zu der Tat: "Ich bin schuld. Ich habe ihm immer alle Schwierigkeiten aus dem Weg geräumt." So habe er nie schlechte Menschen kennen lernen können.
Warum der Amok-Flug? Der Kriminologe Prof. Rudolf Egg: "Es sind Größenfantasien. Möglichweise fühlte er sich zu wenig beachtet." Frankfurts Polizeichef Harald Weiss-Bollandt: "Er hat offenbar Realitätsverlust und hochgradige psychische Störungen."
Gestern Nachmittag wurde Strambachs Vernehmung abgebrochen - wegen Übermüdung. Er soll vorübergehend in die Psychiatrie. Ihm drohen 15 Jahre Haft.
http://bz.berlin1.de/aktuell/news/030107/flieger.html
Muttersohn IV
Leonardo hat Depressionen
Los Angeles - Titanic-Star Leonardo DiCaprio, 28, ist depressiv. Schuld daran ist das Ende seiner Affäre mit dem brasilianischem Top-Model Gisèle Bündchen (8 Mio Euro Jahresverdienst) vor sechs Monaten. DiCaprio zur Zeitschrift "die aktuelle": "Gisèle war die große Liebe für mich. Aber wir waren beide zu jung." Er greife immer noch jeden Morgen in seinem Himmelbett nach ihr - "doch da ist niemand mehr".
Trost findet der Schauspieler bei Altbewährtem - bei seiner deutschen Mutter Irmeline, 57, und Großmutter Helene, 88.
Der Hollywood-Star gesteht: "Mama und Oma sind jetzt wieder für mich da. Für sie bin ich immer noch der kleine Junge, der beschützt werden muss. Und das ist sehr heilsam für mich."
Bildunterschrift:
Leonardo mit Mutter Irmeline (l.) und Oma Helene Foto: ACTION
http://bzarchiv.berlin1.de/archiv/030104_pdf/BZ030104_036_03.htm
Muttersohn V
Wenn Mütter zu sehr lieben
oder
Die Geschichte vom traurigen Ende eines Muttersohnes.
Freitag, 16. April 2004:
Eine Mutter, die ihren Sohn mit einer Axt erschlagen und den Leichnam mit einer Kettensäge zerteilt haben soll, muss sich vor dem Essener Schwurgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die 50-jährige Frau den schlafenden 27-Jährigen in der Nacht auf den 8. Oktober 2003 ermordet hat.
http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/20/0,1872,1021108,00.html
27-jährigen Sohn mit Axt erschlagen:
Mutter vor Gericht
50-jährige Angeklagte spricht von Erinnerungslücken
Eine Mutter, die ihren Sohn mit einer Axt erschlagen und den Leichnam mit einer Kettensäge zerteilt haben soll, muss sich vor dem Essener Schwurgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die 50-jährige Frau den schlafenden 27-Jährigen in der Nacht auf den 8. Oktober 2003 in Hattingen in ihrem Wohnzimmer ermordet hat.
Zum Prozessauftakt ein halbes Jahr nach der Tat erklärte die Angeklagte, dass sie sich an die Bluttat nicht erinnern könne. Die Axt habe sie in ihrem Schlafzimmer aufbewahrt, um ihrem gewalttätigen Sohn im Notfall drohen zu können.
"Er fing an durchzudrehen."
Angeklagte kann sich nicht erinnern
Nach eigenen Angaben hatte die Angeklagte in der Tatnacht bereits im Bett gelegen, als ihr Sohn randalierend in ihrem Schlafzimmer erschien. Der 27-Jährige, der damals in derselben Wohnung lebte, habe von ihr verlangt, an einer Tankstelle Alkohol zu kaufen. Da sie sich geweigert habe, sei sie mit Fäusten und mit einem Schrubberstiel geschlagen worden. "Ich bin dann in mein Schlafzimmer gegangen und habe die Axt geholt", sagte die 50-Jährige den Richtern. Ob sie den 27-Jährigen anschließend erschlagen habe, wisse sie allerdings nicht mehr. Geschlafen habe ihr Sohn jedenfalls nicht.
Um sich der Leiche des zersägten Sohnes zu entledigen, hat die Angeklagte ihren Bruder um Hilfe gebeten. Weil der nicht zum Mittäter werden wollte, ging er zur Polizei. In der Wohnung der 50-Jährigen fanden die Ermittler die Leiche ihres Sohnes. Er war in der Mitte durchtrennt und in einem Alubehälter sowie einem Koffer verstaut. An das Zerteilen des Leichnams will sich die angeklagte Mutter, die vor ihrer Verhaftung in einem Dortmunder Bordell beschäftigt war, ebenfalls nicht erinnern können.
"Ich hatte Angst vor ihm."
Angeklagte
Sohn angeblich gewalttätig
Ihren Sohn beschrieb die 50-Jährige im Prozess als drogensüchtig und gewalttätig. Außerdem habe er unter Verfolgungswahn gelitten. Wörtlich sagte die Angeklagte im Prozess: "Er fing an durchzudrehen." Er habe überall Leute gesehen, die ihn abhören wollten. Einmal habe er sogar alle Steckdosen aus den Wänden gerissen, weil er dahinter versteckte Mikrofone vermutet habe. Bei seinen Wahnanfällen sei sie dann immer wieder verprügelt und mit dem Tode bedroht worden. Strafverteidiger Marcus Doll spricht von einem Martyrium, das die Angeklagte erlitten habe: "Es kam immer wieder zu Übergriffen. Er hat sie geschlagen, er hat sie beleidigt, er hat sie bedrängt und das am Ende täglich."
"Ich hatte Angst vor ihm", sagte die Angeklagte im Prozess. Aus diesem Grund habe sie sich auch die Axt gekauft. Die Idee, ihren Sohn umzubringen, sei ihr allerdings nie gekommen. Auch an eine Unterbringung des Mannes in der Psychiatrie habe sie nicht gedacht. Nach eigener Aussage wollte sie nicht, dass der 27-Jährige alleine sei. Das Essener Schwurgericht hat für den Mordprozess zunächst noch drei Verhandlungstage bis zum 23. April vorgesehen.
Mit Material von dpa, ZDF
Kommentar maennerrat:
Die Mutter muss einem richtig leid tun. Da hat sie der Sohn (typisch Mann) nun gewungen, dass er bei ihr wohnen kann. Und dann ist er irgendwie drogensüchtig geworden, bestimmt weil sein Vater ein ganz schlechter Mensch ist (typisch Mann wieder einmal). Sohnimatz hat dann noch Verfolgungswahr bekommen, vermutlich sah er sich von lauter bösen Männern verfolgt (das kennt man ja von diesen Kerlen, deshalb ja auch das Gewaltschutzgesetz, der Täter geht, die Geschlagene bleibt).
Eigentlich hat die Mutter nur was gutes für ihren Sohn tun wollen. Das frühzeitige Erschlagen des Sohnes hat ihn immerhin daran gehindert weiterhin drogensüchtig zu sein und unter Verfolgungswahn zu leiden. Außerdem war der Sohn garantiert Sozialhilfeempfänger und nun ist die bundesdeutsche Gemeinschaft einen unnützen Esser (Mann) los. Die freiwerdenden Mittel können nun umgeschichtet werden in die Unterstützung alleinerziehender Mütter und ihrer renitenten pubertierenden Söhne.
Muttersohn VI
Neues Frauenhaus für 1 Mio. € (Frankfurter Rundschau / Bad Homburg, 03.03.2010)
Frauenhaus Oberursel
Mut nach langem Leidensweg
Von Jürgen Streicher
Frauenhaus (Bild: dpa)
Die älteste Frau, die 2009 in der Beratungsstelle am Marktplatz bei Hildegard Calmano und Eva Beyer vorgesprochen hat, war 82 Jahre alt. Weil sie die Misshandlungen durch ihren Sohn so satt hatte. Eine andere Frau, Mutter von fünf erwachsenen Kindern, kam mit 70 zum Frauenhaus. Frauen, die ein Leben lang ihr Leiden ausgehalten haben, weil man das nicht macht, sich trennen. Und sich dann durchgerungen haben, den Rest Leben, den sie noch haben, für sich selbst zu wollen. Sie haben den Mut gefunden, den der Verein "Frauen helfen Frauen" all denen machen will, die häuslicher Gewalt ausgesetzt sind.
25 Jahre gibt es die Zuflucht
Deswegen sehen die Beraterinnen auch einen Grund zum Feiern, obwohl die Zahlen keinen Grund dafür bieten. In den 25 Jahren seit Öffnung des Frauenhauses musste es 1460 Frauen mit 1127 Kindern Schutz vor gewalttätigen Männern bieten. Viel höher ist die Zahl derer, die abgewiesen werden mussten, weil die Kapazität erschöpft ist, rund 200 Frauen waren es im vergangenen Jahr.
Die Zahl der Fälle häuslicher Gewalt ist gestiegen, das zeigt die jüngste Statistik aus dem Ministerium für Arbeit, Familie und Gesundheit. Und sie geht durch alle Schichten und Altersgruppen, der reiche Hochtaunuskreis macht da keine Ausnahme. Und doch gibt es Erfolg bei der Arbeit im Netzwerk gegen häusliche Gewalt, in dem Polizei und Ärzte eine wichtige Rolle spielen, wenn sie mit den Frauenorganisationen kooperieren. Das geänderte Bewusstsein in der Bevölkerung seit Einführung des Gewaltschutzgesetzes 2002 hat viele Fälle ans Licht gebracht, die früher noch als Kavaliersdelikt hingenommen wurden.
Jede vierte Frau zwischen 16 und 65 Jahren erfährt einmal im Leben körperliche oder sexuelle Gewalt, meist von Lebenspartnern. So die offizielle Statistik. Da mutet die Zahl von 2560 Frauen, die in 20 Jahren Beratungsstelle zum Marktplatz kamen, um Unterstützung zu finden, vergleichsweise gering an. Auch hier wächst die Zahl der Frauen, die Hilfe suchen. "Und die Problemlagen werden immer vielfältiger und machen zahlreichere, intensivere und längere Beratungen nötig", so Hildegard Calmano, eine Mitgründerin des Vereins und seitdem in der Beratungsstelle tätig.
Dass die Zahl der hilfesuchenden Frauen mit Migrationshintergrund extrem steigt, ist nur ein Aspekt bei der erschwerten Arbeit. Den 18-seitigen Antrag auf Hartz IV auszufüllen, verlangt viel, wenn Deutsch nicht die Muttersprache ist. Und die Frauen ohnehin traumatisiert in die Beratung kommen. "Es braucht länger, eine Frau nach Misshandlungen wieder auf die Füße zu bringen, die nie ein selbstbestimmtes Leben geführt hat", so Calmano.
Einen Grund zum Feiern gibt es auf jeden Fall beim Jubiläum von Frauenhaus und Beratungsstelle. Noch in diesem Jahr wird wohl mit dem Bau des neuen Frauenhauses begonnen, für das im Frauennetzwerk seit Jahren gekämpft wird. Eine Million Euro kostet das Projekt, die Hälfte finanziert der Verein durch eine Erbschaft. Je 200000 Euro tragen Stadt und Kreis bei, gebaut wird auf einem städtischen Grundstück. Eine Kapazitätserweiterung wird es nicht geben, wohl aber eine Steigerung der Wohnfläche für die maximal 21 Frauen auf das Dreifache. Bisher müssen sich Frauen ohne Kinder zu dritt oder viert ein Zimmer von 15 Quadratmetern teilen.
Erscheinungsdatum 03.03.2010 | Ausgabe: r2no
URL: http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/nachrichten/bad_homburg/?em_cnt=2375052&em_loc=1711
http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/nachrichten/bad_homburg/2375052_Frauenhaus-Oberursel-Mut-nach-langem-Leidensweg.html
Kommentar mannerrat.de
400.000 € Zuschuss durch die Stadt und den Kreis, davon können Deutschlands Projekte für gewaltbetroffene Männer nur träumen. Hier wäre man schon froh 2.000 € zu bekommen. Doch in Oberursel heißt es Klotzen und nicht kleckern, aber nur für Frauen.
Da wird dann auch eine 82-jährige Frau unterstützt, die von ihrem Sohn misshandelt wird. Man fragt sich was das eine Frau ist, die sich von ihrem eigenen Sohn misshandeln lässt. Womöglich ein rechter Muttersohn und entfremdet vom Vater.
Au weia, das tut weh.
Muttersöhnchen
Das Schleswig-Holsteinische Oberlandesgericht hatte über eine Unterhaltsklage eines 17-jährigen Jungen, der bei seiner Mutter wohnt zu befinden. Der junge Mann forderte von seinem von ihm getrenntlebenden und über 8.000 DM verdienenden Vater Unterhalt in Höhe von 1330 DM bei einem angegebenen Gesamtbedarf von 2200 DM. Das OLG wies das Ansinnen des jungen Mannes mit Recht zurück.
"Denn jeder Unterhaltsanspruch eines Kindes ist im Wesentlichen durch sein `Kindsein´ geprägt, es hat zwar einen Anspruch auf gute Lebensbedingungen, jedoch keinen Anspruch auf eine Teilhabe am Luxus."
Zum Glück ging die Sache mit diesem Richterspruch so aus, denn sonst wäre der junge Mann wohl größenwahnsinnig geworden und würde sich einbilden im Himmel ist Jahrmarkt und gebratene Tauben fliegen durch die Luft. Größenwahnsinnige Muttersöhne haben wir in Deutschland, auch auf Grund muttersohnfixierter Familienrichter weiß Gott schon genug. Dem OLG Schleswig kann da nur gedankt werden, die Dinge mal wieder vom Kopf auf die Beine gestellt zu haben.
Schleswig-Holsteinisches Oberlandesgericht, 2. Familiensenat, Urteil vom 18.5.01 - 10 UF 163/00 -
veröffentlicht in "Schleswig-Holsteinischer-Anzeiger", 12/2001, S. 286
Hänschen Klein
1. Hänschen Klein geht allein in die weite Welt hinein,
Stock und Hut stehn ihm gut,
ist ganz wohlgemut
Aber Mutter weinet sehr, hat ja nun kein Hänschen mehr.
"Wünsch Dir Glück" sagt ihr Blick, "Kehr nur bald zurück!"
2. Sieben Jahr, trüb und klar,
Hänschen in der Fremde war, da besinnt sich das Kind,
eilet heim geschwind.
Doch nun ist´s kein Hänschen mehr,
nein, ein großer Hans ist er.
Braun gebrannt Stirn und Hand. Wird er wohl erkannt?
3. Eins, zwei, drei gehen vorbei,
wissen nicht, wer das wohl sei.
Schwester spricht: "Welch Gesicht?"
Kennt den Bruder nicht.
Doch da kommt sein Mütterlein.
Schaut ihm kaum in‘s Aug hinein,
spricht sie schon: "Hans, mein Sohn!
Grüß dich Gott, mein Sohn!"
Worte und Weise: volkstümlich
Quelle: unbekannt
Während die obige Fassung eine gereifte Beziehung zwischen Mutter und Sohn wiederspiegelt, wiederspiegelt die letzte Strophe der folgenden Version neuzeitlicher Art eine typische Muttersohnproblematik wieder:
Lieb Mama, ich bin da
sagt das Hänschen, hopsasa
glaube mir, ich bleib hier
geh nicht fort von hier.
Muttersöhne
Mittwoch, den 03.04.2002, 22.15 - 23.00 Uhr, WDR Fernsehen
Ein Film von Wolfgang Minder
Redaktion: Wilfried Prill
In der "Pension Mama" ist es am schönsten, das scheint das Lebensmotto der "Jungs" zu sein. Obwohl schon alle im reifen Mannesalter, bleiben sie zu Hause und meiden die Experimente mit anderen Frauen und Lebensverhältnissen.

Der 51-jährige Bruno fühlt sich schon lange zu alt, um etwas Neues anzufangen, zumal seine 83-jährige Mutter auch "sofort die Konsequenzen ziehen würde". So bleibt der Sohn lieber zu Hause wohnen und betreibt gemeinsam mit seiner Mutter den ländlichen Spielzeugladen.

In seinem Jugendzimmer träumt Rüdiger, 38, noch viel von Schiffen und der weiten Welt. Obwohl berufstätig, ist er zufrieden in der Wohnung seiner Mutter. Sonntags machen sie ihren Spaziergang ins Grüne. Eine Freundin darf er nicht mit nach Hause bringen, das ging dann doch zu weit.

Michael, fast 40, hat schon sieben Jahre allein gelebt, jetzt hat er sich wieder für die Eltern entschieden. Mit viel Liebe richten er und die Mutter die riesige neue Wohnung ein. Während der Vater vorwiegend im Garten arbeitet, pflegen Mutter und Sohn ihre gemeinsamen Interessen.
Söhne und Mütter haben dabei durchaus unterschiedliche Motive und Erklärungen für diese Lebensform; nur eines fällt auf: Vor allem die Mütter sind durchaus zufrieden.
Links zum Thema:
"Muttersohn". Texte zum Thema zusammengestellt vom Online-Informationsdienst "maennerrat.de"
Homepage der Männerberatung Berlin (mit Infos über Online-Beratung)
"Die Rache der Muttersöhne" (Artikel des Soziologen Gerhard Amendt)
"Der verschwundene Vater. Familie im Wandel" (Artikel aus der Berliner Zeitung, 11.12.2000)
Bücher zum Thema in Auswahl:
Verena Kast: Vater-Töchter, Mutter-Söhne.
Wege zur eigenen Identität aus Vater- und Mutterkomplexen.
Kreuz Verlag 2002
ISBN: 3-7831-2123-X, Preis: 16,90 EUR
Evelyn Bassoff: Mutter und Sohn.
Eine besondere Beziehung.
Patmos Verlag 1997
ISBN: 3-491-72364-7, Preis: 9,95 EUR
Cheryl Benard, Edit Schlaffer: Mütter machen Männer.
Wie Söhne erwachsen werden.
Heyne 1996
ISBN: 3-453-09876-5, Preis: 8,95 EUR
Annette Garbrecht: Mütter und Söhne, die längste Liebe der Welt.
rororo Taschenbuch 1997
ISBN: 3-499-60179-6 (vergriffen)
Gerhard Amendt: Wie Mütter ihre Söhne sehen.
Fischer Taschenbuch 1994
ISBN: 3-596-12481-6 (vergriffen)
http://www.wdr.de/tv/menschen-hautnah/
"Junge komm bald wieder..."
Über Mütter und Söhne!
Deutschlandfunk DLF 26. 10. 01 Beginn 23.05 - 02.00
Mit Frau Vinken, Herr Koschorke, Prof. Dr. Gerhard Amendt
Wiederholung am 27. 10. 01 DRB
siehe auch unter www.dradio.de
Lange Nacht, Vorschau
"Muttersöhne"
Volker Elis Pilgrim, Reinbek, Hamburg 1991, ISBN 3-499-18240-8
In provokanten aber gut nachvollziehbaren biographischen Skizzen zu Männern wie Adolf Hitler, Josef Stalin, Napoleon, aber auch Hölderlin und Nietsche beschreibt Pilgrim die Genese von Muttersöhnen und deren Tendenz auf Grund von Muttergebundenheit und fehlender positiver Vatererfahrung leidend und gewalttätig in der Welt zu sein.
Du kannst mich ruhig Frau Hitler nennen.
Frauen als Schmuck und Tarnung der NS-Herrschaft"
Volker Elis Pilgrim, Rowohlt 1994
"Eine der auffälligsten Eigenheiten von Muttersöhnen: ihre primär sichtbare Hauptzerstörungsenergie richtet sich gegen Männer. Das Töten, wenn es von oberster Stelle industriell verzahnter Gesellschaften aus geleitet wird, trifft selbstverständlich Frauen ebenso, aber das Ursprungsbestreben gilt Männern. Das wird deutlich bei den Generaltötern wie Napoleon, Stalin, Mussolini, Mao ... Sie töteten ihre Kameraden, die Männer, die ihnen beim Aufstieg geholfen hatten, zuerst. ... Stalingrad - da machte es Hitler richtig Spaß, Hunderttausende junger Männer abzuschlachten. Jedes Schlachtenführen ist ein Hauptangriff auf Männer. Von Juden sprach Hitler prinzipiell in männlicher Form. Es war <der Jude>, den er umbringen wollte, so sehr das dann auch bedeutete Frauen und Kinder gleichermaßen mitzutreffen. doch die affektgeladene Stoßrichtung geht gegen Männer. Es ist Rache für das Nicht-männlich-geworden-Sein der Muttersöhne, für das Vorenthalten väterlich-männlicher Identifikationsvorbilder ... Und da, an der Seite der größten Männerhasser, fühlen sich Muttertöchter wohl. Sie tun es, weil auch sie unbeglichene Rechnungen mit Männern/Vätern ins Leben nehmen mussten.", S. 295
S. 190 "Das immer wieder an Muttersöhnen Beobachtete: sie <<sind>> Hausfrauen, weil sie sich kraft enger, unauflösbarer Bindung an ihre Mutter mit ihr identifiziert haben. Da Söhne aber als identifizierte Hausfrauen keine Karriere in der Männergesellschaft machen können, müssen sie, wenn sie doch dabei sein wollen, Männerrolle spielen, vortäuschen, müssen ihr Gewordensein als Hausfrau verschleiern und es in sich selbst permanent bekämpfen. Sie stehen dadurch unter dauerhaften psychischen Schmerzen, so daß Schmerzen zu bereiten, ihnen zur Gewohnheit wird, ja, sie jede Gelegenheit nutzen, anderen Lebewesen Schmerzen zuzufügen."
S.198 "Hermann, Adolf und Joseph waren Spezialausgaben der psychischen Charakteristik eines Muttersohns, wuchsen auf mit Vaterschwierigkeiten, blieben lebenslänglich lösungslos in der seelischen Nähe zu ihren Müttern. Jeder litt unter einem anderen Typ von Vatermangel, einer anderen Ursache väterlicher Insolvenz, die zur Mutternähe führt."
Muttis Liebling
Neben mir in der anderen Bankreihe einer Berliner S-Bahn sitzt eine Mutter mit ihrem Sohn. Der Sohn sitzt ihr direkt gegenüber. Sein Gesicht und seine Haltung wirkt wie das eines zu klein geratenen Erwachsenen. Tatsächlich wird er vielleicht erst in die dritte Klasse gehen. Die Mutter legt ihre beiden Hände auf seine Oberschenkel, beugt sich zu ihm hinüber und starrt ihm dabei minutenlang eigenartig entrückt ins Gesicht. Der Sohn wirkt fixiert, er hat seine beiden Hände etwas oberhalb seines Genitals ineinander verschränkt. Sie nennt ihn "mein Dickerchen" und ich muss im nachhinein an die Hexe in Hänsel und Gretel denken, die sich von Hänsel den vermeintlichen Finger zeigen lässt, ob er er schon "dick" genug ist. Dann schaue ich die Mutter von der Seite unvermittelt an, diese bemerkt das anscheinend nicht, sie ist wohl noch bei ihrem "Dickerchen". Von den anderen Fahrgästen nimmt keiner Notiz. Wieder zu Hause frage ich mich, ob das gleiche in aller Öffentlichkeit zwischen einem Vater und einer Tochter passieren könnte. Wahrscheinlich nicht. Bei einer Mutter und ihrem Mutter-Sohn scheint das in unserer vaterlosen Gesellschaft nicht weiter auffällig zu sein.
Anton, 10.3.01
"Ein Besuch bei der Mutter ist immer ein Risiko"
Der Berliner Psychiater Ulrich Giese zum Fall Frank Schmökel und über die Behandlung von Sexualstraftätern und die Grenzen von Vorhersagen.
in: "Der Tagsspiegel", 4.11.00
"Wenn man einen Sexualstraftäter zu seiner Mutter lässt, dann muss man sich vorher genau fragen: Was spielt sich zwischen Mutter und Sohn ab? Häufig gibt es pathologische Bindungen an die Mutter, die besonders eng oder besonders aggressiv sind. Ein solcher Besuch ist immer ein Risiko."
Nachbemerkung: Die aktuelle Diskussion über Männergewalt hat bisher kaum den Anteil von Müttern und anderen weiblichen Personen in der Sozialisation späterer männlicher Täter in den Blickwinkel aufgenommen. Dies wäre aber wichtig, will man auch präventiv die Sozialisation zukünftiger männlicher Gewalttäter beeinflussen., statt später an den Ergebnissen einer misslungenen Sozialisation herumzudoktern oder diese Männer wegschließen zu müssen.
(Mutter)Sohn erschlug Mutter - zehn Jahre Haft
Gutachterin: Tat im Affekt
Am zweiten Weihnachtstag des vergangenen Jahres erschlug der 42-jährige Stephan
F. seine 76-jährige Mutter. Es war Totschlag und kein Mord, befand das Berliner
Landgericht am gestrigen Mittwoch. Es verurteilte F. zu zehn Jahren und sechs
Monaten Haft.
Die Gutachterin hatte zuvor von einem "hochgradig affektiven
Ausnahmezustand" gesprochen. Hintergrund der Tat sei eine unglückliche
Mutter-Sohn-Beziehung gewesen, sagte sie. Der gelernte Krankenpfleger gilt als
labil. Er war drogensüchtig und hat mehrere Therapien hinter sich. Vor Gericht
sagte Stephan F., die Mutter habe ihn jahrelang kontrolliert, ihn oft mehrmals täglich
angerufen. "Ihre Fürsorge erstickte mich förmlich." Er war
Einzelkind. Sein Vater spielte in seinem Leben keine Rolle.
Weihnachten wollte er nicht zu ihr nach Hamburg fahren. Da kam die Mutter zu ihm
nach Berlin. Drei Tage wohnten sie zusammen in seiner 33-Quadratmeter großen
Ein-Zimmer-Wohnung. Er habe erwartet, dass sie seine neue Wohnung lobt. Aber sie
habe nur mit Kälte und Ignoranz reagiert. "Ich fühlte mich fast wie ein
Gefangener und so hilflos wie ein Kind", sagte Stephan F. Er schlug ihr
vor, in ein Hotel zu ziehen oder abzureisen. Sie lehnte ab. "Wie unter
einer Käseglocke" habe das Zusammensein zwischen Mutter und Sohn gegärt
und schließlich den labilen F. von einer Mücke zum Elefanten wachsen lassen,
sagte die Gutachterin.
Bei einem banalen Streit um eine Zeitung rastete er aus. Stephan F. schlug
seiner Mutter 22-mal mit dem Hammer auf den Kopf, würgte sie mit dem Gürtel,
stach 19-mal mit einem Schraubenzieher auf sie ein. Danach fuhr er nach Hamburg,
wo er aufgewachsen war, um sich von einer Brücke zu stürzen. Er schaffte es
nicht, fuhr zurück nach Berlin, stellte sich der Polizei. (sd.)
Berliner Zeitung 23.3.00
Maria durch ein' Dornwald ging
Melodie - Weise und Text aus dem Eichsfeld
Thüringisch - 16. Jahrhundert
Maria durch ein' Dornwald ging.
Kyrieleison !
Maria durch ein' Dornwald ging,
Der hatte in sieben Jahrn kein Laub getragen !
Jesus und Maria.
Was trug Maria unter ihrem Herzen ?
Kyrieleison !
Ein kleines Kindlein ohne Schmerzen,
Das trug Maria unter ihrem Herzen !
Jesus und Maria.
Da hab'n die Dornen Rosen getragen.
Kyrieleison !
Als das Kindlein durch den Wald getragen,
Da haben die Dornen Rosen getragen !
Jesus und Maria.
Wie soll dem Kind sein Name sein ?
Kyrieleison !
Der Name, der soll Christus sein,
Das war von Anfang der Name sein !
Jesus und Maria.
Wer soll dem Kind sein Täufer sein ?
Kyrieleison !
Das soll der Sankt Johannes sein,
Der soll dem Kind sein Täufer sein !
Jesus und Maria.
Was kriegt das Kind zum Patengeld ?
Kyrieleison !
Den Himmel und die ganze Welt,
Das kriegt das Kind zum Patengeld !
Jesus und Maria.
Wer hat erlöst die Welt allein ?
Kyrieleison !
Das hat getan das Christkindlein,
Das hat erlöst die Welt allein !
Jesus und Maria.
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