Sexueller Missbrauch durch Frauen

Sexuelle Übergriffe auf Jungen – Erkennen und Handeln! Aber wie? Nr. 4166/09
Jungen sind häufiger in pädosexuellen Täterstrukturen involviert und von sexueller Gewalt betroffen als allgemein bekannt ist. Was sind die Besonderheiten dieser Betroffenheiten bei Jungen, wie unterscheiden sich inner- und außerfamiliäre sexuelle Gewalt, wie gehen pädosexuelle Täter vor, wie sieht sinnvolle Prävention und Beratung aus? Dies sind wichtige Fragen, auf die die Teilnehmenden eine Antwort erhalten. Die Fortbildung beinhaltet viele Beispiele aus der aktuellen Präventions- und Beratungsarbeit, bietet Selbsterfahrungsanteile und geht auf Themen ein, die aus dem Kreis der Teilnehmenden kommen. Termine: 18.12. 2009, 9:30 -17:00 Uhr. Eine Veranstaltung in Kooperation mit berliner jungs, SUB/WAY berlin e. V.
Dozenten: Wolfgang Werner, Marek Spitczok von Brisinski.
Weitere Infos: Claudia Lutze, Sozialpädagogisches Fortbildungsinstitut Berlin-Brandenburg (SFBB), Fachbereiche: Jugendarbeit /Jugendsozialarbeit + Kindertagesbetreuung, Standort: Brunnenstraße 188-190, 10119 Berlin, claudia.lutze@sfbb.berlin-brandenburg.de, fon: 030 - 90228820.
Unser Kommentar:
Leider wird in der Veranstaltungsankündigung sprachlich unterschlagen, dass es auch weibliche Täterinnen gibt. Aber das gehört wohl dazu, erst unterschlägt man die Jungen als Opfer und später die Frauen als Täterinnen.
Großbritannien
Immer mehr Frauen missbrauchen Kinder
DER STANDARD - Gudrun Springer, Printausgabe, 5.10.2009
Polizei beobachtet eine zunehmende Zahl an von Frauen begangenen Missbrauchsfällen - Jeder fünfte Sexualtäter im Königreich soll weiblich sein - Die Dunkelziffer ist hoch.
Die Briten sind geschockt: In einem Gerichtsprozess hat eine britische Kindergärtnerin vergangenen Donnerstag zugegeben, mehrere Kinder sexuell missbraucht zu haben. Die dadurch in der Öffentlichkeit angeheizte Debatte um Kindesmissbrauch durch Frauen erhält nun neue Nahrung: So wollen Scotland-Yard-Mitarbeiter beobachtet haben, dass der Anteil an weiblichen Sexualtätern zunimmt - wie der Observer am Sonntag berichtete.
Forscher der Lucy Faithful Foundation (LFF), einer Kinderschutzorganisation, die sich mit Sexualtäterinnen auseinandersetzt, schätzen dem Bericht nach, dass bis zu 64.000 Frauen im Vereinigten Königreich Kinder sexuell missbrauchen. Rund jeder fünfte der in etwa 320.000 Pädophilen in Großbritannien sei demnach eine Frau.
Donnerstag vergangener Woche war eine Kindergärtnerin vor einem britischen Gericht gestanden, die zugegeben hat, in einer städtischen Betreuungseinrichtung in Plymouth mehrere Kinder sexuell missbraucht zu haben. Die 29-Jährige soll laut Polizei Aufnahmen von den Missbrauchshandlungen mit einem Mann und einer Frau ausgetauscht haben. Die beiden soll sie über das Online-Netzwerk Facebook kennengelernt haben. Nach Expertenmeinung treibt das Internet die Zahl der Kindesmissbrauchsfälle in die Höhe. Alle drei Angeklagten, die einander erstmals vor Gericht persönlich begegneten, bekannten sich schuldig. Das Strafmaß soll am 13. November verkündet werden.
Steve Lowe, Leiter der gerichtlichen Beratungsstelle Phoenix, die wegen Kindesmissbrauchs verurteilte Täter behandelt, sagte dem Observer, die Anzahl an weiblichen Pädophilen sei zu lange versteckt worden: "Für eine Gesellschaft ist es schwierig, Frauen als Sexualtäter anzuerkennen. Aber jene von uns, die mit Pädophilen arbeiten, haben Belege dafür gesehen, dass Frauen dazu fähig sind, furchtbare Verbrechen an Kindern zu begehen - so schlimme wie Männer."
Offizielle Zahlen ganz anders
Die jüngsten offiziellen Zahlen, die vor sechs Monaten veröffentlicht worden waren, zeigten, dass 56 des Kindesmissbrauchs bezichtigte Frauen in Haft waren, 49 davon verurteilt, sieben in Untersuchungshaft. Im Pädophilenregister waren nur zwei Prozent der aufgelisteten Personen Frauen.
Vertreter des Child Exploitation and Online Protection Centres sagten, dass die große Dunkelziffer an Sexualtäterinnen Grund zur Beunruhigung gäben. Sie warnten zudem davor, dass der in Plymouth verübte Missbrauchsfall Nachahmungstäterinnen finden könnte.
Weitergeleitet von Alexander Markus Homes, Autor des Buches „Von der Mutter missbraucht – Frauen und die sexuelle Lust am Kind“ (Verlag: Books on Demand, Norderstedt - ISBN 3-8334-1477-4)
Programmtipp
WDR, Freitag, 2.11.07, 10.45 Uhr / HR, Mittwoch, 7.11.07, 9.20 Uhr / 3Sat, Samstag, 10.11.07, 15.00 Uhr
Sexueller Kindsmissbrauch durch Frauen
Der Missbrauch von Frauen an Kindern ist in unserer Gesellschaft noch immer ein Tabu. Und das Bild der fürsorglichen, liebevollen Mutter gilt als unantastbar. Janine Stolpe-Krüger versucht in ihrem Beitrag Vorurteile zu widerlegen. Denn sexueller Missbrauch durch Frauen ist keine Ausnahme. Ausländische Studien belegen das seit langem. 15 % der Sexualstraftäter, die sich an Kindern vergehen, sind Frauen. Was jedoch nicht darüber hinwegtäuschen darf, dass der überwiegende Teil der Missbrauchenden Männer sind!
Warum wird es weniger gesehen als der Missbrauch durch Männer? Weil sogar offensichtliche massive Grenzüberschreitungen meist als Überfürsorglichkeit interpretiert werden, als mütterliche Strenge oder offenherzige Sexualaufklärung. Auch haben Frauen durch ihre traditionelle Rolle mehr und intensiveren Körperkontakt zu Kindern. Daher gelten selbst intime Verrichtungen als unverdächtig.
Auch wenn sie keinen Penis haben, tun sie das Gleiche wie Männer. Sie versuchen wie Täter eine Beziehung aufzubauen, das Kind in Abhängigkeit zu bringen, seine Bedürfnisse auszunutzen, setzen auf Vertrauen und Zuneigung und manipulieren meisterhaft. Und wie Täter wenden sie körperliche Gewalt an. (7 von 10 Frauen sogar einen hohen Grad körperlicher und seelischer Gewalt). Sie stimulieren den Körper des Kindes, lassen sich befriedigen, vergewaltigen oral, penetrieren mit dem Finger, zwingen zum Geschlechtsverkehr, sind an Gruppensex beteiligt oder machen pornographische Fotos. Lassen Kinder bei sexuellen Handlungen zusehen, betreiben Voyeurismus oder Exhibitionismus und zwingen Kinder zur Prostitution.
Was sind die Folgen für die Kinder? Oft suchen sie Zuflucht in Drogen, unternehmen Selbstmordversuche oder verletzen sich, werden zu Ausreißerinnen, haben Probleme mit ihrer Sexualität und Probleme Beziehungen aufzubauen, sie sind magersüchtig oder bulimisch, reagieren mit Depressionen, haben Platzangst oder Angst ihre Kinder anzufassen und wenn ihnen nicht geholfen wird, passiert es, dass sie ebenfalls sexuell missbrauchen.
Was ist, wenn die Mutter die Missbrauchende ist? Dann sind die Gefühle besonders ambivalent und verstörend. Die Kinder entwickeln ein übermächtiges Bedürfnis zur Mutter als Bezugsperson, erleben aber gleichzeitig einen absoluten Vertrauensverlust und große Enttäuschung. Und trotz allem haben die Kinder häufig den Wunsch, die Mutter noch zu schonen.
Wer sind die Opfer? Wie bei männlichen Tätern in der Mehrzahl Mädchen. Die typische Täterin ist also nicht die einsame Frau, die einen Jungen verführt! Und wie bei Männern hat sexuelle Gewalt nichts mit Zärtlichkeit zu tun. Es geht immer um Machtmissbrauch.
Übrigens nicht wenige Täterinnen werden zunächst von Männern zum sexuellen Missbrauch des Kindes gezwungen. Daneben gibt es aber genauso viele, die aus eigenem sexuellem Antrieb Kinder missbrauchen!
Die Täterinnen kommen aus allen Lebensbereichen, allen sozialen Schichten, mit verschiedenstem Bildungshintergrund. Wie männliche Täter haben sie Denkmodelle entwickelt, die ihr Handeln rechtfertigen, bagatellisieren oder entschuldigen. Sie suchen die Opfer bewusst aus, benutzen taktische Manipulationen, um zu missbrauchen und um eine Entdeckung zu verhindern.
Was sind die Motive? Es sind sexuelle Motive oder sie wollen andere emotionale Bedürfnisse befriedigen. Eine Erklärung ist auch: Oder sie haben Wut auf männliche Machtstrukturen, sind aber unfähig sich damit richtig auseinander zu setzen. Als Bestrafungsritual entwickeln sie deshalb Aggressionen gegen sich selbst und ihre kleinen Geschlechtsgenossinnen.
http://www.wdr.de/tv/frautv/archiv2007/f311007_1.phtml
Vortrag zum Thema „Frauen als Täterinnen“
Der Gender@Wiki e.V. und die Genderbibliothek des ZtG laden am (28.06.2007 alter Termin) 11.07.2007 ACHTUNG TERMINÄNDERUNG zum dritten Magistraarbeitsvortrag in das Relais (Berlin-Mitte, Monbijoustr. 3).
Kerstin Piepenstock stellt um 18.00 Uhr folgende Arbeit vor:
Thema:
„Frauen als Täterinnen“ - Konzeptualisierung von Macht und Identitäten in einer feministischen Debatte um sexuellen Missbrauch
Abstract:
Sexueller Missbrauch wird im hegemonialen feministischen Diskurs als Form patriarchaler Gewalt interpretiert und es werden primär Männer als Täter identifiziert.
Seit den 1990er Jahren steht zur Disposition, ob Frauen, die Kinder sexuell missbrauchen, einen zu vernachlässigenden „Einzelfall“ darstellen: „Frauen als Täterinnen“ rücken ins Zentrum einer feministischen Debatte.
Welche Konzepte von Macht und gesellschaftlichen Machtverhältnissen werden in dieser Debatte entworfen? Wie werden die Kategorien „Frauen“ und „Täterinnen“ konzeptualisiert? Inwiefern werden Machtverhältnisse und Identitäten als interdependent gefasst?
Diesen Fragen näherer ich mich aus einer diskursanalytischen Perspektive an und veranschauliche sie exemplarisch anhand sprachlicher Konstruktionsprozesse.
http://141.20.150.47/genderwiki/?p=118
Kindesmissbrauch: 84-Jährige verurteilt
Amerikanerin muss für drei Jahre ins Gefängnis
Portland/USA - Wegen Missbrauchs eines elfjährigen Jungen muss eine 84-jährige Amerikanerin für drei Jahre ins Gefängnis. Die Frau hatte gestanden, 2004 sexuellen Verkehr mit dem Jungen gehabt zu haben. Er befand sich als Pflegekind in ihrer Obhut. Ursprünglich drohten der Seniorin unter anderem wegen versuchter Vergewaltigung acht Jahre Haft.
Bis jetzt makelloses Führungszeugnis
In einer Absprache mit der Anklage bekannte sie sich versuchten sexuellen Missbrauchs schuldig. Ihr Alter und ihr bislang makelloses Führungszeugnis hätten bei der Absprache eine Rolle gespielt, sagte die stellvertretende Bezirksstaatsanwältin von Wasco im Staat Oregon, Leslie Wolf, am Donnerstag.
5.000 Dollar Entschädigung
Nach Verbüßung ihrer Haft muss sich die Frau als Sexualstraftäterin registrieren lassen. Außerdem muss sie dem Opfer 5.000 Dollar (3.800 Euro) Entschädigung zahlen und ihm bis zu 7.500 Dollar für psychologische Beratung erstatten.
AP vom 15.02.07
Weitergeleitet von Alexander Markus Homes: Autor von
„Von der Mutter missbraucht – Frauen und die sexuelle Lust am Kind“ - Verlag: Books on Demand - BoD (ISBN 3-8334-1477-4).
Gerber, Hilke (2004):
Frauen die Kinder sexuell missbrauchen. - Eine explorative Studie.
Pro Business Verlag, Berlin, ISBN 3-938262-02-8. Dissertation, Universität Augsburg.
"Geschlechtsstereotype bei der Wahrnehmung von Situationen als <sexueller Missbrauch>
Eine experimentelle Studie"
Arnold Hinz
in: "Zeitschrift für Sexualforschung" 2001; 14: 214-225
Übersicht: 670 Jugendliche und junge Erwachsene beurteilten fiktive Szenen, in denen eine Interaktion eines Erwachsenen mit einem Kind oder einer abhängigen Person (Schüler/Schülerin, Patient/Patientin, Sohn/Tochter, Neffe/Nichte usw.) geschildert wird, unter dem Gesichtspunkt, ob die Handlung/Annäherung einen "sexuellen Missbrauch" darstellt. In der Hälfte der Szenen sind Männer Akteure und Mädchen Adressaten der Kontakte, in der anderen Hälfte sind Frauen Akteure und Jungen Adressaten. Die Mann-Mädchen-Szenen werden sehr viel häufiger als Missbrauch wahrgenommen als die Frau-Junge-Szenen, das heißt, in der Beurteilung der Probanden werden Männer häufiger als Frauen zu Tätern, Mädchen häufiger als Jungen zu Opfern. Die Ergebnisse werden nach Szenen (Art der Handlung/Annäherung) und nach dem Geschlecht der Befragten differenziert und die Implikationen der Befunde für die Missbrauchsdebatte diskutiert.
Schlüsselwörter: Geschlechtsrollenstereotype; Geschlechtsunterschiede; Missbrauch; sexuelle Gewalt
Zeitschrift für Sexualforschung
© Georg Ihieme Verlag Stuttgart New York
ISSN 0932-8114
Redaktion: Tel 069-6301-7614 oder -5625
Mail: z.sexualforsch@em.uni-frankfurt.de
Das Buch von Alexander Markus Homes
„Von der Mutter missbraucht – Frauen und die sexuelle Lust am Kind“
ist im August 2004 in einer erweiterten Neuauflage bei Books on Demand (ISBN 3-8334-1477-4) erschienen. Es ist im Buchhandel erhältlich, kann aber auch beispielsweise über amazon.de bestellt werden.
ÜBER DAS BUCH:
Ist die sexuell unbefriedigte Mutter, die, wenn nicht gar ausschließlich, so doch vorwiegend auf ihre Söhne und Töchter emotional und sexuell fixiert ist, bittere Realität? Das vorliegende Buch gibt auf etliche Fragen im Zusammenhang mit Frauen und Müttern, die Kinder sexuell missbrauchen oder misshandeln, umfassend Antworten. Es belegt vor allem, dass eben nicht nur Väter, sondern auch Mütter ihre Kinder sexuell missbrauchen; dass Mütter vorwiegend ihre Söhne missbrauchen und dies offenbar vorwiegend „zärtlich“ tun; dass sie ihre Töchter missbrauchen, sie dabei aber häufig quälen; dass allein erziehende Mütter unter den weiblichen Missbrauchern überproportional vertreten sind; dass viele männliche Sexualstraftäter erst zu solchen wurden, weil sie in der Kindheit durch die eigene Mutter sexuelle Gewalt erfahren haben; vor allem aber, dass Mütter und überhaupt Frauen als Kindesmissbraucherinnen in der Gesellschaft, in den Medien und in der Forschung kaum wahrgenommen werden.
"Von der Mutter missbraucht"
erscheint in den nächsten Wochen (2002) im Scheffler-Verlag, Herdecke.
ISBN-3-89704-270-3
Über das Buch:
Die Medien sind voll mit Berichten über männliche Kindesmissbraucher. Über weibliche Kindesmissbraucher, die eigene und/oder fremde Kinder missbrauchen, gibt es kaum Informationen.
Warum wird der weibliche Anteil an sexueller Gewalt, gerichtet gegen Kinder, fast ausnahmslos geleugnet?
Das vorliegende Buch gibt auf etliche Fragen im Zusammenhang mit Frauen und Müttern, die Kinder sexuell missbrauchen oder misshandeln, umfassend Antworten. Es belegt vor allem, dass eben nicht nur Väter, sondern auch Mütter ihre Kinder sexuell missbrauchen; dass Mütter vorwiegend ihre Söhne missbrauchen und dies offenbar vorwiegend „zärtlich“ tun; dass sie ihre Töchter missbrauchen, sie dabei aber häufig quälen; dass allein erziehende Mütter unter den weiblichen Missbrauchern überproportional vertreten sind; vor allem aber, dass Mütter und überhaupt Frauen als Kindesmissbraucherinnen in der Gesellschaft, in den Medien und in der Forschung kaum wahrgenommen werden.
Es herrscht aber auch eine kollektive Mauer des Schweigens: So schweigt beispielsweise die (feministische) Missbrauchsforschung über die Tatbestände, dass
• viele männliche Sexualstraftäter erst zu solchen wurden, weil sie in der Kindheit von der eigenen Mutter missbraucht worden sind;
• die Missbrauchsraten für weibliche Täter in internationalen Studien mit bis zu 80 Prozent und in nationalen (deutschen) Studien mit bis zu 40 Prozent angegeben werden.
Angesichts solcher Fakten muss wohl die Geschichte des sexuellen Kindesmissbrauchs umgeschrieben, wenn nicht gar neu geschrieben werden. Dieses Buch ist ein Beitrag dazu.
Alexander Homes, 13.10.02
"Frau oder Täter?
Auswirkungen des sexuellen Missbrauchs von Kindern durch Frauen"
Hilke Gerber
in: "Gigi", Nr. 20, 2002
Ausführlich in "Mann oder Opfer", Dokumentation der Fachtagung bei der Heinrich-Böll-Stiftung www.boell.de
Oder unter www.forum-maenner.de
Zu bestellen unter:
"Sexueller Missbrauch an Kindern und Jugendlichen durch Frauen"
Amrit Qandte
in "psychosozial", 2002, Heft II, S.115-129
"...
Beziehung zwischen Mutter und Sohn
Mütter scheinen häufig mit ihren Söhnen emotional stark verstrickt zu sein und Beziehungen zu formen, die auf dem Hintergrund unbewußter inzestuöser Phantasien eine Ablösung verhindern. Eine Hinwendung der Mutter zum Sohn findet sich oft bei alleinlebenden Frauen, ist aber auch in Familien anzutreffen, in denen die Frau ihre Beziehung zu ihrem Partner als unbefriedigend erlebt.
Dem Sohn werden vielzählige (Partnerersatz-) Rollen zugeschrieben: Er soll Gesprächspartner, Vertrauter, Versorger, Beschützer, um die Mutter Werbender und Liebhaber sein, er soll (nur) für sie da sein, ihre bislang unerfüllten emotionalen Bedürfnisse, ihre Sehnsucht nach Nähe, ihre Abhängigkeitswünsche befriedigen. In anderen Situationen wiederum soll er das Kind sein (was er ja auch real ist), das von der Mutter abhängig ist, über das sie Macht und Kontrolle hat. Diese mütterlichen Rollenanforderungen rufen beim Jungen ambivalente Gefühle hervor. Einerseits kann er Stolz empfinden, Mutters >kleiner Mann< zu sein und in dieser Rolle Anerkennung von ihr erhalten, andererseits kann er sich überfordert fühlen und Wut über sein Unvermögen empfinden, die Bedürfnisse der Mutter vollständig zu befriedigen. Die überprotektiven, grenzüberschreitenden, ausbeutenden Verhaltensweisen der Mutter lösen im Jungen Ohnmacht und Wut aus, indem er dadurch sein Ausgeliefertsein und seine Abhängigkeit von ihr erfährt. Er ist nur dann ein >guter Sohn<, wenn er ihre Anforderungen erfüllt, er ist >schlecht<, womöglich >wie sein Vater<, wenn er in ihren Augen versagt und eigenen Bedürfnissen folgt. Durch den Prozeß der Internalisierung werden diese Vorstellungen der Mutter in das Selbst aufgenommen und als etwas Eigenes erlebt. Auf dem Sohn liegt eine unglaubliche Last, indem er glaubt, die alleinige Verantwortung für das Wohlergehen der Mutter zu haben und somit auch dafür verantwortlich zu sein, wenn es der Mutter nicht gut geht oder sie krank ist. Daß hierin eine Quelle unermeßlicher Schuldgefühle liegt, versteht sich von selbst. Nicht wenige Mütter benutzen auch ihre Krankheit als Mittel, um ihren Sohn noch enger an sich zu binden. Aggressive Impulse werden vom Sohn oft nicht direkt gegen die Mutter gerichtet, sondern sie werden verdrängt, wo sie jedoch unbewußt wirken und dann häufig in Form von Selbstbestrafungen zum Ausdruck kommen.
Wut kann auch dadurch entstehen, wenn der Sohn vom »Platz des >einzigartigen< Liebhabers« (Hirsch 1987, 5. 153) verdrängt wird, indem die Mutter sich wieder dem Vater oder einem neuen Partner zuwendet. Margolis (1977, 5. 269) berichtet von einem Patienten, der sich nach dem sexuellen Kontakt mit der Mutter als »king of the world« fühlte und auch ein Patient von Shengold <1980, 5. 467) erlebte den Geschlechtsverkehr als »glorious«. Wut ist somit die Folge einer extremen narzißtischen Kränkung aufgrund der abrupten Beendigung der symbiotischen Beziehung mit der Mutter.
Saradjian (1996) hat darauf hingewiesen, daß manche Frauen das männliche Kind als ihrem früheren Mißbraucher ähnlich wahrnehmen In diesem Fall wird die Frau ihre affektive Einstellung gegenüber dem früheren Mißbraucher jetzt auf den Sohn übertragen, d. h. die verdrängten aggressiven Impulse, die Wut- und Haßgefühle werden reaktiviert und gegen den Sohn gerichtet. Ihn zu mißbrauchen bedeutet, Macht und Kontrolle über den früheren Mißbraucher zu erlangen, ihn zu zerstören und nicht länger Opfer zu sein und ist demnach auch als eine Form von >Rache< am Mißbraucher zu verstehen.
In der Literatur wird die Funktion des Sohnes innerhalb der Mißbrauchsdynamik hauptsächlich als Substitut für eine andere Person beschrieben. Nach meiner Ansicht könnte er jedoch auch als Selbstobjekt der Mutter fungieren. Indem sie sich nur mit dem Kind vollständig, als Ganzes erlebt, bedeutet jede Trennung vom Kind eine Gefahr für ihr eigenes psychisches Gleichgewicht. Folglich könnte bereits die Geburt des Kindes in der Mutter Fragmentierungsängste auslösen, ebenso das spätere Autonomiestreben des Kindes. Dieser Angst versucht die Mutter zu begegnen, indem sie das Kind stark an sich bindet, es kontrolliert und eine symbioseähnliche Beziehung herzustellen versucht.
Eine entscheidende Rolle in der Mißbrauchsdynamik spielen die massiven Gefühle von Leere, Isolation und Getrenntsein der Frauen. Bezogen auf die Mutter-Sohn-Beziehung könnte dies bedeuten, daß der Sohn die innere Leere der Mutter ausfüllen soll, was sich im wörtlichen Sinne im versuchten bzw. vollzogenen Geschlechtsverkehr widerspiegeln würde. Es soll durch den Geschlechtsakt der vorgeburtliche Zustand der Verschmelzung zwischen Mutter und Sohn wieder hergestellt werden, er soll in sie zurückkehren, wodurch sie sich wieder als ganze Person fühlt und zudem Kontrolle und Macht über ihn hat. Hierin werden auch die enormen Verlassenheitsängste und Abhängigkeitswünsche der Frau deutlich, möglicherweise wünscht sie sich selbst zurück in diesen Zustand des Getragenwerdens und der Geborgenheit, den sie als Kind selbst nicht erlebt hat. In einer symbiotischen Mutter-Sohn-Beziehung liegt die Gefahr darin, daß eine Differenzierung von Selbst und Objekt nicht stattfindet. Dies hat schwere Folgen für das Selbstgefühl des Jungen und seine spätere Identität als Mann und kann zu Störungen der Sexualität und Beziehungsstörungen zu Frauen führen.
Viele Mütter zeigen starke Eifersuchtsreaktionen gegenüber Kontakten des Sohnes zu anderen, insbesondere zu gleichaltrigen Mädchen. Ein derartiges Verhalten der Mutter löst im Sohn große Schuldgefühle aus, denn die Hinwendung zu anderen bedeutet, der Mutter »untreu« zu werden, gleichsam einem fremdgehenden Partner. Somit erscheint es nicht verwunderlich, wenn 30- oder 40-jährige (oder ältere) Männer in der Identifikation mit ihrer Mutter noch niemals sexuelle Kontakte, nicht einmal freundschaftliche Beziehungen zu Frauen hatten und/oder mit ihrer Mutter noch zusammenleben.
..."
"Täterinnen beim sexuellen Missbrauch von Kindern
Oder: An eine Frau hätte ich nie gedacht ..."
Gisela Braun
in: "Kriminalistik", 1/2002, S. 23-27
"... Beim sexuellen Missbrauch von Kindern weist die PKS (Polizeiliche Kriminalstatistik) 2000 3,2 Prozent weibliche Tatverdächtige bei insgesamt 9038 Tatverdächtigten aus. Schlimmer als diese Zahlen aussagen, ist die reale Bedrohung. ...
Die Verleugnung weiblicher Täterschaft hat viele Gründe. Aber vielleicht ist der letzte Kern dieser Verleugnung ein ganz emotionaler, kindlicher Aufschrei in uns allen: `Mama ist nicht böse´ Alle, die sich mit weiblicher Täterschaft beschäftigen, sind im Letzten mit der eigenen Mutter, mit ihren dunklen Seiten und gewalttätigen Momenten konfrontiert.
...
Wenn man verschiedene neuere Untersuchungen zusammenfasst, lässt sich der Anteil weiblicher Missbrauchender zur Zeit bei 10-15 Prozent festmachen. vor einigen Jahren ging man noch von etwa einem Prozent aus. ..."
Gisela Braun ist Referentin bei der Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz Landesstelle NRW e.V.
Zum Thema kann die Broschüre "An eine Frau hätte ich nie gedacht ..." Frauen als Täterinnen bei sexueller Gewalt gegen Mädchen und Jungen. Hrsg. und Bezug: Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz NRW, Poststraße 15-23, 50676 Köln bestellt werden (Schutzgebühr 3,00 DM)
"Therapeutische Arbeit mit Frauen, die Kinder sexuell mißbraucht haben", S. 138-151
Hilary Eldridge
in: ""Wege aus dem Labyrinth. Erfahrungen mit familienorientierter Arbeit zu sexuellem Missbrauch"
Herausgeber: Kind im Zentrum, 1999
Bezug über Evangelisches Jugend- und Fürsorgewerk, Abt. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Finckensteinallee 23-27, 12205 Berlin
Tel 030-843889-61
www.bild.t-online.de/BTO/news/2003/04/30/knaben__sch_C3_A4nderin/knaben__schaenderin.html
Knabenschänderin-Prozess: Jetzt spricht die Mutter des Opfers : Sie hat ein Kind von meinem Mann und meinem Sohn
29.4.2003 Von ECKARD GEHM ---- Flensburg – Erst nahm die Knabenschänderin ihr den Ehemann weg. Dann den Sohn (13). Und mit beiden zeugte sie auch noch Kinder.
Nachbarin Susanne W. (43, Hausfrau) litt besonders schlimm unter der anscheinend hemmungslosen Sexsucht von Ursula J. (37). Die Mutter von sieben Kindern steht seit Montag vor Gericht. Die Anklage: Beischlaf mit einem widerstandsunfähigen Minderjährigen (BILD berichtete) und Drogenhandel.
Im Landgericht Flensburg begegneten sich die beiden Mütter.
Die Nachbarin im Zeugenstand: „Von der Beziehung meines Sohnes Jan mit dieser Frau wusste ich nichts. Sonst hätte ich eingegriffen. Als ich erfuhr, dass sie ein Kind von ihm bekommt, war ich geschockt.“
Den Tag, als die sexgierige Mutter sich Jan mit Drogen und Alkohol gefügig machte, kann Susanne W. nicht vergessen: „Als Jan aus der Nachbarswohnung kam, war er schweißgebadet, hatte einen leeren Blick, wusste nicht, wo er war.“
Was sagt die Sexgierige zu den Vorwürfen von Jans Mutter?
„Sie hasst mich, weil ich von ihrem Mann und ihrem Sohn zwei Kinder habe.“ Es sind Michelle (9) und Tim (2).
Woher stammen die anderen fünf Kinder?
Laut BILD-Recherchen von weiteren drei anderen Vätern.
War es wirklich immer Liebe?
Weitere Jugendliche sagten im Prozess aus. Einer (16) hatte ebenfalls ein sexuelles Verhältnis mit der Angeklagten.
Warum schlief sie immer mit Kindern und Jugendlichen?
Die Angeklagte: „Ich hatte so viele schlechte Erfahrungen mit älteren Männern. Einer hat mich fast totgeschlagen.“
Der Prozess wird fortgesetzt.
FOTO : Sexgierig: Ursula J. (37) hatte Sex mitdem Mann und dem minderjährigen Sohn ihrer Nachbarin – und bekam von jedem ein Kind
FOTO : Das Opfer: Jan (heute 16), er wurde angeblich mit Alkohol und Drogen willenlos gemacht
www.bild.t-online.de/BTO/news/2003/04/29/knaben__schaenderin/knaben__schaenderin.html
Die Knaben-Schänderin fleht vor Gericht: „Ich tat es aus Liebe...“
FOTO : Die Angeklagte: Ursula J. (37) soll einen Nachbarsjungen sexuell missbraucht haben. Sie bekam ein Kind von ihm
29.4.3002 Flensburg – Dieser Fall empört ganz Deutschland: Eine 37-jährige Frau zwingt einen 13-Jährigen zum Sex und bekommt ein Kind von ihm.
Gestern der erste Prozesstag vor dem Landgericht Flensburg (Schleswig-Holstein). Die Angeklagte Ursula J. (37), siebenfache Mutter und Sozialhilfeempfängerin, erscheint im schwarzen Kostüm, darüber eine weiße Strickjacke. Das Haar hat sie nach hinten gekämmt. Brauner Teint, sie trägt zwei silberne Ringe.
Eine perverse Kinderschänderin auf brav getrimmt?
Vor Gericht bestritt sie die Vorwürfe: „Jan war 13, als er sich in mich verliebte, aber schon 14, als ich erstmals Sex mit ihm hatte. Er hat immer freiwillig mit mir geschlafen.“
Wie haben sich die beiden kennen gelernt?
Jan (heute 16) war ein Nachbarskind. Zuerst hatte Ursula J. ein Verhältnis mit Jans Vater, wurde schwanger von ihm. Bald kam auch Jan in ihre Wohnung. Der Grund: Die Frau versorgte die Jugendlichen in der Nachbarschaft angeblich regelmäßig mit Drogen – laut Staatsanwaltschaft in insgesamt 186 Fällen.
Die perverse Nachbars-Mutter gab dem Jungen ein halbes Gramm Hasch zum Rauchen, dazu Bier und Schnaps. Darin aufgelöst ein starkes Beruhigungsmittel. Dann zog sie sich aus, verführte den willenlosen Jungen, hatte Sex mit ihm (siehe Kasten). In der Anklage heißt das: „...Beischlaf mit Widerstandsunfähigen.“
Die Mutter sagte gestern: „Er gab mir die Liebe, die ich gesucht habe. Mein Leben lang. Und ich gab ihm die Liebe, die er brauchte.“
Was sagt das Opfer?
Der Junge zu BILD: „Sie hat mich geschlagen und wenn ich weggelaufen bin von ihr, schickte sie ihre Freunde los, die mich suchten, und ich bekam Prügel. Das erste Mal passierte es mit 13.“
Die Mutter des Jungen zeigte die Nachbarin an.
Das gemeinsame Baby heißt Tim, ist heute knapp zwei Jahre alt, lebt in einer Pflegefamilie.
Der Prozess wird fortgesetzt.
www.bild.t-online.de/BTO/news/2003/04/29/knaben__schaenderin/sch_C3_A4nderin__01.html
Wie kann ein Mann von einer Frau zum Geschlechtsverkehr gezwungen werden?
BILD-Medizinexperte Dr. Christoph Fischer: „Ja, das ist möglich. Durch bewusste Manipulation kann eine Frau einen willenlosen Mann derart reizen, dass er eine Erektion bekommt. Und auch unter Alkohol und Drogen können Männer einen Samenerguss haben und Kinder zeugen.“ ---- Bildzeitung, 28.4.03
Schmökels brutales Geständnis
Aussagen zum Rentner-Mord: Ich wollte ihn nicht töten, ich wollte seine Enkelin missbrauchen
Von Claus-Dieter Steyer
Neuruppin. „Ich wollte das Mädchen schlagen, bis es wimmert und mich anfleht, und es dann missbrauchen.“
Für einen Moment herrschte Totenstille im Neuruppiner Gerichtssaal. Frank Schmökel, wegen Mordes und dreifachen versuchten Totschlages angeklagt, ließ von seinen Anwälten eine Erklärung voller erschütternder Details verlesen. Darin schilderte er das Geschehen am 2. November 2000 in der Strausberger Datschensiedlung Postbruch in einer ganz neuen Variante. „Ich wollte nicht den alten Mann töten, um sein Auto zu klauen. Ich dachte, auf der Liege befindet sich seine junge Enkeltochter. Plötzlich stand der Mann vor mir, da habe ich mit dem Spaten mehrfach zugeschlagen“, sagte Schmökel in der anschließenden Befragung. So kräftig, dass der Spaten zerbrach. Schwer verletzt ließ der Angeklagte den Mann liegen und flüchtete mit dessen Auto nach Sachsen. Johannes Berger, dessen Witwe sich in dem Prozess als Nebenklägerin vertreten lässt, verblutete.
Bisher hatte Schmökel immer behauptet, auf den Rentner wegen dessen Auto eingeschlagen zu haben. Sieben Tage vor der Tat war der damals wegen Vergewaltigung im Maßregelvollzug einsitzende Mann bei einem Ausflug zu seiner Mutter in Strausberg seinen Pflegern entwischt. Er stach auf die Pfleger und seine Mutter ein und floh. „In der Siedlung Postbruch versteckte ich mich in einer Laube und beobachtete auf dem Nachbargrundstück ein älteres Ehepaar mit ihrer Enkeltochter“, sagte Schmökel. „Als ich das Mädchen sah, wuchs der Wunsch, mit ihr ähnlich wie mit Christine zu verfahren.“
Christine W. hatte er 1994 während einer Flucht missbraucht und so gewürgt, dass sie den Angriff nur knapp überlebte. „Eines Tages hörte ich ein Motorengeräusch. Ich dachte, das Ehepaar ist weggefahren und die Enkelin liegt im Garten. Da bin ich mit dem Spaten los.“ Wie sein Verteidiger mitteilte, war das Mädchen etwa zwölf Jahre.
Auf die Frage, warum er erst jetzt mit den neuen Umständen der Tat herausrücke, antwortete Schmökel: „Ich möchte kein Sexualstraftäter sein.“ Deshalb habe er es bei der Variante mit dem Auto-Klau belassen.
Die eigentliche Flucht beim Hausbesuch seiner Mutter war nach seinen Angaben nicht geplant. Es sei beim Kaffeetrinken zunächst auch ziemlich harmonisch in der Strausberger Wohnung zugegangen. „Erst beim Blick auf das Bett im Schlafzimmer musste ich an die Prügel und die sexuellen Handlungen denken, zu denen mich meine Mutter als Kind gezwungen hatte.“ Als sich die Mutter während des Gesprächs am Tisch auch noch abfällig über Schmökels zwölfjährige Tochter äußerte, „sah ich rot", sagte der Angeklagte. „Ich gehe jetzt ins Zimmer und bringe die Alte um, dachte ich damals.“
Das ganze Leben, die ganzen Ereignisse, der ganze Hass seien „hoch gekommen“. Er habe zu einem Küchenmesser gegriffen und zuerst auf den Pfleger eingestochen. Seine Mutter habe er damit strafen wollen. „Es war eine Art Rache. Sie sollte sehen, was ich mache.“ Erst als seine Mutter ihm in den Arm fallen wollte, stach er auch auf sie ein. „Ich wollte, dass sie endlich die Schnauze hält“, sagte Schmökel. Dann habe er plötzlich raus aus der Wohnung rennen wollen. „Vor den ganzen alten Erinnerungen an die Kinder- und Jugendzeit wollte ich weglaufen.“ Wie spontan dieser Entschluss gefallen sei, zeige sich an einem Detail. Er habe die Zigaretten im Flur liegen gelassen. „Daran denkt ein Raucher bei einer Flucht doch zuerst“, sagte der diesmal in einer dunklen Lederjacke erschienene Angeklagte. Außerdem habe er schon vor dem Kaffeetrinken aus der Wohnung fliehen können – „ohne Gewalt“.
Frank Schmökel stellte sich mehrfach vor dem Gericht als gestörte Persönlichkeit dar. „Die Wurzeln meiner Krankheit liegen in der Kindheit und in der Jugendzeit“, formulierte er. Die Therapien im Maßregelvollzug, wo er seit 1993 seine Zeit verbringe, hätten nichts gebracht. „Ich bin geflüchtet, weil ich das Gefühl hatte, nicht richtig behandelt zu werden.“ Mehrmals habe er eine Verlegung aus Brandenburg nach Berlin beantragt. Aber das sei immer abgelehnt worden.
Nur auf Nachfrage der Richterin äußerte Schmökel Ansätze eines Bedauerns für seine Taten. „Der Angriff auf meine Mutter hat mir nur einen kurz Augenblick leid getan.“ Mehr ärgere er sich über die Attacke gegen den Pfleger, der eigentlich im Maßregelvollzug sein „väterlicher Freund“ gewesen sei. Ob er tatsächlich für den Tod des Rentners in der Strausberger Siedlung Postbruch verantwortlich sei, bezweifle er, sagte Schmökel. Auf Zeitungsfotos vom Tatort habe er neben der Leiche einen Gartenstuhl gesehen, der zu „seiner Zeit“ nicht an dieser Stelle stand. Außerdem erinnerte er an die Angabe seines Psychologen Michael Brand, der in der Tatnacht einen anonymen Anruf mit der Aussage „Schmökel war’s nicht“ erhalten hatte. Als Tatwaffe kommt nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sowohl ein Spaten als auch ein Eisengartenstuhl in Frage.
„Erheblichen Klärungsbedarf“ sieht Verteidiger Matthias Schöneburg auch bei den Umständen der Festnahme seines Mandanten am 7. November in der Nähe von Bautzen. Die Polizisten hätten ihn in einer Gartenlaube überwältigt, ihn auf den Bauch gelegt und die Hände auf den Rücken gefesselt. Nach Angaben Schmökels hätte ein Beamter auf ihm gekniet und dann noch mit einer Pistole in den Rücken geschossen. „Ich sagte damals: Hätte er nicht besser zielen können, dann wäre es wenigstens zu Ende.“ Der Angeklagte überlebte schwer verletzt.
Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.
http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/12.11.2002/300662.asp
Missbrauch durch Kindergärtnerin
In München ist eine 27jährige Kindergärtnerin verurteilt worden, die einen 4jährigen 15mal sexuell mißbraucht hat, siehe
In der Papierausgabe des "Berliner Kuriers" vom 19.07.2002 steht die Meldung (wieder ganz klein und auf grauem Grund gedruckt) auf S. 18, als letzte in der Rubrik "WELT - Nachrichten".
JUNGE, DER KINDER SEINER LEHRERIN ZEUGTE, SELBSTMORDGEFÄHRDET
Er war zwölf, sie war 34:
http://www.azcentral.com/offbeat/articles/0322Teacher-Sex-ON.html
Posteingang 31.03.2002
"Frauen als Missbraucherinnen", S. 126-137
Jacqui Saradjian
22-Jährige missbraucht 15-jährigen Jungen
Wenn ein minderjähriges Mädchen durch einen volljährigen Mann infolge eines sexuellen Missbrauchs schwanger wird, besteht die Möglichkeit der Abtreibung. Da die Minderjährige noch nicht "geschäftsfähig" ist, sind die ihr gegenüber Sorgeberechtigten dafür entscheidungsberechtigt.
Wird dagegen, wie uns gerade bekannt wurde, eine 22-jährige Frau infolge eines von ihr begangenen sexuellen Missbrauchs an einem 15-jährigen Jungen (§182 (2) Strafgesetzbuch, Strafrahmen bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe) schwanger, so hat der Junge, vertreten durch die für ihn Sorgeberechtigten, keine Möglichkeit, die Schwangerschaft abbrechen zu lassen.
Ob die Täterin und werdende Mutter überhaupt bestraft wird, darüber liegen uns zur Zeit keine Informationen vor.
Klar ist nur eins, der missbrauchte Junge wird mit der Geburt des Kindes unterhaltspflichtig. Innerhalb von 18 Jahren wird er mit ca. 90.000 DM für den erlittenen Missbrauch zur Kasse gebeten.
Anton, Berlin, 4.12.01
15-JÄHRIGER VON 30-JÄHRIGER VERFÜHRT: 10 JAHRE SPÄTER ZU UNTERHALT VERPFLICHTET
Im Alter von 25 Jahren erfuhr der Klempner John Walker, dass er als Folge einer sexuellen Begegnung als 15jähriger inzwischen einen zehnjährigen Sohn hat, für den er jetzt 55.000 Pfund Unterhalt zahlen soll:
http://www.thetimes.co.uk/article/0,,2-2001384006,00.html
sowie
http://www.thesun.co.uk/article/0,,2-2001381541,00.html
(wobei der SUN-Artikel geringfügig andere Jahreszahlen angibt und weitere groteske Fälle dieser Art aufführt).
Posteingang 8.11.01
Richter weist Vergewaltiger von Seddin in den Maßregelvollzug ein.
Urteil gegen den 33-jährigen: Er hatte eine Frau entführt und missbraucht.
Gutachter: Laut psychiatrischen Gutachten hat E. selbst Angst vor seinen sexuellen und gewalttätigen Fantasien und Handlungen. Ein Grund für seine Störung besteht in dem sexuellen Missbrauch durch die Mutter und deren unberechenbaren Erziehungsstil
aus: "Berliner Zeitung", 18./19.11.00
"Frauen als Täterinnen bei sexueller Gewalt gegen Mädchen und Jungen"
Die einfühlsamste, prägnanteste und vorurteilsfreieste Darstellung, die ich kenne und sie kostet nur drei Mark in Briefmarken. Die Broschüre ist beziehbar bei der Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz (AJS) NRW,Poststr. 15-23, 50676 Köln, Tel 0221/92 13 92-0, Fax 0221/92 13 92-20, E-Post: braun@mail.ajs.nrw.de
Joachim, 12.09.2001
POLIZEI FAHNDET NACH WEIBLICHER SERIEN-KINDERSCHÄNDERIN
Dass auch massenhafter Missbrauch von Kindern keine rein männliche Domäne ist, belegt dieser aktuelle Bericht:
http://www.sunday-times.co.uk/news/pages/sti/2001/07/08/stinwenws01025.html
(Ja, mir gefällt das Wort "Kinderschänder(in)" auch nicht, aber irgendwie muss ich diese Person ja nennen.)
Dazu ergänzt sich dieser ältere Artikel:
http://www.fact.on.ca/newpaper/np991105.htm, in dem die Gewaltexpertin Patricia Pearson ausgehend vom Beispiel einer Serienvergewaltigerin (mit bislang mindestens 22 Opfern) erörtert, warum weibliche Sexualstraftäter noch immer in der öffentlichen Wahrnehmung ausgeblendet sind. Pearson zufolge ist dieses Thema dermaßen politisch inkorrekt, dass es bislang kaum Forschung darüber gibt. (WAS hierzu allerdings bereits an internationalen Forschungsergebnissen existiert, ist schon brisant genug und wird in "Sind Frauen bessere Menschen?" ausführlich dargelegt werden.)
Posteingang 14.7.01
"Sextourismus"
"In Vietnam nimmt der Sex-Tourismus und besonders der Mißbrauch Minderjähriger
durch ausländische Frauen zu, berichtete kürzlich die Nachrichtenagentur AFP.
Auf das Problem habe eine australische Organisation gegen Kinderprostiution
aufmerksam gemacht. Ein Sprecher sagte, in der zentralvietnamesichen Stadt Hoi
Han würden drei Viertel aller Fälle sexuellen Mißbrauchs durch ausländische
Frauen begangen. Der sexuelle Mißbrauch minderjähriger Knaben werde allgemein
weniger ernst genommen."
aus: fakta für frauen, Informationsbulletin, Heft 3/99, verantwortliche
Redakteurin Magdalene Geisler,
Tel.030-4211083, fax 4211084
Studie zum Thema: „Frauen, die Kinder sexuell mißbrauchen“
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich bin Doktorandin an der Uni Augsburg und arbeite an einer empirischen Studie zum Thema: „Frauen, die Kinder sexuell mißbrauchen“.
Dieses Vorhaben dient mehreren Zielen:
Ø Das Thema bekannter zu machen, um so mehr Sensibilität hervorzurufen,
Ø „Rückendeckung“ für die betroffenen Kinder und Jugendlichen,
Ø Wissen um die Situation der betroffenen Frauen - Prävention und Anlaufstellen
auch für sie.
Um dieses Vorhaben zu verwirklichen suche ich Menschen, die in ihrer Kindheit von einer Frau/en sexuell mißbraucht wurden und die bereit sind, mir für ein Interview zur Verfügung zu stehen.
Was ich noch sagen wollte:
Ich werde mein Gegenüber achten, und seine seelische und geistige Verfassung über die Ziele meiner Forschungsarbeit stellen.
Für Fragen und Kontakt:
Meine Adresse: Hilke Gerber
Pferseerstr. 7d
86150 Augsburg
J Tel. 0821/36788
Email: Hilke.Gerber@web.de
Posteingang bei maennerrat.de 17.12.2000
Mutter gab 6-Jährigem immer noch die Brust
Wenn eine Mutter ihren Sohn mit 6 immer noch stillt - ist das sexueller Missbrauch? Ein Familienrichter in Chicago muss das entscheiden. Eine Babysitterin hatte die Mutter (32) des Jungen angezeigt. Der Junge habe sich mehrfach gegen das Stillen gewehrt, hieß es. die Mutter bestritt die Vorwürfe. Ihr Sohn komme zu ihr und bitte sie, ihm die Brust zu geben. Stillen habe nichts mit Sex zu tun. "Es geht mir um die Nähe zum Kind", sagte sie. Das Jugendamt entzog der Frau bereits das Sorgerecht, der Richter hat nun das letzte Wort.
aus: "Bild", 12.12.2000
Von der Mutter missbraucht
"Die 14-jährige Silvia verließ weinend den Gerichtssaal. >Ich will nicht, dass meine Eltern ins Gefängnis kommen<, sagte sie gestern den Richtern. Die Verzweiflung des Mädchens hat eine lange Geschichte: Silvia ist von ihrer Mutter und von deren Lebensgefährten missbraucht worden. Etwa seit ihrem siebenten Lebensjahr kam es laut Anklage zu den Übergriffen. Sivlia erstattete im Sommer 1999 Anzeige. ... Silvias Mutter Monika L. ist gelernte Erzieherin. ... Sie saß dabei, als ihre Tochter missbraucht wurde. ... Die Staatsanwältin warf der Mutter vor, sie habe durch ihr Verhalten Beihilfe zum schweren sexuellen Missbrauch ihrer Tochter geleistet. ... Gegen Monika L. beantragte die Staatsanwaltschaft eine Haftstrafe von zwei Jahren und drei Monaten. Dieter P. (der Lebensgefährte) soll nach dem Willen der Staatsanwaltschaft für fünf Jahre ins Gefängnis."
aus "Tagesspiegel", 7.3.01
Sexueller Missbrauch - Wenn Frauen zu Tätern werden
Von Axel Spilcker
Liane ist an jenem Sonntag hingefallen. Eine lange Schürfwunde zieht sich quer übers Gesicht. Liane (5) sieht so erbarmungswürdig aus mit dem langen Striemen - da hilft nur trösten. Und so setzt sich ihre Mutter an jenem Abend ans Bett und streichelt Liane zärtlich übers Haar. Sie gibt ihr einen Kuss. Ge¦nauso hat es auch die Betty gemacht, die hat mich sogar immer wieder auf den Mund geküsst", erzählt die Tochter. Betty ist die 27-jährige Aushilfe aus einem Kindergarten im Kölner Süden. Sechs Wochen zuvor war Liane mit ihrer Gruppe zwei Tage in ein Ausflugsheim gefahren. Betty war als Betreuerin auch dabei gewesen. Liane erzählt ihrer Mutter, wie sich Betty am ersten Abend ins Zimmer geschlichen und sich zu ihr unter die Decke gelegt hatte, weil sie als einzige der fünf Kinder im Raum keinen Schlafsack besaß. Liane berichtet, dass Betty sie gestreichelt habe, auch im Genitalbereich. Die Liebkosungen arteten aber schnell in sadistische Quälereien aus, die Betreuerin soll Liane wiederholt in den Po gekniffen und mit den Daumennägeln in die Fußsohlen gestochen haben. "Die hat mir weh getan, Mama", sagt Liane. Ihre Mutter reagiert wie betäubt. Unzählige Gedanken, Gefühle zwischen Angst, Hilflosigkeit und Wut rasen durch den Kopf, sie kann nicht sprechen, ist völlig blockiert, kann dem Kind nicht erklären, wieso, warum. "Ich bin dann rausgegangen zu meiner Nachbarin und habe geweint wie ein Schlosshund. Das konnte doch alles nicht sein." Lianes Mutter hatte sich vorher keine Sorgen gemacht, dass dem Kind ein Leid geschehen könnte. "Es waren doch nur Frauen als Betreuerinnen bei der Freizeit gewesen", sagt sie heute, dreieinhalb Jahre nach den Geschehnissen, im Gespräch mit dieser Zeitung. "Das war ein Trugschluss", sagt Ursula Enders vom Verein Zartbitter. "Sexuelle Gewalt durch Frauen wird oftmals in der Öffentlichkeit ausgeblendet, da die Menschen Schwierigkeiten bei der Vorstellung haben, dass auch Frauen Kinder sexuell missbrauchen können". Hohe Dunkelziffer Nach Erkenntnissen der Kölner Kontakt- und Informationsstelle gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen und Jungen werden jedoch mindestens 13 bis 25 Prozent der Sexualdelikte gegen Kinder von Frauen verübt. Davon werde aber nur ein Bruchteil der Taten angezeigt: Die Kölner Kriminalstatistik registriert nur zirka acht Prozent aller Missbrauchsfälle durch Frauen in der Stadt. "Wahrscheinlich ist aber die tatsächliche Rate höher", meint die Leiterin des zuständigen Kommissariats, Monika Lenzen. Überwiegend sind Mädchen die Opfer der weiblichen Sexualtäter. Enders: "Oft sind es Frauen, die ihr ganzes Leben der Betreuung von Kindern widmen. Ihre eigene emotionale Bedürftigkeit verstecken sie hinter der Maske der aufopfernden Helferin. Sie befriedigen ihre sexuellen Wünsche beispielsweise durch einen als Pflege kaschierten Missbrauch." Da untersucht die Mutter ihre zehnjährige Tochter nach angeblichen Krankheiten an der Vagina und vergewaltigt sie mit den Fingern, eine Stiefmutter bringt einen Zwölfjährigen zum Samenerguss unter dem Vorwand, eine Vorhaut-Verengung weiten zu wollen. Kinder werden fast täglich von einer Pflegemutter nach Würmern untersucht, die Vorhaut der Jungen wird gereinigt und die Geschlechtsteile der Mädchen "sauber geschrubbt". Durchaus üblich sind auch sexuell gefärbte Bestrafungsrituale, etwa Schläge mit dem Gürtel auf den nackten Po. Sexueller Missbrauch ist immer Machtmissbrauch, erläutert Enders die Beweggründe der Täterinnen. Da spiele zum einen immer noch eine Benachteiligung der Frau eine Rolle. Auch heute passt vielerorts das Muttersein mit der Berufskarriere nicht zusammen. "Täterinnen erfahren ihre Verantwortlichkeit für Kinder des öfteren als Ursache ihrer gesellschaftlichen Benachteiligung und richten ihre Wut darüber gegen ihre Kinder und missbrauchen sie", sagt Enders. Oder Kinder werden zusätzlich von eifersüchtigen Müttern drangsaliert, weil sie von ihren Vätern missbraucht wurden. Mitunter sei es aber auch nur der Neid auf das junge attraktive Wesen, dessen begehrte Eigenschaften man rauben oder gar zerstören wolle, so die Diplompädagogin. Enders räumt auch mit der Mär auf, wonach das Gros der Frauen von ihren Männern zu den Verbrechen gezwungen wurde. Mindestens die Hälfte missbraucht aus eigenem Antrieb, bei den anderen ist es meist so, dass die Gewalt an den Mädchen und Jungen erst unter Zwang beginnt, die Frauen aber dann Gefallen daran finden. Meist kommen die Täterinnen mit milderen Strafen weg als die Täter. Vor drei Jahren entdeckte die Kölner Kripo bei einem Ehepaar Videos, auf denen das sexuelle Martyrium der eigenen Kinder zu sehen war. Nicht nur der Mann, auch die Frau war auf den Filmen zu sehen. Der Mann musste fünf Jahre ins Gefängnis, seine Partnerin kam mit einer Bewährungsstrafe davon. Lianes mutmaßliche Peinigerin muss sich nun, dreieinhalb Jahre nach den Vorfällen, vor Gericht verantworten. Eine lange Zeit. "Viel zu lange", meint Lianes Mutter. Erst ließ die Anwältin der Beschuldigten das Glaubwürdigkeitsgutachten vom Opfer durch ein Gegengutachten anzweifeln, dann geschah ein Jahr lang nichts, bis der Amtsrichter das Verfahren dann einstellte. Der Beschluss wurde von der nächst höheren Instanz zurückgenommen, das Verfahren ans Amtsgericht zurückverwiesen. Vor mehr als zwei Wochen musste sich die heute neunjährige Schülerin nochmals den quälenden Fragen eines Gutachters stellen. Bald wird verhandelt. Liane und ihre Familie haben eine schwere Zeit hinter sich. Zuweilen ist Liane ungewöhnlich aggressiv, schlägt um sich, eine Zeitlang nässte sie ins Bett. "So was kannten wir früher nicht", sagt ihre Mutter. Liane will auch nicht mehr zu Ausflugsfahrten in den Bus steigen. Am schlimmsten aber waren Lianes Vorwürfe: Warum hatte ihre Mama sie nicht beschützen können. Ihre Mutter empfand dies "wie einen Messerstoß ins Herz".
aus: http://www.ksta.de/koeln/1112880.html
Posteingang 14.11.00
Alexander Markus Homes
Sehr geehrte Damen und Herren!
Ich erlaube mir, Ihnen hiermit das Vorwort zum Buch "Von der Mutter missbraucht" (ISBN-3-89704-270-3) zugänglich zu machen.
Mein Buch erscheint jetzt im Scheffler Verlag, Herdecke.
Januar 2003
Vorwort
„Um daran zu glauben, dass eine Frau ihr eigenes Kind sexuell missbrauchen würde, muss ein Mensch einflussreiche Stereotypen über Mutterschaft und die Mutter-Kind-Beziehung anzweifeln, die unsere Gesellschaft hegt und preist. Es fällt schwer, das Klischee einer von Wohlwollen und Fürsorge geprägten Mutter-Kind-Beziehung aufzugeben, selbst wenn unsere persönlichen Erfahrungen in scharfem Gegensatz zu diesem Ideal stehen.“
Michele Elliott (1995, S. 67)
Frauen, die Kinder missbrauchen; Mütter, die vorwiegend auf ihre Söhne und Töchter emotional und sexuell fixiert sind, manchmal sogar ausschließlich – sind sie bittere Realität? Gibt es wirklich eine Vielzahl von Müttern, bei denen die Grenze zwischen erlaubter emotionaler Zuwendung, Liebkosung, Zärtlichkeit und verbotener Sexualität ihren Kindern gegenüber fließend ist? Wie viele Mütter missbrauchen „liebevoll“, mit physischer bzw. psychischer Gewalt ihre Kinder? Ist der Mutter-Kind-Inzest im Vergleich zum Vater-Kind-Inzest harmloser?
Es gibt sie, diese Frauen.
Die Medien sind voll mit Berichten über männliche Sexualstraftäter. Über Täterinnen gibt es kaum Informationen. Warum wird der weibliche Anteil an sexueller Gewalt, gerichtet gegen Kinder, fast ausnahmslos geleugnet?
Das vorliegende Buch gibt auf diese und viele andere Fragen im Zusammenhang mit Frauen und Müttern, die (ihre) Kinder sexuell missbrauchen, misshandeln, quälen, malträtieren, Antworten. Es belegt vor allem, dass
• nicht nur Väter, sondern auch Mütter ihre Kinder sexuell missbrauchen;
• Mütter vorwiegend ihre Söhne missbrauchen;
• Mütter, die ihre Söhne missbrauchen, dies offenbar vorwiegend „zärtlich“ tun;
• Mütter, die ihre Töchter missbrauchen, sie dabei sehr häufig malträtieren und quälen;
• es bei den (Folge)Schäden für das kindliche Opfer keine Rolle spielt, ob der Täter weiblich oder männlich ist;
• bei Müttern (Frauen) im Vergleich zu Vätern (Männern) von einer sehr viel höheren Missbrauchsrate, als bisher angenommen wurde, auszugehen ist;
• alleinerziehende Mütter unter den weiblichen Missbrauchern überproportional vertreten sind;
• Mütter (Frauen) als Kindesmissbraucherinnen in der Gesellschaft, in den Medien und der Forschung kaum wahrgenommen werden.
Die Frauen, die eingestehen, dass auch ihr eigenes Geschlecht fähig ist, Kinder sexuell zu missbrauchen, sind fälschlicherweise der Ansicht, dass im Unterschied zu missbrauchenden Männern das Verhalten der missbrauchenden Frauen weniger schädigend ist und mildere Formen aufweist. Mit ihrer aus Verleugnung, Verharmlosung und Verfälschungen bestehenden Erklärungen werden sie durch zahlreiche Feministinnen unterstützt, die über den sexuellen Kindesmissbrauch durch ausschließlich männliche Täter geschrieben haben.
Würde es wirklich zutreffen, dass Frauen im Vergleich zu Männern wesentlich weniger gewalttätig sind, so wird man sich der Frage nicht entziehen können: Wie kommt es denn dann in einer Vielzahl von Missbrauchsfällen durch Frauen zu brutalsten Gewalthandlungen, teilweise sogar zu sadistischen Handlungen, die der Folter gleichen? Es muss sogar die Frage erlaubt sein, ob diese Gewaltanwendungen, die von Frauen – insbesondere Müttern – verübt werden, in Form und Intensität die körperlichen Gewalttaten männlicher Täter in einer nicht nachvollziehbaren Art und Weise weit übertreffen. Dem Verfasser jedenfalls sind bis heute keine Fälle bekannt geworden, in denen Männer, insbesondere (Stief-)Väter an Kindern derartig brutale, sadistische und perverse Gewalthandlungen vollzogen haben, wie Frauen es getan haben (womit auf keinen Fall jene schlimme Gewalt, die von Männern, (Stief-)Vätern beim sexuellen Kindesmissbrauch angewandt wird, verharmlost werden soll!).
Dem Verfasser ist überdies aufgefallen, dass insbesondere Mütter bei den sexuellen Gewalthandlungen die Töchter dazu zwingen, mit Gegenständen und, in vielen Fällen, sogar mit ihren kindlichen Fingern und Händen, ihnen, den Müttern, mittels vaginaler Penetration Orgasmen zu verschaffen. Es sind missbrauchende Mütter, die auch nicht davor zurückschrecken, ihre Töchter vaginal mit Gegenständen, Fingern, Händen und anderen Formen genitaler Manipulation zu penetrieren und zu malträtieren. Die Söhne, die zum Lustobjekt sowie zum Liebes- und Partnerersatz erkoren werden, sind hier offenbar eher selten betroffen.
Mütter scheinen auch bei der körperlichen Misshandlung und Züchtigung ihrer Töchter im Vergleich zu ihren Söhnen brutaler vorzugehen.
„Betrachtet man die körperlichen Misshandlungen bei Mädchen und Jungen getrennt“, so Richter-Appelt und Tiefensee (1996 a, S. 371) in ihrer Studie, „so fällt auf, dass Mädchen eher von der Mutter geohrfeigt oder eingesperrt, an den Haaren gerissen und mit Gegenständen verprügelt werden. Selbst Verbrennungen wurden bei den Mädchen eher von der Mutter vorgenommen als vom Vater. Die Männer hingegen gaben an, Ohrfeigen, Prügel und Tritte eher vom Vater erhalten zu haben. Von der Mutter wurden sie eher eingesperrt oder an den Haaren gerissen.“
Nicht nur die Öffentlichkeit, Medien, Forschung, auch die parteilich-feministischen Beratungs- und Hilfsvereine für missbrauchte Opfer werden sich mit der Tatsache anfreunden müssen, dass es eine Vielzahl von Frauen gibt, die eigene oder fremde Kinder misshandeln, quälen, erniedrigen und sexuell missbrauchen. Sie werden zu begreifen haben, dass nicht nur Mädchen, sondern auch Jungen Opfer sexuellen Missbrauchs und sexueller Gewalt durch Mädchen und Frauen sind, die der Hilfe bedürfen. Sie werden sich eingestehen müssen, dass das Feindbild: Jungen und Männer sind generell (zumindest potentielle) Missbraucher, ein Mythos ist, der zu keinem Zeitpunkt stimmt oder gestimmt hat. Und sie werden insbesondere die Geschichte über den sexuellen Kindesmissbrauch und somit ihre feministische Forschung und Praxis, die Gewalt gegen Mädchen und Frauen als eine ausschließlich männliche, patriarchalische Gewalt benannt hat, die sich nur gegen Mädchen als Mädchen und Frauen als Frauen richtet, umschreiben müssen.
Das gilt auch für nicht parteilich-feministische Beratungs- und Hilfsvereine.
Früher die Frauenbewegung, heute die parteilich-feministischen Beratungs- und Hilfsvereine und deren (radikal) parteilich-feministischen Protagonistinnen der sexuellen Missbrauchsbewegung, werden sich weiter fragen müssen: Wenn Frauen das strukturell vorgegebene Machtverhältnis zu Kindern gewaltförmig ausnutzen und sexualisieren, gibt es dann noch eine Begründung und Legitimation für den Feminismus? Haben sie das Recht, Männer wegen der von ihnen verübten Gewalttaten anzuklagen, wenn ihr eigenes Geschlecht Macht und Gewalt ausübt, indem es (eigene) Kinder misshandelt und/oder sexuell missbraucht?
RAHMEN
Interview mit einer pädophilen Frau
Der Verfasser führte mit einer 42-jährigen pädophilen Feministin, die sich regelmäßig mit anderen betroffenen Frauen zum Erfahrungsaustausch trifft, ein Interview. Da sie unerkannt bleiben will, wird sie vom Verfasser mit dem Pseudonym „Frau Mayer“ angesprochen.
Homes: Wann wurde Ihnen Ihre pädophile Veranlagung bewusst?
Mayer: Im Verlauf meiner Tätigkeit als Babysitterin bemerkte ich mit 15 Jahren in mir eine Veränderung im Umgang mit Kindern. Ich verhielt mich ihnen gegenüber nicht mehr „gefühlsneutral“. Im Gegenteil: Ich ließ mich auf ihr kindliches Verlangen nach Zärtlichkeit ein, indem ich ihre Körper intensiv streichelte und im Laufe der Zeit auch mit meinen Lippen und der Zunge liebkoste. Die innere und äußere Erregung der Kinder übertrug sich auf mich, und ich bin absolut sicher, sie wollten mehr. Doch das kindliche Verlangen nach mehr blockte ich, die Strafbarkeit meines Agierens vor Augen, zu dem Zeitpunkt bewusst ab. Erst mit 25 fing ich an, meine pädophile Veranlagung voll auszuleben.
Homes: Sie sind Feministin und stehen zu ihrer Veranlagung?
Mayer: Ich stehe dazu: Ich begehre Knaben im Alter von acht bis zwölf Jahren. Ich habe seit fast einem Jahr eine tiefe innige, erotische und sexuelle Beziehung zu einem zehnjährigen Jungen. Es gibt nichts Schöneres für mich als der unbefleckte, zarte, unbehaarte Körper eines Knaben. Ich liebe es, ihn sehr behutsam in die nicht enden wollende Liebe einzuführen. Seinen Körper, der sich an mich schmiegt, der vor Lust anfängt zu vibrieren, wenn ich ihn zart mit meinen Händen und meiner Zunge vom Gesicht über Hals, Bauch, Genitalien bis zu den Füßen hin berühre. Und ich mag es, wenn er auf mir liegt und ich an seiner Atmung merke, dass es ihm gefällt und er sich mir völlig hingibt. Auch ich lasse mich fallen, gebe mich ihm hin.
Homes: Warum finden Sie Kinder, konkret Jungen im Kindesalter, anziehend? Anders gefragt: Was gibt Ihnen die sexuelle Beziehung zu einem Jungen?
Mayer: Diese Frage habe ich mir immer und immer wieder gestellt. Für mich gibt es hierauf nur eine Antwort: Ich wurde in meiner Kindheit von meinem Vater missbraucht. Im Laufe der Jahre nahm der Missbrauch an Intensität zu. Ab meinem 13. Lebensjahr vergewaltigte er mich. Mit 16 begann ich mich massiv zu wehren, verweigerte mich und drohte mit der Polizei. Dann endlich ließ er mich in Ruhe.
Ich hasse meinen Vater, und dieser Hass, der sich tief in meine Seele hineingefressen hat, übertrug sich auf alles, was männlich und erwachsen ist. Ich habe einen Ekel vor Männern, vor deren Körper, Genitalien, Körperbehaarung, Körpergeruch, Schweiß und Sperma. Alleine der Gedanke, mit einem Mann sexuell zu verkehren, löst in mir starke Ekelgefühle und Brechreiz aus. All dies verbinde ich nicht mit einem Knabenkörper. Vor meinem jungen Liebhaber muss ich keine Angst haben, dass er mir Schmerzen zufügt, auch nicht beim sexuellen Verkehr. – Mit einem Mann, da bin ich mir absolut sicher, könnte ich niemals vergleichbare Orgasmen erleben.
Homes: Würden Sie der Auffassung zustimmen, dass es eine Vielzahl von Frauen gibt, die in ihrer Kindheit missbraucht oder vergewaltigt wurden, die auch so empfinden und sich für die Pädophilie entschieden haben beziehungsweise entscheiden?
Mayer: Ja! Die pädophilen Frauen, mit denen ich mich regelmäßig zum Erfahrungsaustausch treffe, haben von ihren Vätern sexuelle Gewalt erlebt. Eine Frau wurde auch von der Mutter brutal missbraucht.
Homes: Wenn Sie ehrlich zu sich selbst sind, müssen Sie dann nicht das Ungleichgewicht innerhalb der pädophilen Beziehung anerkennen?
Mayer: Ich lege absoluten Wert auf eine gleichberechtigte Partnerschaft. Die wunderschöne leidenschaftliche Liebesbeziehung zwischen meinem Freund und mir ist geprägt von gegenseitiger emotionaler Zuneigung und Zärtlichkeit, die wir beide immer wieder aufs Neue intensiv ausleben. Mit ihm und durch ihn bin ich wieder das kleine Mädchen, umgeben von seiner kindlichen Leidenschaft. Mein kleiner Freund stillt das nie enden wollende Verlangen des kleinen Mädchens nach Zärtlichkeit. Das kleine Mädchen, das in den Händen seines jungen Liebhabers die brutal entrissene Kindheit wieder und wieder und wieder durchlebt.
Homes: Existiert für Sie ein nennenswerter Unterschied zwischen männlicher und weiblicher Pädophilie?
Mayer: Ja! Meiner festen Überzeugung nach wenden Frauen keine Gewalt an. Männer hingegen üben, von wenigen Ausnahmen sicherlich abgesehen, Gewalt aus. Ihnen geht es um Machtausübung, Kontrolle und Unterwerfung des Kindes.
Homes: Glauben Sie im Ernst, dass diese Attribute nur und ausschließlich auf männliche Pädophile zutreffen? Ist es nicht vielmehr so, dass es gerade auch bei Frauen Pädophile gibt, die Gewalt, zum Teil schlimmste Gewalt anwenden, um sich an Kindern sexuell zu befriedigen? Anders gefragt: Geht es ihnen nicht auch um das Ausleben von Macht, Kontrolle und Unterwerfung?
Mayer: Ich muss zu geben, dass ich das nicht ganz ausschließen kann, dass es vereinzelt auch Frauen gibt, die Gewalt anwenden. Das sind dann aber ganz bestimmt Einzelfälle.
Homes: In der gesamten Fachliteratur findet man zum Thema pädophile Frauen wenig. Sehr vereinzelt gibt es Untersuchungen, in denen betroffene Frauen und vor allem Mütter, die wegen Missbrauchs von Kindern Haftstrafen absitzen müssen, befragt wurden. Die Sexualstraftäterinnen führten als Erklärung dafür, warum sie Kindern sexuelle Gewalt antaten, in erster Linie ins Feld: Die (Ehe-)Partner hätten ihre Bedürfnisse nach Nähe, Zärtlichkeit, Körperkontakt und Sexualität nicht befriedigt. Einige führten aber auch ganz offen an, sie hätten aus Wut und Rache gegenüber den (Ehe-)Partnern die Kinder missbraucht. Mit anderen Worten: Die Sexualstraftäterinnen tobten ihre Wut und Rache an den Kindern aus, indem sie diese malträtierten und sich an deren Körper befriedigten.
Mayer: Ich kann mir das beim besten Willen nicht vorstellen, dass eine von ihrem Ehemann enttäuschte Frau, die von ihm unterdrückt wird, aus Wut oder Rache das gemeinsame Kind sexueller Gewalt aussetzt. Das gilt auch für das mögliche sexuelle Versagen des Mannes. Es übersteigt meine Vorstellungskraft, dass Mütter, die innerhalb der Ehe sexuell unbefriedigt sind, ihre Kinder als Sexualobjekte benutzen.
Homes: Leider entspricht dies der Realität. Im Übrigen: Nach außen hin fallen missbrauchende Mütter nicht auf, da der Missbrauch unter dem Deckmantel der „umsorgenden“, „behütenden“, „pflegenden“, „aufopferungsvollen“ und „hingabewilligen“ Mutter stattfindet. Diese missbrauchenden Mütter profitieren von der gesellschaftlichen Glorifizierung der Mutter als asexuelles Wesen. Ihr Vorteil: sie sind vor Strafverfolgung geschützt.
Mayer: Alleine die Vorstellung, dass Mütter ihren Kindern unter dem Deckmantel ihrer Mutterrolle sexuelle Gewalt antun, ist schwer zu ertragen. Sollte dies der Wirklichkeit entsprechen, und daran habe ich ganz erhebliche Zweifel, müssten entsprechende Maßnahmen ergriffen werden, um diese Kinder vor weitere Übergriffe zu schützen.
Homes: Müssen Kinder nicht auch vor pädophilen Frauen, die keine eigenen Kinder haben, geschützt werden?
Mayer: Nein! Für mich existiert ein wichtiger Unterschied zwischen pädophilen Frauen, die keine Kinder haben, und Müttern, die ihre Kinder missbrauchen.
Homes: Wo konkret liegt dieser Unterschied?
Mayer: Bitte haben Sie dafür Verständnis, wenn ich mich hierzu nicht weiter äußere.
Homes: Sie treffen sich regelmäßig mit anderen betroffenen Frauen zum Erfahrungsaustausch. Können Sie mir berichten, was dort besprochen wird?
Mayer: Diese Treffen finden naturgemäß anonym statt. Wir diskutieren über Sehnsüchte, Träume, Hoffnungen, Ängste. Einige von uns berichten immer wieder von dem Versuch, mit Kindern in Kontakt zu kommen und davon, dass es dann doch nicht zu einer Kontaktaufnahme kommt, weil die Angst vor der kindlichen Reaktion zu groß ist. Noch größer ist die Angst vor Entdeckung und Strafverfolgung.
RAHMEN-ENDE
Der weibliche Anteil an Gewalt und sexuellen Missbrauchsdelikten wird fast ausnahmslos geleugnet und totgeschwiegen. Insbesondere feministische Autorinnen, die zahlreich zum Thema publiziert haben, verschweigen entweder diese Tatsache oder erwähnen es am Rande, sie bagatellisieren und relativieren es gleichzeitig. Ihre Befürchtung: Wenn man die Tatsache anerkennt, dass es Frauen und Mütter gibt, die Kinder, ihre Kinder sexuell missbrauchen, könnte man zum Schluss kommen, dass es keine geschlechtsspezifischen Unterschiede beim sexuellen Missbrauch gibt. Dies wiederum habe möglicherweise eine Rückkehr zu geschlechtsneutraler Theorie und Praxis zur Folge. Zudem führe dies zu einer Relativierung und Umschreibung der Geschichte des sexuellen Kindesmissbrauchs.
Zu groß ist die Angst, dass die öffentliche Diskussion über missbrauchende Frauen und Mütter den Feminismus, aber auch die vorwiegend feministisch geprägten Hilfs- und Beratungsstellen in Frage stellen und in ihren Grundmauern erschüttern könnte.
Die Mutter als Kindesmissbraucherin fügt sich nicht in das feministische Bild von der Frau als Opfer patriarchalischer Gewalt. Zum feministischen Bild gehört es zwangsläufig, den sexuellen Missbrauch von Kindern immer nur in Verbindung mit männlicher Macht und Aggression zu sehen: In erster Linie wurden ausschließlich Mädchen als – potentielle – Opfer männlicher sexueller Gewalt begriffen. Die Jungen wurden den gewalttätigen Männern gleichgestellt: sie waren nach der feministischen Doktrin und Ideologie – wie auch ihre älteren, erwachsenen Geschlechtsgenossen – mindestens potentielle Mädchen- und Frauenvergewaltiger.
Dieses jungen- und männerfeindliche Gesamtbild wird auch heute noch von der (radikal-)feministischen Bewegung, die wiederum sehr von in ihrer Kindheit missbrauchten weiblichen Opfern und lesbischen und radikalen Frauen dominiert ist, suggeriert.
Dieses (radikal-)feministische Gesamtgebilde schlägt sich auch auf die (Frauen-)Forschung nieder: Während es über missbrauchende Männer, Väter, Stiefväter mittlerweile unzählige Fachbücher, Beiträge in Fachzeitschriften, Studien und Untersuchungen gibt, existiert über missbrauchende Frauen, Mütter, Stiefmütter usw. hingegen kein derartiges Konvolut an Materialien.
Die mit diesem jungen- und männerfeindlichen Gesamtbild zusammenhängende exzessive Missbrauchskampagne – insbesondere die in den neunziger Jahren (an dieser Stelle sei erinnert an die „Wormser“, „Montessori“ und „Nordhorner“ Prozesse) – zeigt unstrittig, dass viele kindliche Opfer, die nie Opfer sexuellen Missbrauchs waren, erst durch den Aufdeckungseifer und die Verfolgungssucht selbsternannter „Missbrauchsjägerinnen“, „Aufdeckerinnen“ und „Aufklärerinnen“ (und deren von Absolutismus geprägte Parteilichkeit) viktimisiert worden sind. Für den Verfasser stellen sich in dem Zusammenhang folgende Fragen:
• Findet insbesondere in den parteilich-feministischen Beratungs- und Hilfsvereinen eine Instrumentalisierung der kindlichen Opfer zu Gunsten von Feminismus und deren „Kampf gegen das Feindbild Mann“ statt?
• Werden kindliche (mutmaßliche) Opfer benutzt im „Krieg gegen das Patriarchat“, im „Krieg gegen den männlichen Phallus“?
Dass die Instrumentalisierung von missbrauchten und nicht-missbrauchten Kindern tatsächlich bittere Realität zu sein scheint, bestätigte dem Verfasser eine frühere Mitarbeiterin einer Beratungsstelle für missbrauchte Mädchen und Frauen (siehe hierzu das Interview auf Seite 455).
„Wir haben die Kinder benutzt“, gesteht die Beraterin im Interview, „die, die wirklich missbraucht worden sind, und die, die erkennbar nicht missbraucht wurden, und die wir trotz dieses Wissens zu Opfern erklärt haben. So wird aus dem sexuell missbrauchtem Opfer noch einmal ein Opfer. Und das nicht missbrauchte Kind wird so erst erklärtermaßen zu einem Opfer gemacht. Sie sind alle auch Opfer der parteilich-feministischen Aufklärungs- und Hetzkampagne und des feministischen Krieges gegen alles Männliche.“
Und über die hochsuggestive Aufdeckungsarbeit berichtet sie:
„Natürlich war auch mir bewusst, dass das ständige Fragen, Abfragen, Nachfragen die Kinder verunsichert, verwirrt, verängstigt hat, das ist gar keine Frage. Und natürlich haben die Kinder darunter gelitten. Die Befragung beinhaltete immer das uneingeschränkte Ziel, mit absoluter Präzision hinsichtlich der Suggestion an die Kleinen massiv heranzutreten. Die Fragestellung, geprägt durch die Parteilichkeit, war entsprechend hochsuggestiv. Die Aufdeckungsarbeit mit Hilfe anatomischer Puppen und Kinderzeichnungen wurde von uns völlig voreingenommen betrieben. Wir haben entsprechend total willkürliche Deutungen vorgenommen. Wir haben in allem immer nur ‚Signale‘, Indikatoren für einen sexuellen Missbrauch sehen wollen. Maßgeblich bei der Diagnostik waren immer unsere eigenen aggressiven Phantasien, die die bewusste Vorstellung prägten, der Missbrauch habe bei jedem einzelnen Kind auch tatsächlich stattgefunden. Und wir haben unsere eigenen Missbrauchserfahrungen und die hieraus resultierende Verzweiflung, Wut, Aggressionen, ja Hass auf alle Männer und Väter in die Kinder hineinprojiziert. Die Befragung der Kinder war eindeutig eine Gehirnwäsche: Den ‚Erinnerungen‘ der Mädchen haben wir nachgeholfen, sie notfalls korrigiert, wenn uns die Antworten nicht zufrieden stellten. Wir haben ihnen dann Worte, Sätze in den Mund gelegt, ja aufgedrängt. Auch ich verfolgte unentwegt das Ziel, aus diesen Mädchen Opfer zu machen, egal, ob sie nun sexuell missbraucht wurden oder nicht. Wir haben, nein, wir wollten selbst fest daran glauben, dass jedes der Kinder tatsächlich Opfer von brutaler Männergewalt geworden ist. Deshalb der Slogan: ‚Wir glauben jedem Opfer, denn in solchen Fällen lügen Kinder nicht‘.“
Warum gibt es sehr interessierte Kreise, die in unverantwortlicher Weise wider besseres Wissen mit Horrorzahlen über die Häufigkeit sexuellen Kindesmissbrauchs jonglieren? Ist die Beantwortung dieser Frage in der Tatsache zu finden, dass eine langlebige Legitimation und Existenzberechtigung der Beratungs- und Hilfsvereine, vor allem jener, die parteilich-feministisch orientiert und geprägt sind, erst dann gewährleistet ist, wenn man öffentlichkeitswirksam mit Horrorzahlen durchs Land zieht (wie eben viele fast ausschließlich parteilich-feministische Protagonistinnen erkannt haben)? Anders gefragt: Ist es die Angst, ein schwer erkämpftes Terrain – konkret: das „Monopol“, das sie beim Thema sexueller Kindesmissbrauch innehaben – kampflos aufgeben zu müssen – mit der Folge, dass sie nach einer neuen Legitimation und somit Existenzberechtigung händeringend suchen müssten?
Mindestens 300 000 missbrauchte Kinder jährlich: eine Horror-Zahl, die seit 1984 in den Medien und in zahlreichen Fachbüchern immer wieder gebetsmühlenartig genannt und wiederholt wird. Für den Verfasser steht außer Frage: Das Jonglieren mit dem Leid der tatsächlich sexuell missbrauchten Kinder zugunsten der Missbrauchs-Aufklärungs-Kampagne ist verantwortungslos.
Dem Verfasser stellt sich in dem Zusammenhang die Frage: Würde die Zahl 300 000 (und mehr) vielleicht erst dann Realität, d.h. wirklich stimmen,
• wenn man viel mehr um Sachlichkeit und Objektivität bemüht und insbesondere in der Hell- und Dunkelfeldforschung die Bereitschaft vorhanden wäre, die Mutter und Frau ebenfalls als Täterin, als Kindesmissbraucherin zu berücksichtigen;
• wenn die von (Radikal-)Feministinnen und der (radikal-)feministischen Missbrauchsforschung sehr großzügig und weit ausgelegten Missbrauchsdefinition auch auf missbrauchenden Mütter (und Frauen) Anwendung finden würde;
• wenn männliche wie weibliche Missbrauchsopfer ihr Schweigen, die „Mauer des Schweigens“ aufgeben bzw. zum Einsturz bringen?
Wie hoch würde der tatsächliche weibliche Täteranteil ausfallen?
Das Schweigen der Opfer beiderlei Geschlechts verdeckt unstrittig das ganze Ausmaß der sexuellen Gewalt durch Frauen und Mütter. Das vorliegende Buch soll genau aus dem Grund auch männliche und weibliche Opfer von weiblichen Tätern ermutigen, aufzubegehren und sich an die Öffentlichkeit und Strafjustiz zu wenden. Solange sie schweigen, profitieren die weiblichen Kinderschänder sowie die (radikal-)feministische Bewegung.
Wie das hier vorliegende Buch beweist, muss mit Blick auf die aufgeführten Fakten die Geschichte des sexuellen Kindesmissbrauchs umgeschrieben, wenn nicht gar neu geschrieben werden. Hierfür spricht bereits folgender Tatbestand: Die Missbrauchsrate für weibliche Täter, die in internationalen Studien mit bis zu 80 Prozent und in nationalen (deutschen) Studien bis zu 40 Prozent angegeben werden, zeigen unstrittig, dass in der gesamten Missbrauchsforschung und Öffentlichkeit dringend ein Umdenkungsprozess sowie eine Diskussion über Frauen und Mütter als Kindesmissbraucherinnen stattfinden muss.
Möglicherweise findet dieser Umdenkungsprozess bei den Müttern bereits statt? Der Bremer Soziologe und Universitätsprofessor Gerhard Amendt (1993, S. 2, 3) befragte im Rahmen einer Studie im Frühjahr 1992 unter Berücksichtigung der alten und neuen Bundesländer 903 Frauen u. a. über die Grenzen, die sie in „ihrer Beziehung zum Sohn ziehen, welche sie nicht ziehen, wie sie das tun, und welche Widersprüche sich dabei für ihre Gefühlswelt ergeben und welche Gefühle sie häufig außer acht lassen“.
Ein Ergebnis von Amendts (1993, S. 30) Befragung sei an dieser Stelle wiedergegeben:
„Das erstaunliche und allen gängigen Weiblichkeitsideologien widersprechende Ergebnis ist, dass nur 4,1 % der Frauen der Ansicht sind, dass ‚Mütter ihre Söhne nicht missbrauchen‘. Im Westen beträgt der Anteil sogar nur 2,0 %, im Osten hingegen 6,1%. ‚Dass Mütter es viel seltener tun (als Väter)‘ ist die Meinung von 64,5 % aller Frauen. Wobei auch hier der Anteil im Osten etwas höher liegt (im Osten: 69,5 %, im Westen: 59,6 % - Anm. d. Verf.). ‚Mütter machen es anders‘ ist die Meinung von 41 % der Frauen in den westlichen und 28,1 % in den östlichen Bundesländern (35 % aller Frauen vertreten diese Meinung - Anm. d. Verf.).“
ESTELLA v. WELLDON
Mutter, Madonna, Hure
Die Verherrlichung und Erniedrigung der Mutter und der Frau
Waiblingen (Bonz), 1990, 239 Seiten, 48,— DM
Ausgangspunkt ihres Buches waren Estella Welldons Seminare über weibliche Perversionen in der Londoner Portman-Klinik, die sie zu Beginn der 80er-Jahre zu einem Vortrag über «Mütterlichkeit und sexuelle Perversion» anregten - ein Titel, der mir auch für das vorliegende Buch passender erschienen wäre, weil er den Inhalt deutlicher zum Ausdruck gebracht hätte. Sie schöpft aus ihren langjährigen, in der Klinik gesammelten Erfahrungen mit Patienten, deren Probleme im Bereich der Kriminalität lagen, und untermauert ihre Überlegungen mit Darstellung und Diskussion psychoanalytischer Literatur zur psychosexuellen Entwicklung, in der der traditionelle Phallozentrismus dazu geführt hat, daß die spezifisch weiblichen sexuellen Entwicklungen und Fehlentwicklungen immer noch nicht genügend wahrgenommen werden.
In der Literatur über sexuellen Mißbrauch erscheinen überwiegend Väter als Täter, Töchter als Opfer, und Mütter spielen eine Nebenrolle als tumbe, gefühlskalte Nutznießerinnen der Situation. Vor diesem Hintergrund scheint die auch in Fachkreisen immer noch gängige Behauptung, 80—95% aller Inzestopfer seien weiblich, nur logisch. Dabei werden Mütter als Täterinnen konsequent ausgeblendet, obwohl die Erfahrungen in kindertherapeutischen Praxen, Familienberatungsstellen und Kliniken ein ganz anderes Bild aufweisen. Diese Diskrepanz scheint aber immer noch weitgehend verleugnet und auch in aktuellen Fachbeiträgen kaum berücksichtigt. Hier schließt das vorliegende Buch eine Lücke.
Die Autorin findet eine Erklärung für die unterschiedlichen Reaktionen der Gesellschaft auf mütterlichen und väterlichen Inzest: Die Verleugnung des Mutterinzests hänge mit der Entwertung der Frau zusammen, die die Kehrseite der blinden Glorifizierung der Mutterschaft sei. So liege der Vorstellung `Frauen tun so etwas Schreckliches nicht` die unbewußte Phantasie zugrunde: `So jemand Schwaches kann nicht Täterin sein`. Mit der oben beschriebenen klassischen Konstellation werden die gesellschaftlich zugeschriebenen Rollen (Mann stark = Subjekt Täter, Frau schwach Objekt = Opfer) am wenigsten in Frage gestellt. Die Frau als Schatten des Mannes, als `ohnmächtiges Geschöpf im Penis-neid-Dilemma oder - so in der neuen Frauenbewegung - als das Opfer sozialer Einstellungen` (S. 116) wird als Objekt gesehen, das man im Schaukelspiel von Idealisierung und Entwertung nach Belieben aller Macht berauben oder dem man alle Macht zuschreiben kann — je tiefer die Verachtung, desto höher die Idealisierung. So ist auch die Idealisierung der Mütterlichkeit nur die Gegenseite der Frauenverachtung und Ausdruck des Objektstatus der Frau. (Nicht zufällig erfand der menschenverachtende Nationalsozialismus das Mutterkreuz!) `Wir gestehen ihnen auch nicht den leisesten Sinn für die Verantwortung für ihre einzigartigen Funktionen zu, die in engem Zusammenhang mit der Fruchtbarkeit und der Mutterschaft stehen und die sich zuweilen in perverser Form manifestieren können` (S. 116). Mit der Anerkennung der Frau als Subjekt würde sich die Wahrnehmung ihrer Täter-Seite geradezu aufdrängen, die Seite, mit der sie als Mißbraucherinnen wiederum die Subjekt-Werdung ihrer Kinder verhindern. Als Beleg für die Verleugnung der weiblichen Perversion durch die Gesellschaft führt die Autorin exemplarisch an, daß es bis vor kurzem keine einschlägigen Gesetze gegeben habe. Das Fatale dabei ist, daß Inzesttäterinnen, wenn sie denn den Mut aufbringen, über ihre Not zu sprechen, oftmals auf eine Bagatellisierung ihrer Probleme stoßen, die sie mir ihrer Täter-Seite allein läßt und es ihnen erschwert, therapeutische Hilfe zu finden.
Estella Welldon benennt die Aggression der Täterinnen, gleichzeitig zeigt sie Empathie für ihre Nöte. Die
- hier sehr verkürzt wiedergegebene
- Ursache für die Perversion liege für beide Geschlechter in der Kindheit, im wesentlichen in ungenügender Fürsorge durch Mütter, die selbst wiederum als Kinder unter einem solchen Mangel litten, nicht selten gepaart mir inzestuösen Übergriffen. Dies führt zu einer Verstärkung archaischer Haß- und Rachegefühle, wobei Rache zu verstehen ist als manische Abwehr larenter Trauer, Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit. Der Rächer erlebt ein Hochgefühl aufgrund einer Machtstellung. Die Möglichkeit für eine solche Machtstellung bietet der Frau ihre Mutterschaft, die `für manche Frauen ein ausgezeichnetes Mittel dar(stellt), um ihren Kindern gegenüber perverse und pervertierende Haltungen zum Ausdruck zu bringen und sich an ihrer eigenen Mutter zu rächen` (S. 89), indem sie ihre Macht über ihre Kinder mißbrauchen. Wie die «Macht der Gebärmutter» zu Perversionen führen kann, die sich von der Psychopathologie des Mannes unterscheiden, zur `anderen Seite der Mütterlichkeit`, zu einer «perversen Fürsorge», beschreibt die Autorin anschaulich: Die in ihrer Individuation behinderte, oft selbst mißbrauchte Frau strebt die Mutterschaft `zuweilen aus unbewußten perversen Gründen` an, um in der Rolle der Herrin ihr Kindheitstrauma in den `Triumph des Erwachsenen` umzuwandeln. Kaum ein Herrschafrsverhältnis ist so anfällig für absolute Dominanz und Macht wie das durch reale Abhängigkeit des Kindes von der Mutter charakterisierte Mutter-Kind-Verhältnis. Die perverse Mutter depersonifiziert ihr Kind, sie macht es zu ihrem `Ding`, ihrem `Spielzeug´, ihrem `Phallus`, ihrem `Fetisch`, vielleicht auch zu ihrem `Übergangsobjekt` (dem m.E. allerdings der Übergangscharakter fehlt, da das Objekt der perversen Beziehung ja nicht zum Übergang auf eine reifere Entwicklungsstufe genutzt wird). Kurz: sie macht es zu ihrem Partialobjekt. Die weibliche Perversion unterscheidet sich von der männlichen dadurch, daß sich die perversen Handlungen des Mannes auf externe Partialobjekte richten, die der Frau dagegen auf ihren Körper oder von ihm hervorgebrachte (Selbst-)Objekte. Mit den Worten einer der Patientinnen der Autorin:
`Mein Kind und ich lebten in einem Kokon` (S. 102). Das Kind wird nicht anerkannt als Subjekt, es wird entmenschlicht, zum Partialobjekr der Mutter.
In unserer Arbeit werden wir häufig mit solchen Mutter-Sohn-Beziehungen konfrontiert, deren präödipaler Charakter sich in einer kleinkindhaften, schwül-erotischen Qualität manifestiert. Mütter ergreifen von ihrem kleinen Penisträger Besitz und mißbrauchen ihn als eigenen Phallus
- lustvoll und schuldbewußt zugleich, wie die Mutter eines meiner Patienten, die mir amüsiert — gleichzeitig war es ihr auch peinlich - erzählte, der Sohn hätte ihr im Kleinkindalter vorgeschlagen, zusammen in die Stadt zu gehen und ihr einen Penis zu kaufen, worauf sie ihn um seinen bat.
Estella Welldon geht in der Diskussion ihrer aufrüttelnden, von Empathie getragenen Falldarstellungen auch auf die Problematik der Gegenübertragung ein: Die Inzestschilderungen der Patientinnen lösen starke, verworrene, je nach Geschlecht des Therapeuten unterschiedliche Gefühle aus. Ist es da nicht naheliegend zu vermuten, daß diese Gefühle sich auch auf die selektive Wahrnehmung von sexuellem Mißbrauch auswirken? M. E. ist hier einer der Gründe für die bisherige Ausblendung eines großen Anteils von Täter-Opfer-Konstellationen zu sehen. Auf weitere höchst anregende Gedanken der Autorin, besonders zum Ödipuskomplex (die Verleugnung der Inzestschuld Jokastes) und zur Prostitution (als präödipal perverse Beziehungskonstellation) möchte ich hier lediglich hinweisen.
Dies ist ein wichtiges Buch für Kinderanalytiker. Man sollte sich von der etwas reißerischen Aufmachung - blutbespritzte Mona Lisa unter schwarzer Bildzeitungs-Balkenüberschrift - und dem zunächst eher in die Irre führenden Titel samt Untertitel nicht abschrecken lassen. Es hilft uns, perverse Mutter-Kind-Konstellationen wahrzunehmen und Emparhie für die Täterinnen zu entwickeln. Ich vermute, daß auch im Bewußtsein unseres Berufsstandes die Wahrnehmung für derartige Beziehungen noch viel zu wenig geschärft ist. Sie liegen vermutlich häufig in solchen Therapien vor, wo man das Gefühl hat, nicht `dazwischen` zu kommen, wo sich, trotz vermeintlich intensiver Arbeit mit Müttern, nichts verändert, weil die geheime inzestuöse Intimität mit dem Kind aufrechterhalten werden muß zur manischen Abwehr der Depression mißbrauchter, alleingelassener Frauen. Sie schließen sich mir ihrem Kind `in einen perfekten Kreis ein» (S. 121), an dem alle therapeutischen Bemühungen abprallen.
Annegret Wittenberger
(Kassel)
Rezension in: "Kinderanalyse", 1/1998
Es war Sommer
Es war ein schöner Tag, der letzte im August,
die Sonne brannte so, als hätte sie´s gewußt.
Die Luft war flirrend heiß, und um allein zu sein,
sagte ich den andern : Ich hab heut keine Zeit.
Da traf ich sie, und sah in ihre Augen, und irgendwie hatt ich das Gefühl,
als winkte sie mir zu und schien zu sagen : komm, setz dich zu mir!
Ich war sechzehn und sie einundreißig, und über Liebe wußte ich nicht viel
Sie wußte alles und sie ließ mich spüren,
ich war kein Kind mehr, und es war Sommer.
Sie gab sich so, als sei ich überhaupt nicht da,
und um die Schultern trug sie nur ihr langes Haar.
Ich war verlegen und ich wußte nicht, wohin,
mit meinem Blick, der wie gefesselt an ihr hing.
Ich kann verstehn, hörte ich sie sagen,
nur weil du jung bist, tust du nicht, was du fühlst.
Doch bleib bei mir, bis die Sonne rot wird, dann wirst du sehen.
Wir gingen beide hinunter an den Strand,
und der Junge nahm schüchtern ihre Hand.
Doch als ein Mann sah ich die Sonne aufgehn,
und es war Sommer - es war Sommer
Es war Sommer, das erste mal im Leben, es war Sommer, das allererste Mal,
und als ein Mann sah ich die Sonne aufgehn, und es war Sommer.
Es war Sommer, das erste Mal im Leben, es war Sommer.
Peter Maffay, 1976
http://alf.zfn.uni-bremen.de/~vegas/texte/maffay01.html
Da hat die Dame aber Glück gehabt, dass der Junge (Peter Maffay?) nicht 15 Jahre und 364 Tage alt war, dann wär es nämlich Sexueller Missbrauch nach § 182 Strafgesetzbuch gewesen. Da gibt`s bis zu drei Jahre Knast. Doch so war es wohl halt Liebe.