Walter Hollstein
Walter Holstein
Studium der Geistes- und Sozialwissenschaften in Basel und Münster/W. Dr. phil. Journalist in Basel, Lausanne , Genf und Beirut. Professor für politische Soziologie in Berlin. Gutachter des Europarates für Männer- und Geschlechterfragen. Deutscher Sachbuchpreis. Diverse Bücher über Männer und Männerbewegung. Lebt in Riehen bei Basel
"was vom manne übrig blieb. krise und zukunft des starken geschlechts"
(aufbau-verlag)
NEUERSCHEINUNG
Die öffentliche Wahrnehmung ist durch den Einfluss von Frauenbewegung und Feminismus selektiv eingestellt worden. Das schließt einerseits die Thematisierung weiblichen Problemverhaltens aus und verhindert andererseits die Anerkennung männlicher Problemlagen. Beides gehört nicht mehr zu einer „political correctness“, die inzwischen von Frauen definiert wird. So lebensbedeutsam der Feminismus für neue Orientierungen des weiblichen Geschlechts gewesen ist, so verheerend sind seine Folgen für das männliche und dessen Sozialisation.
Zum Zeitgeist gehört, Männlichkeit nur noch mit den negativen Assoziationen von Gewalt, Krieg, Naturzerstörung, sexueller Belästigung und Missbrauch zu verbinden. Auch einstmals positive Qualitäten von Mann-sein werden mittlerweile gesellschaftlich umgedeutet. Männlicher Mut wird als männliche Aggressivität denunziert; aus Leistungsmotivation wird männlicher Karrierismus, aus Durchsetzungsvermögen männliche Herrschsucht, aus sinnvollem Widerspruch männliche Definitionsmacht und das, was einst als männliche Autonomie hoch gelobt war, wird nun als die männliche Unfähigkeit zur Nähe und Hingabe diffamiert.. Männer müssen sich seit cirka vier Jahrzehnten als Unterdrücker, Schweine, Ungeziefer, Vergewaltiger oder – bestenfalls – Trottel öffentlich diffamieren lassen. Widerspruch gilt bereits als frauenfeindlich.
Unbedacht bleiben dabei die verheerenden Folgen für die männliche Identitätsbildung von Buben und jungen Männern. Zusammenhänge eines negativen Bildes von Männlichkeit und männlicher Verwahrlosung, Suchtanfälligkeit, Gewalttätigkeit, Kriminalität oder Schulversagen werden nicht thematisiert. Die Forschung zu dieser Entwicklung aus dem anglo-amerikanischen Sprachbereich spricht bereits von einer öffentlichen „Verachtung der Männer“ und – parallel zur Misogynie – von der gezielten Ausbreitung von Männerhass (Misandrie).
Die Gesellschaft sollte sich endlich dieses Problems annehmen und Männer müssen reagieren.
INHALTSVERZEICHNIS:
Vorwort: Ende oder Zukunft der Männer?
1. Kapitel: Männer in der Krise
2. Kapitel: Die Entmännlichung des Mannes – Vom Helden zum Funktionär
3. Kapitel: Männlichkeit im Widerspruch – Die schizophrene Lage heutiger Männer
4. Kapitel: Das Drama der Männlichkeit – Die Erziehung des Jungen zum Mann
5. Kapitel: Aus der Frau, von der Frau weg, zu den Frauen hin – Söhne und Mütter, Männer und Frauen
6. Kapitel: Männerwelten – Männer und Männer, Söhne und Väter
7. Kapitel: Opfertäter, Täteropfer : Das Leid von Jungen und Männern
8. Kapitel: Misandrie – Begründung und Ausbreitung von Männerhass
9. Kapitel: Was vom Manne übrig blieb – Das Problem der männlichen Identität
10. Kapitel: Müssen Männer Helden sein? – Nachträgliche Wege zur Männlichkeit
11. Kapitel: Das vernachlässigte Geschlecht – Jungen und Männer in der Gleichstellungspolitik
12. Kapitel: Gemeinsam wären wir stark – Mädchen und Jungen; Männer und Frauen
Erschienen: April 2008, Aufbau-Verlag (Berlin)
Walter Hollstein:
„Geschlechterdemokratie – Männer und Frauen: Besser miteinander leben.“
Eine Rezension von Volker Handke. Erschienen in:
Zukünfte - Zeitschrift für Zukunftsgestaltung & vernetztes Denken
Nr. 51, 14. Jahrgang, Herbst 2005, ISBN 0942 0436 S. 50-51.
Prof. Dr. Walter Hollstein vom Institut für Geschlechter- und Generationsforschung der Universität Bremen hat ein neues Buch veröffentlicht. Sein Buch ist eine Bestandsaufname und gleichzeitig ein Vorschlag. Entlang der wesentlichen strittigen Themenfelder im Geschlechterdiskurs wird der Stand der Dinge in Sachen Geschlechterverhältnis in Deutschland, Österreich und der Schweiz beschrieben. Zu jedem Thema werden dabei Interviews mit Experten und Expertinnen geführt. Die einzelnen Themen werden entlang ihrer historischen Entwicklungsprozesse beschrieben, die zum Status Quo führten. Anschließend wird in den jeweiligen Handlungsfeldern das Leitbild der Geschlechterdemokratie angewandt, seine Chancen und Grenzen ausgelotet und themenspezifische Umsetzungsstrategien vorgeschlagen.
Untermauert mit reichhaltigen empirischen Befunden gibt das Buch einen sehr guten Überblick über die aktuelle Situation zwischen den Geschlechtern im deutschsprachigen Raum. Dabei entwirft es eine erstaunlich einleuchtende Lösungsstrategie und füllt so den bisher recht schwer fassbaren aber politisch-strategisch so zentralen Begriff der Geschlechterdemokratie mit Leben.
Walter Hollstein wählt einen Zugang der zunächst verblüfft. Er geht zwar wie viele andere auch vom Verhältnis der Geschlechter zueinander aus, stellt dabei aber die Liebe zwischen Männer und Frauen in den Mittelpunkt, gelangt so zu Partnerschaft, Elternschaft und Familie und erschließt sich damit die wesentlichen geschlechtersensiblen Handlungsfelder. Wie ein roter Faden durchzieht sich das Unbehagen der Geschlechter mit der aktuellen Situation. Auf der einen Seite Frauen die viel erreicht zu haben scheinen und doch zunehmend auf der Stelle treten und auf der anderen Seite Männer deren bisherige Rolle massiv in Frage gestellt, über keine Alternativen verfügen. Hollstein attestiert eine Umbruchsituation im Geschlechterverhältnis. Die alten Rollenbilder und Erwartungen sind brüchig geworden und neue Leitbilder sind erst in Umrissen erkennbar, müssen noch ausgehandelt werden und werden –so viel steht fest - keine allgemeine Gültigkeit mehr besitzen. Hier wird ein zweiter roter Faden des Buches sichtbar. Das vorgeschlagene Leitbild der Geschlechterdemokratie umfasst beide Ge-schlechter, Männer wie Frauen. Hollstein weist durchgängig darauf hin, dass im bisherigen Geschlechterdiskurs etwas Entscheidendes fehlt: Die Männerfrage. Ohne eine Berücksichtigung der Männerperspektive, ohne eine Integration der Männer als gleichberechtigte und gleichverantwortliche Dialogpartner mit legitimen geschlechtsspezifischen Interessen, kann Geschlechterpolitik nicht gelingen und gerät letztlich auch die Gleichstellung der Frauen in eine Sackgasse.
Das Buch weist diesbezüglich auf die zahlreichen Fehlstellen hin. Sei es bei Bildung, Gesundheit, Gewalt, Arbeit, Wehrpflicht und Vaterschaft immer wird deutlich wie sehr bisher aus Gründen der ideologisch postulierten Eindeutigkeit der Machtverhältnisse und der Durchgängigkeit der Unterdrückung des weiblichen Geschlechts männliche Problemlagen ausgeblendet oder bagatellisiert werden. Das Buch setzt sich damit deutlich vom gegenwärtig „Genderismus“ (Hollstein) ab. Männer und Frauen sind feststehende Kategorien und die Verhandelbarkeit dieser Kategorien erteilt Hollstein eine deutliche Absage, in dem er sie als Allmachtsphantasie entlarvt, die nicht hinnehmen will, dass die eigene Existenz Grenzen hat welche für die Herausbildung einer eigenen Identität auch unverzichtbar sind. Damit gibt das Buch nebenbei auch eine Antwort auf die Frage, ob Differenzen zwangsläufig zu Hierarchien führen müssen. Dabei grenzt sich Hollstein sowohl von der feministischen Differenztheorie, nach der lediglich den klassischen weiblichen Attributen wie Fürsorge, Naturnähe, Empathie, Emotionalität usw. zum Durchbruch geholfen werden müsste, als auch von männerbündischen Forderungen nach einer Wiederbelebung traditioneller Männlichkeit sehr deutlich ab. Gleichwohl unterstreicht Hollstein immer wieder die Notwendigkeit, das soziale Geschlecht mit seinen gesellschaftlichen Zuschreibungen und hegemonialen Eindeutigkeiten zu hinterfragen, zu verändern und aktiv zu gestalten. Und er attestiert den Frauen einen deutlichen Vorsprung. Denn ihr soziales Geschlecht wird inzwischen weit weniger rigide konstruiert, hat sich in den letzten Jahrzehnten zunehmend differenziert, und verfügt über gesellschaftlich weitgehend akzeptierte Alternativen zur traditionellen Rollenzuschreibung. Auf Seiten der Männer ist dagegen zwar eine Erodierung der traditionellen Geschlechterrolle unübersehbar, aber Alternativen sind nicht oder erst sehr rudimentär vorhanden und ihre gesellschaftliche Akzeptanz wird - nicht zuletzt auch durch Frauen und dem was sie attraktiv finden - durch mächtige Sanktionsmechanismen erschwert.
Nicht immer nachvollziehbar ist die Auswahl der interviewten Experten und Expertinnen. So nehmen die Vertreterinnen traditioneller feministischer Erklärungsansätze einen großen Raum ein. Es wäre dem Buch gut bekommen, wenn statt dessen noch mehr Experten der kritischen Männerforschung z. B. aus dem Bereich der Jungenarbeit, der Väternetzwerke und der Männerberatung zu Wort gekommen wären. Wenig überzeugend erscheint auch das unbedingte Bestreben, sich von –wie Hollstein es nennt- männerbündischen Positionen abzugrenzen. Warum z.B. Matthias Matussek in diesem Zusammenhang mit seinen zugegeben populistischen Arbeiten zur vaterlosen Gesellschaften als jemand auftaucht, der den traditionellen Geschlechterkonstellationen das Wort redet, bleibt rätselhaft.
Insgesamt aber ist das Buch überaus lesenswert. Als Zeitdokument markiert es die längst überfällige Einsicht der renommierten Geschlechterforschung, dass ohne die Berücksichtigung der Männerfrage keine demokratische und gerechte Gestaltung der Geschlechterverhältnisse möglich ist.
Das Buch kann jedem Menschen empfohlen werden, der sich um das Geschlechterverhältnis sorgt und mit Unbehagen den ritualisierten Schlagabtausch im Geschlechterdiskurs verfolgt.
Es ist für eine sozialwissenschaftliche Fachpublikation erstaunlich gut lesbar, unmittelbar nachvollziehbar gegliedert und durch seine wiederkehrende Struktur von thematischer Einführung, empirischer Unterlegung und Interview auch als Nachschlagewerk gut zu gebrauchen. Durch diese wiederkehrende Struktur, durch die Hervorhebung von Schlüsselpassagen und dadurch, dass in jeden thematische Bereich zunächst eingeführt wird, eignet sich das Buch für diejenigen die sich dem Geschlechterthema erstmalig nähern genauso, wie für diejenigen welche die Geschlechterdebatte schon länger verfolgen.
Walter Hollstein: „Geschlechterdemokratie – Männer und Frauen: Besser miteinander leben.“
VS Verlag für Sozialwissenschaften Wiesbaden 2004, ISBN 3-8-100-3978-0.
360 Seiten Taschenbuch.
Rezension des aktuellen Buches von Walter Hollstein::
-Geschlechterdemokratie Männer und Frauen: Besser miteinander leben.
Die Rezension ist erschienen in:
Zukünfte - Zeitschrift für Zukunftsgestaltung & vernetztes Denken
Nr. 51, 14. Jahrgang, Herbst 2005, ISBN 0942 0436 S. 50-51.
und ist unter Angabe von Autor und Quelle frei verwendbar.
01/2006
FRAUEN UND MÄNNER: NACH WIE VOR EIN UNGLEICHGEWICHT
Die Zukunft gehört den Frauen, die Vergangenheit den Männern
Zwischen Frauen und Männern gibt es trotz jahrzehntelanger Bemühungen der Politik nach wie vor erhebliche soziale und kulturelle Diskrepanzen. Im Gegensatz zu dem, was von der Öffentlichkeit wahrgenommen wird, zeigen sich Benachteiligungen aber inzwischen auch zunehmend auf Männerseite. Das ist das Ergebnis von Walter Hollsteins neuer Studie „Geschlechterdemokratie; es handelt sich dabei um überhaupt die erste Gesamtdarstellung der Geschlechterbeziehungen im deutschsprachigen Raum. Aufgrund umfassenden empirischen Materials stellt Hollstein fest, dass viele Frauen nach wie vor materiell benachteiligt sind. Sie verdienen im Durchschnitt erheblich weniger als Männer, besitzen die geringeren Aufstiegschancen – auch bei gleicher Qualifikation -, sind politisch schlechter vertreten und müssen noch immer den Großteil der Arbeit im Haushalt und bei der Kindererziehung übernehmen, selbst wenn sie ebenfalls erwerbstätig sind. Längerfristig besehen erhöht sich allerdings die Mitverantwortung der Männer im Privatbereich; die politische Repräsentation der Frauen hat sich in den vergangenen Jahren verstärkt, und ihre Erwerbsquote steigt, während die der Männer kontinuierlich fällt. Auch wurden in den vergangenen drei Jahren mehr Männer arbeitslos als Frauen. Perspektivisch lässt sich feststellen, dass die Zukunft den Frauen gehören wird, während die Männer in der Vergangenheit dominiert haben.
Die Aussichten der Männer verschlechtern sich immer mehr. Sie verlieren nicht nur an Macht und Prestige, sondern einer wachsenden Anzahl von nur unzureichend ausgebildeten Männern droht die Proletarisierung. Damit sind auch Gefahren einer steigenden Kriminalität, des anwachsenden Rechtsextremismus und einer zunehmenden Gewaltbereitschaft verbunden.Verstärkt werden diese Tendenzen durch die zunehmenden Rollen- und Identitätsprobleme von Männern Dies alles hat die offizielle Politik bisher noch überhaupt nicht zur Kenntnis genommen. Nur in Österreich gibt es seit drei Jahren eine „Männerpolitische Grundsatzabteilung“ im Ministerium für soziale Sicherung.
Im Bildungsbereich sind Männer inzwischen das unterprivilegierte Geschlecht; sie stellen die übergroße Mehrheit von Schulversagern, Schulschwänzern, Problemkindern und Frühkriminellen. Benachteiligt sind Männer auch im Gesundheitsbereich. Männer sterben siebenmal häufiger an HIV-Infektionen, fünfmal häufiger bei Verkehrsunfällen, viermal häufiger bei Gewalttaten, dreimal häufiger bei Selbsttötungen, an Herz- und Kreislauferkrankungen und an Lungenkrebs, zweimal häufiger an Leberzirrhose, Diabetes und infektiösen Erkrankungen. Die Lebenserwartung von Männern liegt um mehr als sechs Jahre unter der der Frauen.
Im öffentlichen Bewusstsein, das in diesem Bereich von einer überholten feministischen Ideologie beherrscht wird, hat sich der Allgemeinplatz von der generellen Unterprivilegierung und Opferrolle der Frau durchgesetzt. Der Gedanke, dass auch Männer in bestimmten Bereichen benachteiligt sein könnten, darf erst gar nicht gedacht werden; er widerspricht der landläufigen „political correctness“. Insofern fordert Hollstein ein Umdenken in der Geschlechterdebatte und eine neue Politik, die sich neben der Probleme von Frauen und Mädchen auch der Schwierigkeiten von Männern und Jungen annimmt. Seien belegte These lautet, dass ohne eine Veränderung von Mannsein auch die Emanzipation der Frauen nicht wirklich gelingen kann.
Walter Hollstein
Geschlechterdemokratie. Männer und Frauen: Besser miteinander leben.
Verlag für Sozialwissenschaften. Wiesbaden Juni 2004
"Potent werden - Das Handbuch für Männer"
Walter Hollstein
Verlag Hans Huber, ISBN 3-456-83534-5
49,80 DM
Eigenartigerweise wird Walter Hollstein mitunter in den Medien, so sie denn überhaupt über Männerfragen informieren, gerne als Papst der deutschen Männerbewegung verkauft. Das ist er sicher nicht, denn erstens hat die Männerbewegung keinen Papst und zweitens, wenn sie einen hätte, warum sollte es unbedingt Walter Hollstein sein. Schließlich hat ja in der Männerbewegung noch keine Papstwahl stattgefunden.
Aber eins ist sicher, Walter Hollstein ist Professor in Berlin und einer der langjährigen öffentlich männerpolitisch wahrnehmbaren Männer. Dafür sei ihm gedankt.
Manne, 29.5.2001
Männerdämmerung. Von Tätern, Opfern, Schurken und Helden
Walter Hollstein (1999)
Göttingen (Vanden-Hoeck und Ruprecht); DM 29
"Mann sein geht nicht. Wenigstens nicht so. Der Männer-Autor Walter Hollstein macht in diesem Buch deutlich, wie die überkommenen Bilder von Männlichkeit in unserer Zeit entleert wurden, und er zeigt, was männliche Identität noch weiter für sich bewahren, wie sie sich anreichern und vollständig werden kann. - Männlichkeit mit Zukunft." (Klappentext)